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Mann (und Frau) gegen Pferd

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15/11/2016
 

Die spinnen, die Briten… Ein Marathon, bei dem Läufer gegen Pferde antreten? Oder manchmal sogar gewinnen? Ein walisischer Kneipier organisiert seit Jahrzehnten den tierisch lustigen Laufwettbewerb "Man versus Horse Marathon" – Teil 4 der GripWorld-Serie "Verrückte Läufe".


Man nehme: Zwei Briten, einen Pub und ein paar Pints frisch gezapftes Bier. Schon entstehen die verrücktesten Ideen. Im Jahr 1980 zum Beispiel im walisischen Dorf Llanwrtyd Wells. Gordon Green, Gastwirt des Hotels Neuadd Arms, lauschte seinerzeit einer Diskussion seiner Gäste. Wer sei auf einem hügeligen Gelände wohl schneller: ein berittenes Pferd oder ein Mensch? Natürlich fand die Diskussion kein für beide Parteien zufriedenstellendes Ende – zumal sicher keiner der beiden bierseligen Freunde mehr reittüchtig gewesen wäre. Doch Kneipier Gordon Green brachte es auf die Idee: Was, wenn man das mal ausprobieren würde? Der „Man versus Horse Marathon“ war geboren. Noch im selben Jahr feierte der Wettbewerb seine Premiere.

Ein Unterschied zwischen Läufern und Reitern: Wer mit einer MS (Menschenstärke) unterwegs ist, wird nasser als jene Teilnehmer, die sich auf 1 PS verlassen. Foto: Whole Earth

 

Seitdem stellt sich jedes Jahr am zweiten Samstag im Juni die Frage: Wer ist schneller – Mensch oder Pferd? Anmelden können sich Frauen und Männer zu Pferd und zu Fuß, beide Parteien müssen dieselbe Strecke zurücklegen. Zwar ist es kein Marathon im eigentlichen Sinne, doch die 35,4 Kilometer (22 Meilen) haben es in sich. Der Parcours führt durch eine idyllische Landschaft. Größtenteils besteht er aus Naturpfaden, schmalen oder matschigen Wegen, es werden Flussläufe durchkreuzt und rund 1000 Höhenmeter überwunden. Der „Man versus Horse Marathon“ dürfte wohl eines der außergewöhnlichsten Rennen der Welt sein. Dachte sich auch Pub-Besitzer Green, der sich nämlich gerade aufgrund dieser Einzigartigkeit erhoffte, seine Geschäfte würden dadurch etwas angekurbelt. Aber er wollte auch beweisen, dass ein Mensch einem Pferd durchaus gewachsen ist. Das Dorf selbst mit seinen 900 Einwohnern sollte im Laufe der Jahre durch diese Veranstaltung tatsächlich an Popularität gewinnen. Waren es im ersten Jahr noch vier Pferde und 29 Läufer, sind im Juni 2016 tatsächlich 60 berittene Pferde, 630 Solo-Läufer zwischen 18 und 73 Jahren sowie 130 Staffelteams an den Start gegangen. Doch der Beweis, dass der Mensch ein Pferd im Laufen schlagen kann, ließ lange auf sich warten.

Das Rennen führt über Wiesen, durch Wälder – und durch die Furten eines Flusses. Foto: Whole Earth

 

Erst im Jahr 2004, also im 25. Versuch, wurde die Pferdestärke besiegt. Der Londoner und erfahrene Marathonläufer Huw Lobb kam nach 2:05:19 Stunden ins Ziel. Gefolgt von Zoe White auf dem Rücken von Kay Bee Jay (02:07:36), die somit auch die erste Niederlage auf einem Pferd für sich verbuchen musste. „Ich würde es immer wieder tun“, sagte der Sieger den BBC News. „Es ist ein so fantastisches und außergewöhnliches Rennen. So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Gleichzeitig durfte er sich über einen großen Gewinn freuen. Denn jedes Jahr, wenn ein Reiter gewinnt, gehen Tausend Pfund in den Jackpot – 25.000 Pfund wurden also ausgeschüttet. Auch Organisator Gordon Green war bester Dinge: „Es war brillant, da es ja auch unser 25. Geburtstag war. Ich war mir sicher, dass irgendjemand es eines Tages schaffen würde. Heute ist es endlich passiert.“

 

Und schon drei Jahre später gelang es wieder, als der Deutsche Florian Holzinger (2:20:30 Stunden) mit außergewöhnlichen 11 Minuten Vorsprung vor Geoffrey Allen auf Lucy (2:31:26 Stunden) im Ziel eintraf. Ein Freund hatte Holzhäuser das Startgeld spontan spendiert, und er gewann auf Anhieb, obwohl er nicht einmal alle Regeln kannte. Gefallen hat es ihm natürlich trotzdem: „Die Begeisterung der Waliser für diesen Wettbewerb ist unbeschreiblich“, erzählt er. „Jeder in meiner Nähe hat mir gratuliert und wollte ein Foto mit mir". Neun Jahre ist das nun her. Auf einen erneuten zweibeinigen Sieger wird seitdem wieder gewartet. Heißt aber auch: Der Jackpot ist gut gefüllt. Wer’s versuchen will: Am zweiten Juni-Samstag 2017 geht es wieder los.