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Rekordtransfer Hulk fehlt SIPG Shanghai schmerzhaft

AFC Asia Cup

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12/08/2016
 

Die chinesische Liga ist in diesem Jahr finanziell förmlich explodiert. Extrem viel Geld wurden für Transfers ausländischer Spitzenspieler gezahlt, die auch fürstliche Gehälter einstreichen. Sportlich blieb es beim Alten: Guangzhou Evergrande strebt erneut dem Titel entgegen und wehrte den Angriff von Shanghai SIOG ab.

250 Millionen Euro haben chinesische Erstligisten im Jahr 2016 in die Verpflichtung neuer Spieler investiert. In der aktuellen Transferperiode zahlte Shanghai SIPG für den brasilianischen Nationalspieler Hulk eine Rekordsumme im chinesischen Fußball von 56,8 Millionen Euro an Zenit St. Petersburg. Das Geld sitzt locker, weil die Fernsehgelder explodiert sind und zahlungskräftige Industriezweige den Fußball als Marketingwerkzeug entdeckt haben. Neben den Ablösen wird eine dreistellige Millionensumme für die jährlichen Gehälter der ausländischen Topstars fällig. Hulk streicht märchenhafte 19,4 Millionen Euro in Shanghai ein, mehr als Neymar beim FC Barcelona oder Zlatan Ibrahimovic bei Manchester United.

Es ging vielversprechend los. Hulk benötigte bei seinem Debüt Anfang Juli nur neun Minuten für sein erstes Ligator. Doch ehe die Fans davon träumen durften, dass sich dieser Rhythmus vielleicht einspielen könnte, musste ihr Hoffnungsträger mit einer Muskelverletzung vom Platz und ist seitdem außer Gefecht. Nach 21 Minuten war der Wunsch nach einer von Hulk angeführten Aufholjagd von SIPG auf den enteilten Spitzenreiter Guangzhou Evergrande hinfällig. In den kommenden vier Punktspielen büßte die Mannschaft von Trainer Sven-Göran Eriksson ohne den Großverdiener weiteren Boden auf den Serienmeister ein. Der Rückstand beträgt neun Spiele vor Saisonende 14 Punkte.

Der Brasilianer Hulk, für 56,7 Millionen Euro aus St. Petersburg gekommen, bei einem Einsatz für Shanghai SIPG. (Foto: Imago)

 

Brasilien-Trio führt Jiangsu in die Spitzengruppe

Hulk löste seinen Landsmann Alex Teixeira als bisherigen Rekordeinkauf im chinesischen Fußball ab. Der frühere Russland-Legionär Teixeira kostete den Tabellenzweiten Jiangsu Suning im Winter 50 Millionen Euro. Gemeinsam mit dessen Landsleuten Ramires (Chelsea) und Jo (Manchester City), die ebenfalls im Winter nach China wechselten, hat Teixiera Jiangsu in die Spitzengruppe der Super League geschossen. Der Klub ist der letzte verbliebene Herausforderer von Guangzhou. Zusammen erzielten die Südamerikaner rund die Hälfte aller Tore des Teams. „Die Abstimmung passt immer besser und wir hoffen, dass es so weitergeht“, sagte Ramires im Interview mit dem britischen Sender Sky Sports. Er selbst allerdings kassierte kurz darauf eine Sperre von vier Spielen wegen eines tätlichen Angriffs auf einen Schiedsrichter.

Seit wenigen Wochen haben die Brasilianer von Jiangsu einen neuen Mitspieler aus Südkorea. Der Ex-Augsburger Hong Jeong-ho wechselte Mitte Juli für 4,5 Millionen Euro in die Volksrepublik. Er ist vornehmlich fürs Verteidigen verantwortlich, erzielte in seinem zweiten Spiel für die Ostchinesen per Kopf dennoch seinen ersten Treffer im neuen Trikot. Gut begann das Abenteuer China für den Ex-Bremer Anthony Ujah und den italienischen Nationalspieler Graziano Pelle. Ujah, der früher auch für den 1. FC Köln spielte, erzielte vor wenigen Tagen in seinem ersten Spiel für seinen neuen Arbeitgeber Liaoning Whowin beim überraschenden 3:1 gegen Shanghai Shenhua sein erstes Tor. Für Werder hatte der Nigerianer in der abgelaufenen Spielzeit elfmal getroffen. Pelle indes soll jetzt zu den zehn bestbezahlten Fußballern der Welt gehören. Er kam für zwölf Millionen Euro vom FC Southampton zum Klub von Trainer Felix Magath, Shandong Luneng. Für den abstiegsbedrohten Ex-Meister erzielte er in seinem ersten Monat ein Tor in drei Spielen.

Die Brasilianer Teixeira (rechts) und Ramires haben mitgeholfen, Jiangsu Suning nach vorne in der chinesischen Liga zu führen. (Foto: Imago)

 

Die ausländischen Spieler sind in ihren Teams oft isoliert

Hochbezahlt, aber verletzt ist Ezequiel Lavezzi, der im Februar von Paris St. Germain zu Hebei China Fortune wechselte. Fast 14 Millionen Euro soll der Argentinier dort verdienen, noch mehr als Pelle in Shandong. In zehn Ligaspielen blieb Lavezzi jedoch ohne Torerfolg. Bei der Copa America brach er sich dann auch noch den Ellbogen und pausiert seitdem. Besser läuft es für seinen neuen Teamkollegen Gervinho, der zu Jahresbeginn für 21 Millionen Euro vom AS Rom nach Hebei kam. Der ivorische WM-Teilnehmer fiel mit bislang drei Treffern und fünf Vorlagen auf. Hebei kämpft um den erstmaligen Einzug in die Champions League.

Pelle bei Shandong Luneng - Imago

Graziano Pelle, der italienische Nationalstürmer, bei seiner Ankunft beim Klub Shandong Luneng. (Foto: Imago)

 

Der Klub ist in Qinhuangdao zuhause, wo 2008 Spiele des olympischen Fußballturniers ausgetragen wurden. „Es ist eine wunderschöne Stadt und der Klub tut alles, damit ich mich wohl fühle“, sagte Gervinho der Internetseite Fifa.com. Qinhuangdao hat rund eine Million Einwohner, aber so gut wie kein internationales Flair.

Die Vereine begeben sich auf dünnes Eis mit ihren hohen Ausgaben, weil sie nicht wissen, wie die Stars auf die neuen Herausforderungen reagieren. Sozial bleiben sie meist isoliert, weil sie selbst kein Mandarin und ihre chinesischen Mitspieler kein Englisch sprechen. Die Strukturen der Klubs entsprechen nicht den Standards europäischer Spitzenvereine. Das Umfeld hat viel Geld, operiert aber viel weniger professionell als zum Beispiel in Deutschland.

Die Probleme dieser Konstellation zeigen sich meist erst nach einigen Monaten, wenn die Anfangseuphorie bei den Neuankömmlingen abgeklungen ist und die Spieler möglicherweise die Vorzüge des Profifußballs in Europa zu vermissen beginnen. Der kolumbianische Nationalspieler Jackson Ramires steht bei Tabellenführer Guangzhou nur wenige Monate nach seiner Ankunft bereits wieder vor der Rückkehr nach Europa. Martinez traf zum Saisonstart zwar zweimal, verletzte sich dann aber und kam seitdem nicht mehr in Tritt. Sollte Ramirez gehen, wäre es ein 40 Millionen Euro teures Missverständnis.

Der Brasilianer Gervinho (rechts) von Hebei China Fortune FC im Duell mit Wang Shangyuan von Spitzenreiter Guangzhou Evergrande. (Foto: Imago)