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Erfolgsgeheimnis: Unbedingter Wille

Interviews

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15/11/2016
 

Die Triathleten Jan Raphael und Justus Nieschlag gehören zu den erfolgreichsten Triathleten Deutschlands: Der eine steht am Beginn seiner Karriere, der andere blickt bereits auf viele erfolgreiche Jahre als Sportler zurück. Beide stammen aus Niedersachsen und wurden von Continental im Rahmen der Initiative ProSportHannover gefördert.


Als Jan Raphael aus dem Wasser steigt, traut er seinen Augen nicht. Die Laufschuhe, die er am Morgen, wie alle Teilnehmer, beim Veranstalter abgegeben hatte, liegen nicht für ihn in der Wechselzone bereit. Zeit zum Nachdenken hat er nicht, denn es geht gerade um jede Hundertstelsekunde. Um ihn herum schnüren andere Triathleten bereits in Windeseile ihre Laufschuhe. Die Intuition packt Raphael bei der Ehre, Aufgeben kommt nicht in Frage. Also läuft er los. Zehn Kilometer. Barfuß.

Zu den größten Herausforderungen eines Triathleten wie Jan Raphael gehört der Ironman auf Hawaii.

 

Das ist nun schon ein paar Jahre her, aber die Episode aus der Frühphase seiner Karriere gehört zu den großen Momenten im Sportlerleben des Triathleten Jan Raphael. Den Wettbewerb seinerzeit konnte er zwar nicht gewinnen, zu groß waren der Schmerz und die Blasen an den Füßen. Doch auch wegen seines unbedingten Willens gilt der heute 36-Jährige als einer der erfolgreichsten deutschen Laufsportler, als Ironman-Dauerbrenner. Ein Mann, der keine Schmerzen kennt, der seinen Sport liebt: den Mehrkampf aus Schwimmen, Marathon-Laufen und Radrennen. „Spaß am Laufen war schon immer meine größte Motivation“, sagt der gebürtige Hannoveraner Jan Raphael. „Außerdem ist man an den schönsten Orten der Welt unterwegs.“ Doch das Leben eines Triathleten ist hart – viele Reisen, viele Wettkämpfe, viel Training. Deshalb unterstützte Continental den Niedersachsen im Rahmen seiner Initiative ProSportHannover vor zwei Jahren mit 10.000 Euro – das Unternehmen fördert bereits seit Jahren Sporter aus der Region Hannover auf dem Weg in die internationale Spitze. „Wer schon einmal einen Ironman-Wettkampf verfolgt hat weiß, dass die Athleten oft weit über die normalen Grenzen der körperlichen Belastbarkeit hinausgehen. Und der Trainingsaufwand ist vermutlich in keiner anderen Sportart größer", erklärt Continental-Reifen-Vorstand Nikolai Setzer.

Justus Nieschlag wurde 2016 von Continental mit 3750 Euro gefördert – hier überreicht Alexander Bahlmann, Leiter Öffentlichkeitsarbeit Pkw-Reifen, den Scheck.

 

Viel Training, weite Reisen und mehr als harte Wettkämpfe – das bestimmt auch das Leben von Nachwuchs-Triathlet Justus Nieschlag. Der 24-Jährige hat in seinen jungen Jahren schon jeden Kontinent bereist. Der Niedersachse ist einer der vielversprechendsten Triathleten des Landes und derzeit im B-Kader der Sprintdistanz-Elite der Deutschen Triathlon Union, kurz DTU. Erst im Juni 2016 sicherte sich Nieschlag in Düsseldorf die Deutsche Meisterschaft. Es geht aufwärts, nicht nur auf manch anspruchsvoller Laufstrecke, sondern auch auf der Läufer-Karriere-Leiter. Zuletzt wurde das Engagement des jungen Sportlers belohnt, Continental unterstützte Nieschlag 2016 mit einer Fördersumme von 3750 Euro.


