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In Chinas Liga: Geld schießt Tore

AFC Asia Cup

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01/04/2016
 

Teure Neuzugänge haben dem Saisonstart in China ihren Stempel aufgedrückt. Der Zuschauerschnitt könnte in diesem Jahr den der italienischen Serie A überholen.

 

Zwei Spiele, zwei Siege und gut aufgelegte Superstars: Der Auftakt des Projekts Titelgewinn ist für den Transferkrösus Jiangsu Suning in der Chinese Super League ganz nach Plan verlaufen. Die brasilianischen Rekordeinkäufe Alex Teixeira (für 50 Millionen Euro von Schachtar Donezk) und Ramires (für 34 Millionen Euro von Chelsea London) erzielten an den ersten beiden Spieltagen drei von fünf Treffern ihres neuen Klubs. Das Resultat: Platz eins mit der Maximalausbeute auf dem Punktekonto.

(Foto: Getty Images)

Der vom FC Chelsea als neue Topkraft von Jiangsu Suning geholte Ramires (vorne rechts) setzt sich gegen die Attacken der Profis von Shandong Luneng durch. (Foto: Getty Images)

 

Die Tore des sündhaft teuren Samba-Pärchens folgten einer doppelt missglückten Generalprobe, die von zahlreichen Fans und Medien spöttisch verfolgt wurden. Wer mit Geld um sich wirft wie ein neureicher Lottomillionär, der bekommt eben eine Portion Schadenfreude zu spüren, wenn der neue Porsche gleich in die Werkstatt muss. Nach einem müden 0:0 in der asiatischen Champions League beim vietnamesischen Titelträger Binh Duong platzte der Traum vom erneuten Gewinn des nationalen Pokalwettbewerbs. Bei Chinas Serienmeister Guangzhou Evergrande setzte es ein 0:2 in Runde eins.

 

Die Pleite gegen den Branchenprimus lieferte die Ouvertüre zu einer Saison, in der Jiangsu neue Maßstäbe auf dem chinesischen Transfermarkt gesetzt hat und damit auch in die Favoritenrolle katapultiert wurde. Mit einem Pokalsieg wie im Vorjahr wird sich der finanzkräftige Sponsor Suning, der mehr Elektrogeräte auf der Welt verkauft als jeder andere Anbieter, nicht zufrieden geben. Der Finalerfolg im November rettete Trainer Dan Petrescu das Amt und bescherte dem Klub doch noch die Teilnahme an der Champions League. Doch ab sofort zählt in der Provinzhauptstadt Nanjing, wo der Verein zuhause ist, nur noch das Abschneiden in der Liga. 

Serienmeister Guangzhou kassierte Niederlagen

Der Weg zum Titel führt auch über Guangzhou. Fünfmal hintereinander hat die Mannschaft von Trainer Luis Felipe Scolari die Meisterschaft gewonnen, dazu zweimal die Champions League in Asien. Mit der Verpflichtung des Kolumbianers Jackson Martinez von Atletico Madrid für 40 Millionen Euro wurde der Kader im Winter noch einmal schillernd aufgemöbelt. Martinez traf gleich am ersten Spieltag für die Southern Tigers. Dennoch verlor der Titelverteidiger überraschend mit 1:2 bei Chongqing Lifan. Nach 25 Pflichtspielen in Folge ohne Niederlage war der verpatzte Saisonstart bereits die zweite Pleite in Serie für das Team. Denn auch in der Champions League gab es wenige Tage zuvor ein 1:2 beim FC Sydney.

(Foto: Getty Images)

Jackson Martinez (Mitte), für 40 Millionen Euro von Atletico Madrid gekommen, verlor mit seinen neuen Kollegen von Evergrande Guangzhou zum Saisonstart gegen Chongqing. (Foto: Getty Images)

 

Mit einem deutlichen Sieg am zweiten Spieltag der CSL sorgten die Tiger erst einmal für Ruhe. Das erfolgsverwöhnte Umfeld erlebte auch im vergangenen Jahr einen durchwachsenen Start in die neue Saison. Doch nach nur zwei Punkten aus drei Spielen in der Champions League droht dem Titelverteidiger ausgerechnet im prestigeträchtigen Kontinentalwettbewerb das Aus in der Vorrunde. Der Abgang des brasilianischen Torjägers Elkeson zu Shanghai SIPG schmerzt. Martinez muss die Lücke schließen. Wenn das misslingt und das zweite große Saisonziel, der Gewinn der Meisterschaft, auch frühzeitig aus den Augen verloren geht, wird die Luft auch für einen Erfolgscoach wie Scolari dünn.

