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Grandios scheitern

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15/11/2016
 

Es gibt Marathon-Läufe. Es gibt Triathlon-Wettkämpfe und Ultraläufe durch Wüsten oder über Berge. Und es gibt den Barkley Marathon im Frozen Head State Park im US-Bundesstaat Tennessee. In Teil 3 der neuen GripWorld-Serie "Verrückte Läufe" präsentieren wir das wohl schwierigste und geheimnisvollste Laufevent der Welt.


Selbst in der Gemeinschaft der Ultraläufer genießt dieser Wettbewerb den Status eines Mythos. Erst 14 von insgesamt 900 Teilnehmern haben es überhaupt erst in 30 Jahren ins Ziel geschafft. Es gibt Jahre, da scheiden alle 35 Teilnehmer aus. Doch was macht den 1986 ins Leben gerufenen Lauf so besonders? Der deutsche Läufer Tobias Ehmke nahm 2014 teil. Zu Ende gebracht hat auch er ihn nicht. „Der Barkley verzeiht keine Fehler“, sagt er. „Gar keine. Wer das erste Mal teilnimmt, kommt garantiert nicht ins Ziel.“ Und gerade ist das Lockmittel.

Beim Start des Marathons sind noch alle Läufer beisammen. Ins Ziel kommt so gut wie keiner – erst 14 Läufer haben das in 30 Jahren geschafft.

 

Die Regeln des Barkley Marathons haben es in sich – zumal es natürlich nicht über die klassische Marathondistanz von gut 41 Kilometern geht. Auf einem festgelegten Gebiet im Frozen Head State Park im US-Bundesstaat Tennessee müssen innerhalb von 60 Stunden fünf Runden à 20 Meilen, also rund 160 Kilometer, zurückgelegt werden. Technische Hilfsmittel sind strikt verboten. Zur Orientierung dienen ein Kompass und eine Landkarte. Auch ein Rucksack mit Verpflegung, Allwetter-Kleidung und einer Zeltplane für den Notfall darf mitgenommen werden. Die Route variiert jedes Jahr. Sicher ist nur, dass sie irgendwo in der Wildnis abseits der markierten Wanderwege liegt. Aufsummiert ergeben sich dabei noch an die 18.000 Höhenmeter, die im Verlauf des Laufs überwunden werden müssen. Abkürzen ist natürlich nicht erlaubt. Um nachzuweisen, dass man die korrekte Route gelaufen ist, liegen an zuvor geheimen Orten zehn Bücher versteckt, aus denen die Läufer bestimmte Seiten rausreißen und dann am Checkpoint vorzeigen müssen. Als sei dies nicht schon Herausforderung genug, leistet die Natur ihren Beitrag. Sind es tagsüber an die 20 Grad, kann es nachts frieren. Das Gelände ist unwegsam, unübersichtlich und unberechenbar. „Das ist das Größte, was zu laufen möglich ist“, sagt Ehmke. „Der Barkley ist der Lauf, um den sich die meisten Legenden ranken. Der Lauf, bei dem eigentlich keiner genau weiß, wie man ihn am besten bewältigt.“

Ein Läufer rennt entlang der alten Gefängnismauer des Brushy Mountain State Prison – ein Gefängnisausbruch vor Jahrzehnten war Inspiration für die Gründung des Barkley-Marathons. Foto: Dokumentation "The Barkley Marathons"

 

Immerhin: Nur 1,60 Dollar kostet die Startgebühr. Doch um diese zahlen zu dürfen, muss man schon vorab Ausdauer beweisen. Denn nur die Wenigsten wissen überhaupt, wie man sich beim Barkley anmelden kann. Keine Internetseite, keine Telefonhotline – wer beim Barkley starten will, braucht Kontakte, Geduld und den entscheidenden Tipp zum richtigen Zeitpunkt. So wie Tobias Ehmke. Als er 2013 zwei Wochen lang von einer Krankheit außer Gefecht gesetzt war, tat er nichts anderes als herauszufinden, wie er am Barkley Marathon teilnehmen könnte. Im Internet traf er dann auf eine eingeweihte Läufergruppe, die ihm den entscheidenden Hinweis gab. An einem bestimmten Tag, zu einem bestimmten Zeitpunkt muss auf einer geheimen Internetseite eine E-Mail an den Veranstalter geschrieben werden. Darin muss man begründen, warum es einem erlaubt sein sollte, an diesem Lauf teilzunehmen. Ehmkes Begründung seinerzeit lautete: „Die anderen Läufe waren einfach alle zu langweilig.“ Innerhalb von 24 Stunden kam die Zusage. Trotz aller professioneller Vorbereitung hat es im Endeffekt nicht gereicht. Die Orientierungslosigkeit im unwegsamen Gelände machte ihm eine Strich durch die Rechnung, so dass er aus Zeitmangel abbrechen musste. Der Veranstalter, Gary Cantrell, verfolgt seine ganz eigene Philosophie bei dem mysteriösen Wettbewerb, wenn er sagt: „Alle anderen großen Rennen sind so gemacht, dass du es schaffen kannst. Der Barkley ist so gemacht, dass du scheiterst.“ Bisher ist ihm das eindrucksvoll gelungen.

Ultraläufer Jared Campbell vor einer der klassischen Hindernisherausforderungen: "Danger Dave`s Climbing Wall" ist ein besonders unwegsamer Anstieg. Foto: Dokumentation "The Barkley Marathons"

 

Einen kleinen Lichtblick gibt es für Interessierte aber dann doch noch. Ein Kamerateam machte sich auf, um das Ganze Spektakel zu dokumentieren. Wie diese wiederum an die Veranstalter herangetreten sind, bleibt ein Geheimnis. Die Dokumentation allerdings nicht. Sie kann über die Webseite www.barkleymovie.com erworben werden. Der Titel klingt vielversprechend: „The Barkley Marathons: The Race That Eats Its Young“. Frei übersetzt: Das Rennen, das auch die Fittesten frisst…