Begonnen hat seine Sportlerkarriere in Lerthe, einer Kleinstadt in der Region Hannover, da war Justus Nieschlag neun Jahre alt. Zunächst sei das alles noch ganz harmlos und auf dem untersten Level gewesen, berichtet Nieschlag heute rückblickend: Laufen und Schwimmen, das machte ihm Spaß. Über den Schwimm- und Turnverein kam er dann zum Triathlon, als eine neue Abteilung im ortsansässigen Sportverein entstand. „Ich habe einfach mal teilgenommen und direkt Spaß daran gehabt“, erzählt Nieschlag. Dass das Ganze sich mal in Richtung Spitzensport entwickeln würde, hat damals noch keiner geahnt – er am wenigsten. Fünf Jahre später, als 14-jähriger, erzielte er seinen ersten Durchbruch, als er überraschend in Kiel zum ersten Mal deutscher Meister im Nachwuchsbereich wurde. „Da hab ich mich dann natürlich auch gefragt, in welche Richtung es gehen soll“, sagt Nieschlag. Leistungssport? Höheres Trainingspensum? Weniger Freizeit? Das sind die Fragen, mit denen sich angehende Spitzensportler beschäftigen müssen. Nieschlag entschied sich. Und er entschied sich richtig. „Natürlich musste ich am Anfang auch Abstriche machen, was meine Freizeitgestaltung angeht. Aber ich war trotzdem begeistert.“

Jan Raphael aus Hannover gehört zu den weltbesten Triathleten.

 

Als 24-jähriger blickt er nun schon auf etliche Erfolge zurück. Dann kam nun die Förderung durch die Initiative ProSportHannover von Continental hinzu. Die Freude war groß und gut gebrauchen konnte er das Geld allemal. „Beim Triathlon ist es ja meist so, dass wir Sportler relativ viel selbst finanzieren müssen. Man investiert in neue Trainingsmittel, in Reisen, in die eigene sportliche Leistung und Zukunft.“

 

Als Auszeichnung empfunden hat dies auch Jan Raphael, der 2014 von Continental unterstützt wurde. „Das war schon etwas ganz Besonderes“, erzählt er. „Damals hatte ich mich gerade von meinem Team getrennt und wollte auf eigenen Beinen stehen. Über das Jahr kommt schon einiges an Kosten zusammen, die konnte ich damit sehr gut abdecken.“ Im Vergleich zu Nieschlag steht Raphael schon fast am Ende seiner Profikarriere. Aber ein paar Jahre mache sein Körper das hoffentlich mit, glaubt er. Zumal er beim Ironman auf Hawaii – dem Königswettkampf – bisher nicht so gut abschnitt wie erhofft. „Ich war jetzt vier Mal da und habe nicht das herausgeholt, was ich mir vorgenommen hatte. Also es wird noch mal Zeit“, sagt er und freut sich gleichzeitig schon auf den nächsten Versuch. Sein Alter spiele da überhaupt keine Rolle, sei eher von Vorteil, denn „das Durchschnittsalter der Top Ten liegt weit über dreißig Jahren. Der vorletzte Hawaii-Sieger war 40, als er gewonnen hat. Ich denke mal, bis 40 kann ich das auf jeden Fall noch machen“ – und dann auf eine ereignisreiche Karriere zurückblicken.

 

Los ging es für den gebürtigen Hannoveraner zum Ende seiner Schulzeit, als er mit kürzeren Triathlon-Distanzen anfing. „Die Kombination dieser drei Sportarten, die eigentlich jeder kann – das hat mich fasziniert“, sagt er heute. Schon wenige Jahre später ging es dann zu deutschen Meisterschaften, Europameisterschaften und Weltmeisterschaften mit der Nationalmannschaft. Seinen Durchbruch aber feierte er eher zufällig, beim Ironman 2006 in Florida. Eigentlich wollte Raphael nur Urlaub mit seiner Frau machen. Doch wenn zufälligerweise zur gleichen Zeit ein Ironman stattfindet, lässt sich ein Sportverrückter nicht zwei Mal bitten. „Ich war für die Strecke gar nicht ausreichend trainiert“, berichtet er. „Und dann habe ich da zu meiner und auch zur Überraschung vieler Mitstreiter gewonnen. Das hat mir viele Türen geöffnet.“ Es folgte die Aufnahme in das weltweit größte Triathlon-Team – der Start seiner Profikarriere. Der nächste Ironman-Sieg kam 2012 in Malmö, zwei Vizeplätze gab’s beim Ironman in Frankfurt. Nur eben auf Hawaii blieb der Erfolg aus – bislang. Was die Strecke so besonders macht? „Es ist das Rennen, bei dem man wirklich komplett auf sich allein gestellt ist.“ Kaum Zuschauer am Streckenrand, die unendliche Weite der Lavawüste um sich herum, extreme klimatische Bedingungen. „Hawaii ist unberechenbar", so Raphael.