(Foto: Getty Images)

Elkeson (rechts) wechselte von Meister Evergrande zu Shanghai SIPG und traf im Derby gegen Shanghai Shenhua auf Gegenspieler Li Yunqin. (Foto: Getty Images)

 

Druck spürt aber nicht nur Brasiliens Weltmeistertrainer von 2002, auch andere Größen der Branche. Sven-Göran Eriksson soll in seiner dritten Saison Shanghai SIPG endlich zum Meister machen. Der Vizemeister verpflichtete jetzt Elkeson, nachdem SIPG im Vorjahr schon Ghanas Rekordtorschützen Asamoah Gyan und den Argentinier Dario Conca verpflichtet hatte. Gyan avanciert in Shanghai laut Forbes zum achtbestbezahlten Fußballer der Welt mit einem Netto-Jahresgehalt von fast 15 Millionen Euro. Bei solchen Gehältern wirkt ein Punkt aus zwei Spielen als kümmerliche Ausbeute. Doch immerhin führt SIPG nach drei Spielen seine Vorrundengruppe der Champions League an.

 

Aufsteiger Hebei China Fortune indes knüpft an die Erfolge des Vorjahres an und siegt auch in der höchsten Spielklasse weiter. Im bislang einzigen Punktspiel gewann Hebei bei Guangzhou R&F 2:1. Neuzugang Gervinho von AS Rom, der rund 18 Millionen Euro kostete, zahlte den ersten Teil seiner Ablöse mit dem Siegtreffer zurück. Der andere Megatransfer, Ezequiel Lavezzi, der von Paris St. Germain für über 30 Millionen Euro kam, saß zunächst 70 Minuten lang auf der Bank, ehe er sein Debüt gab. Ein Tor gelang auch dem Ex-Chelsea-Star Demba Ba für Shanghai Shenhua beim 1:1 gegen Yanbian Funde. Ob Shenhua im Konzert der Großen mitspielen kann, bezweifeln Experten.

(Foto: Getty Images)

Gervinho (oben) erzielte den Siegtreffer für Aufsteiger Hebei CFFC gegen Guangzhou R&F mit Wang Jianin, der vergeblich versucht, den ivorischen Stürmer zu stoppen. (Foto: Getty Images)

 

Traditionell ambitioniert ist auch der Hauptstadtklub Beijing Guo'an, wo man die versnobten Rivalen aus Shanghai nicht ausstehen kann. Doch das Geld steckt eben anderswo. Renato Augusto, der sich gegen Schalke 04 entschied, war der Toptransfer und kostete nur knapp zehn Millionen Euro. Das Management hofft, dass der neue Trainer Alberto Zaccheroni aus dem vergleichsweise bescheidenen Kader einen Titelaspiranten zaubern kann. Zum Auftakt kamen die Pekinger nicht über ein 0:0 in Tianjin hinaus.

 

Von erhöhter Erwartungshaltung sind aber nicht nur einzelne Klubs betroffen. Die gesamte Liga steht im Fokus, natürlich in China selbst, aber auch zunehmend im Ausland. Der Zuschauerschnitt war schon im vergangenen Jahr um 16,7 Prozent auf 21.800 Zuschauer geklettert und liegt nur noch wenige Hundert Fans unter dem der italienischen Serie A und Frankreichs Ligue 1. Wenn große Skandale, wie sie in der Vergangenheit häufig vorkamen, ausbleiben, sollte sich der Trend fortsetzen und die CSL nach England, Deutschland und Spanien die meisten Fans weltweit anlocken.