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Tuningbranche auf hohem Niveau stabil

27/11/2015
  • Sportliche Individualität hat Konjunktur
  • Anspruchsvolles Aufgabenfeld für Spezialisten
  • High-End-Produkte unterstreichen besondere Marktposition von Continental bei sportiven Reifen für Supersportler

Vollgas – aber sicher. Einmal im Jahr trifft sich die Tuningbranche in Essen auf Europas größter Messe und bedeutendsten Leistungsshow für Tuning, Motorsport, sportliche Serienfahrzeuge und Classic Cars. Internationales Publikum und eine steigende Zahl von Ausstellern feiern eine Branche, der unsichere Konjunkturerwartungen und schwankende Erstzulassungen im Pkw-Bereich bislang wenig anhaben konnten. Im Gegenteil: nach nur moderaten Einbußen im Krisenjahr 2009 und einem stabilen Folgejahr knüpften die im Verband der Automobil Tuner (VDAT e.V.) zusammengeschlossenen Unternehmen 2011 mit einem Umsatz in Höhe von 4,6 Milliarden Euro nahtlos an die Bestmarken aus den Jahren 2006 bis 2008 an. Seitdem sind die Zahlen weitgehend stabil. Für das Jahr 2014 melden 50 Prozent der VDAT-Unternehmen einen gegenüber dem Vorjahr gestiegenen Umsatz. 33,3 Prozent melden Umsätze auf Vorjahresniveau. Größere Veränderungen erwartet man beim VDAT auf absehbare Zeit nicht. Ausschlaggebend dafür sind zwei auffällige Trends, von denen insbesondere jene Unternehmen profitieren, die sich mit ihren Produkten und Dienstleistungen im Premium-Bereich bewegen. Erstens steigt die Zahl derer, die bereit sind, für ihre Leidenschaft tief in die Tasche zu greifen. Und zweitens spielt Qualität bei der Fahrzeugveredelung für Käufer eine immer größere Rolle. Beide Trends haben sich im vergangenen Jahr weiter verstärkt. Investierte zwischen 2011 und 2013 nahezu jeder Fünfte Tuning-Begeisterte mehr als 10.000 Euro in sein Fahrzeug, so tat dies 2014 bereits jeder vierte. Auch Markenqualität spielt weiterhin eine große Rolle. Dies gilt insbesondere für die sicherheitsrelevanten Zubehörteile. Während sich bei Fußmatten oder Pflegeartikeln jeder fünfte Käufer für No-Name-Produkte entscheidet, sind es bei Rädern und Felgen deutlich unter zehn Prozent.

Dabei verzeichnet die Branche wie der normale Fahrzeugmarkt auch weiterhin eine zunehmende Internationalisierung. Zwar ist Deutschland neben Amerika nach wie vor einer der umsatzstärksten Tuning-Märkte überhaupt, dennoch sind VDAT-Angaben zufolge nur noch drei Prozent der Mitgliedsunternehmen ausschließlich auf dem Heimatmarkt tätig. Deutlich über 80 Prozent generieren ihre Umsätze mittlerweile europaweit. Und bereits 15 Prozent sind überwiegend außerhalb Europas erfolgreich. Im Mittelpunkt des Interesses für die Global Player stehen dabei die aufstrebenden Märkte China, Russland, Indien und Südamerika. Dabei sieht der VDAT in Europa durchaus weiteres Entwicklungspotenzial. Dies setzt allerdings voraus, dass die Zulassungsregularien für Tuning-Zubehör weiter vereinheitlicht werden.

Nichts geändert hat sich über die Jahre am zentralen Kaufgrund für Tuning-Fahrzeuge und -Teile. Haupttriebfeder ist der Ausdruck der eigenen Persönlichkeit durch Individualisierung. Dicht gefolgt vom Wunsch nach technischer Verbesserung und einem Plus an Sicherheit. Der Bedarf an gesteigerten Höchstgeschwindigkeiten wird von den Fahrzeugherstellern zunehmend bereits ab Werk gedeckt.

Nach wie vor beginnt Tuning bei Breitreifen. Nicht ohne Grund, denn mit ihren größeren Bodenaufstandsflächen stehen sie unter anderem für bessere Fahreigenschaften, kürzere Bremswege und besseren Nassgriff. Mit zunehmender Reifenbreite steigen Kurvenstabilität, Lenkpräzision, die Fähigkeit zum Fahrspur- und Lastwechsel sowie die Sportlichkeit. Da ist es nicht verwunderlich, dass mehr als ein Viertel aller Branchenumsätze auf Rad-Reifen-Kombinationen entfällt. Von der herausgehobenen Bedeutung profitieren angesichts des Trends zu Qualität und Sicherheit in der Reifen-Industrie insbesondere die Hersteller hochwertiger Premiumprodukte wie Continental. Dabei überzeugen die Hannoveraner nicht zuletzt mit ihrer Kompetenz als führender europäischer Erstausrüster – zumal Fahrzeuge, die schon serienmäßig mit Motoren für Geschwindigkeiten weit jenseits von 240 km/h ausgestattet sind, mittlerweile zum alltäglichen Straßenbild gehören.