Schwimmen, Laufen, Radrennen: Beim Triathlon ist vielseitige Kondition gefragt. Der 36-Jährige Jan Raphael gehört zu den Besten.

 

Ohnehin ist es der Kopf, der eine bedeutende Rolle spielt beim Triathlon. Ist man im Wettkampf, ist man bei der Sache. „Da ist es jetzt nicht so, dass ich darüber nachdenke, was es abends zu essen gibt“, erzählt Justus Nieschlag. „Ich versuche, mich mental ein bisschen auszutricksen oder ziehe Rückschlüsse aus der aktuellen Position.“ Auch Jan Raphael hat seine mentale Technik. „Am besten geht einem einfach gar nichts durch den Kopf. Wenn man anfängt nachzudenken, dann ist das meistens ein schlechtes Zeichen.“ Mentale und physische Stärke ist gefragt. Doch was muss man noch mitbringen, um erfolgreich Triathlon zu laufen? „Eine Badehose, irgendein Fahrrad und Turnschuhe – hat eigentlich jeder“, erklärt Raphael und lacht. Und Nieschlag ergänzt: „Man braucht neben Ausdauer und Leistungsfähigkeit auch ein gutes Koordinationsempfinden, um dann die drei Sportarten technisch sauber umsetzen zu können."


Das gelingt dem 24-Jährigen wie kaum einem anderen. Koordinieren muss er allerdings nicht nur während des Wettkampfes, sondern auch außerhalb. 2013 zog er an den Olympiastützpunkt nach Saarbrücken, um Leistungssport und ein Studium der Sportwissenschaft unter einen Hut zu bekommen. „Alles eine Sache des Zeitmanagements“, sagt er. „Triathlon ist ja eine sehr reisefreudige Sportart. Da bin ich dann natürlich auch auf die Kooperation mit den Dozenten angewiesen.“ Davon kann auch Jan Raphael ein Lied singen. Als die Entscheidung zwischen Leistungssport und Beruf anstand, habe er einfach versucht, alles miteinander zu vereinbaren. „Ich habe dann nebenbei noch Lehramt studiert. Das erschien mir das kleinste Übel zu sein“. Lehrer wolle er nun aber nicht mehr werden. Momentan ist er schon im Coaching-Bereich für Triathleten und Marathonläufer tätig. Dem Sport will er auf alle Fälle erhalten bleiben. „Allgemein ist es mir wichtiger etwas zu machen, das Spaß macht, als einen Haufen Geld zu verdienen.“


Beim Ironman auf Hawaii geht es schwimmend durch die Brandung: Der Wettkampf gilt auch für Jan Raphael und Justus Nieschlag als Königsdisziplin. Foto: Carson

 

An das Karriere-Ende mag Nachwuchs-Sportler Justus Nieschlag in seinem Alter noch nicht denken. Wenn es so weiter geht, dürfte mindestens noch eine Dekade folgen. Nieschlag denkt in kleineren Schritten. „Jetzt plane ich erst einmal meinen Bachelor abzuschließen, um mich dann nochmal bis 2020 voll auf den Sport zu fokussieren. Da würde mich natürlich gerne für Olympia qualifizieren.“ Und was ist mit dem Ironman? „Das könnte ich mir durchaus vorstellen. Ich denke aber, das dauert noch ein paar Jahre“. Kollege Jan Raphael denkt natürlich weiter. Auch wenn die Profikarriere irgendwann vorbei sein sollte, sportverrückt bleibt er immer. „Dann habe ich Bock auf andere Ultraläufe. Aber eben als Abenteuer.“ Und dann vielleicht auch mit dem Ironman-Titel aus Hawaii im Gepäck.