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Guangzhou verlängert das Meisterabo in China

AFC Asia Cup

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04/11/2016
 

Zwei chinesische Meistertitel und ein kontinentaler Triumph in 17 Monaten: Die Bilanz von Luis Felipe Scolari als Cheftrainer von Guangzhou Evergrande kann sich sehen lassen. Schon drei Spieltage vor Ende der kürzlich abgelaufenen Saison hatten sich die Südchinesen den abermaligen Gewinn der Meisterschaft gesichert. Es war der sechste Titel in Serie.

Be the best forever: Nach sieben Meistertiteln hintereinander wird Evergrande Guangzhou weiterhin mit Luis Felipe Scolari, dem Weltmeistertrainer von 2002, auf Titeljagd gehen. (Foto: Getty Images)

 

Und dennoch stand Scolari bereits auf dem Abstellgleis. Der auslaufende Vertrag des Brasilianers sollte nicht mehr verlängert werden. Das frühe Aus des Titelverteidigers in der Champions League überschattete den nationalen Triumph und den Einzug in die Pokalfinalspiele gegen Jiangsu Suning Ende November. Scolaris Vorgänger Marcello Lippi stand in den Startlöchern, um das Team erneut zu übernehmen. Der Vertrag mit dem Italiener war bereits unterzeichnet.

 

Doch Lippi wurde auch vom chinesischen Verband umworben, der einen Retter für seine strauchelnde Nationalmannschaft sucht. Schließlich gab die Klubführung in Guangzhou dem Drängen aus Peking nach und gab Lippi wieder frei. Scolari bescherte das eine unerwartete Verlängerung seiner Amtszeit in Guangzhou. Schnell einigten sich beide Seiten auf ein Engagement bis Ende 2017. Das Salär des ehemaligen Weltmeistertrainers dürfte bei deutlich über zehn Millionen Euro im Jahr liegen.

More than a team: Der Brasilianer Scolari fordert als Trainer von seinen Spielern, dass sie sich ganz in den Dienst der Mannschaft und des Klubs Evergrande stellen. (Foto: Getty Images)

 

Doch um die Chinese Super League (CSL) auch in der kommenden Saison zu dominieren, muss Guangzhou sich steigern. Viele Investoren haben den chinesischen Fußball als Marketingvehikel für ihre Geschäftsinteressen entdeckt und rüsten alle möglichen Provinzvereine mit teuren Stars auf. Das macht sich auch durch steigende Zuschauerzahlen bemerkbar. 24.000 Fans kamen im Schnitt zu den 270 Ligaspielen, zusammen rund 5,5 Millionen. “Die Liga ist deutlich näher zusammengerückt. Es gibt jetzt fünf, sechs Klubs, die in den nächsten Jahren um den Titel mitspielen werden”, sagte Scolari. Er sieht eine stärkere Konkurrenz heranwachsen.

Jackson Martinez, der kolumbianische Stürmer, der von Evergrande für 40 Millionen Euro von Atletico Madrid geholt wurde, mit einer spektakulären Aktion gegen Sydney. (Foto: Imago)

 

Kein Liga-Konkurrent war Evergrande gewachsen

Der sechste Titel in Folge wurde Evergrande förmlich auf dem Silbertablett serviert. Der Mannschaft wurde nicht einmal der monatelange Ausfall von Jackson Martinez zum Verhängnis. Der kolumbianische Nationalspieler, der für 40 Millionen Euro von Atletico Madrid gekommen und damit für ein halbes Jahr der teuerste Transfer im chinesischen Fußball war, verletzte sich zweimal im Laufe der Saison und fand nie richtig in Tritt. Ihre beste Phase der Saison hatte die Mannschaft, als der schillernde Neueinkauf nicht dabei war. Schon gibt es Gerüchte, Martinez werde die nächste Spielzeit nicht mehr für Guangzhou auflaufen.

 

Der Klub profitierte von den Aussetzern der Konkurrenten, die immer dann strauchelten, wenn Guangzhou Federn ließ. Im August hatte der Spitzenreiter dreimal in Folge nicht gewonnen und viele Punkte eingebüßt. Der ärgste Verfolger Jiangsu Suning hatte die große Chance, auf vier Zähler heranzurücken, verlor aber beim späteren Absteiger Hangzhou Greentown 0:3 und mit dieser Pleite auch den Glauben daran, den schwächelnden Spitzenreiter doch noch abfangen zu können.

 

Auch die hoch gehandelten Senkrechtstarter von Hebei China Fortune um die Neuzugänge Gervinho von AS Rom und Ezequiel Lavezzi von Paris St. Germain hielten nicht Schritt. Nach 30 Punkten aus 14 Spielen folgten nur noch neun Zähler aus den folgenden 14 Partien, auch weil der Argentinier Lavezzi sich mitten in der Saison zur Copa America verabschiedete.

Das Team von Evergrande Guangzhou im Juni 2016. Auch der fußballerische Nachwuchs des sechsmaligen Meisters kam auf das Mannschaftsfoto. (Foto: Imago)

 

Mit Shanghai SIPG rieb sich ein anderer der ambitionierten Verfolger in der Champions League auf, während Guangzhou wegen seines vorzeitigen Ausscheidens Kräfte sparte. Erstmals seit Jahren drang SIPG mit Trainer Sven-Göran Eriksson wieder ins Viertelfinale des Wettbewerbs vor und musste mit der Doppelbelastung fertig werden. Es reichte zu Platz drei in der Liga, aber es fehlte die Konstanz zur Erfüllung des nationalen Titeltraums. Doch nach dem Einkauf des Brasilianers Hulk für 56 Millionen Euro in diesem Sommer will SIPG endlich auch die Meisterschaft gewinnen.

 

Die Doppelbelastung machte wohl auch dem Klub des deutschen Trainers Felix Magath, Shandong Luneng, zu schaffen, der wider Erwarten gegen den Abstieg spielte, während er ebenfalls das Viertelfinale der Champions League erreichte. Magaths Truppe musste unter anderem auswärts im zwölf Flugstunden entfernten Sydney antreten. In der Liga hatten es die Ostchinesen schließlich dem schwachen Nervenkostüm der anderen zu verdanken, dass es am letzten Spieltag für den Klassenerhalt reichte.