Weil die High-Speed-Grenze von den Fahrzeugherstellern immer weiter hinausgeschoben wird, verschiebt sich auch die Nachfrage nach einzelnen Dimensionen. Im vergangenen Jahr rollten bereits 40 Prozent aller Fahrzeuge auf Reifengrößen oberhalb von 16 Zoll aus den Produktionshallen der Automobilhersteller. Das Marktpotenzial für Pneus ab 17 Zoll aufwärts mit Geschwindigkeitsindex W, Y oder Z wird von Experten für Deutschland auf über fünf Millionen taxiert. Innerhalb dieses Ultra-High-Performence-Segments (UHP) gibt es deutliche Verschiebungen im Nachfrageverhalten zu Gunsten von Größen ab 20 Zoll aufwärts. Marktexperten gehen davon aus, dass die Mengenverschiebungen zugunsten der größeren Dimensionen auf absehbare Zeit anhalten werden. Schließlich bringt es der R8 von Audi heute in der Spitze ebenso auf über 300 km/h wie der Porsche 911 Turbo S. Deutlich darüber liegen weitere Boliden unter anderem von Ferrari, Bugatti und Jaguar. Da ist es kein Wunder, dass Tuning-Begeisterung von Fahrzeugkäufern heute nicht mehr vordergründig durch ein Plus an Geschwindigkeit zum Ausdruck gebracht wird.

So kommt es, dass zum Einen sportliche Lösungen aus der Continental-Großserienproduktion heute bis hinein in den gehobenen Tuning-Bereich sinnvoll eingesetzt werden können. Zum Anderen aber vergleichsweise herkömmliche Reifen angesichts der zunehmend sportlicheren Boliden dem Anspruch der Tuning-Branche im High-End-Bereich immer weniger gerecht werden. Entsprechend ist die Entwicklung von Ultra-High-Performance-Reifen in den zurückliegenden Jahren mehr und mehr zu einem höchst anspruchsvollen Aufgabenfeld für Spezialisten geworden. Supersportler, die schon ab Werk über 300 km/h schnell sind, erfordern für die Leistungssteigerung und Individualisierung immer speziellere Lösungen. Diesen Trend hat Continental frühzeitig erkannt. Die Techniker des führenden europäischen Reifenherstellers stehen schon seit Jahren im direkten Kontakt mit den Top-Veredlern der Branche und berücksichtigen deren konkreten Bedarf bei neuen Produkten und aufwendigen Weiterentwicklungen. Im hessischen Korbach investiert Continental mehr als 45 Millionen Euro in den Aufbau eines Zentrums für Hochtechnologie-Produktion und -Prozess-Entwicklung für die besonders anspruchsvollen Reifengrößen von 19 bis 23 Zoll. Schon ab Mitte 2016 sollen dort jährlich rund 350.000 Höchstleistungspneus für besonders sportliche, technologisch sehr anspruchsvolle und hochmotorisierte Pkw produziert werden.

Weiter zugenommen hat der Trend zum sportlichen Wintereinsatz. Seit der Einführung des ersten Winter-V-Reifens im Jahr 2000 durch Continental, der allen Pkw Geschwindigkeiten bis 240 km/h ermöglichte, ist eine rasche technische Weiterentwicklung zu verzeichnen. Schon 2003 wurden Geschwindigkeiten bis 270 km/h möglich. Mit der weiter steigenden Wintertauglichkeit der UHP-Kältespezialisten stieg auch die Akzeptanz höherer Geschwindigkeitsindizes beim sportlich orientierten Endverbraucher. Mit dem ContiWinterContact TS 830 P wurde schließlich die letzte Lücke im High-End-Segment Winter geschlossen. Denn mit dem Vorgänger des im vergangenen Jahr eingeführten WinterContact TS 850 P wurde erstmals ein UHP-Winterreifen für Spitzensportler wie den Porsche 911 oder das Maserati GranSport Coupé entwickelt, der speziell auf die Bedürfnisse von Fahrdynamiksystemen abgestimmt ist.

Dass die Fahrzeughersteller mit immer stärkeren Motorvarianten aufwarten und gleichzeitig mit einer zunehmenden Ausweitung des Originalzubehör-Programms dem Individualisierungswunsch bereits ab Werk deutlich entgegenkommen, geht an der Tuning-Branche nicht spurlos vorbei. Mehr und mehr entwickelt sich Tuning zu einem Geschäftsfeld, in dem nur noch reine Spezialisten dauerhaft erfolgreich am Start sind. Diese konzentrieren sich (zumindest im Premium-Bereich) zunehmend auf die Veredelung von Fahrzeugen bestimmter Hersteller und sind mit diesem besonderen Know-how auch international gefragt. Immer speziellere High-End-Lösungen treiben Aufwand und Kosten. Eines bleibt jedoch sicher: Tuning lebt von Leidenschaften.

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