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Asien-Fußball boomt: Rekordkulisse im Iran

AFC Asia Cup

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27/04/2015
 

100.000 Zuschauer – das klingt nach Silvester am Brandenburger Tor, Rock am Ring in der Eifel oder nach Ostermesse auf dem Petersplatz. Die imposante Marke wurde kürzlich aber im Iran geknackt. Dort ging es allerdings um Fußball. 100.000 Menschen strömten ins Nationalstadion Azadi in Teheran, um den 1:0-Sieg des iranischen Ex-Meisters Persepolis gegen den saudischen Vertreter Al Nasr zu feiern. Das Spiel war nicht mehr als eine Vorrundenbegegnung der asiatischen Champions League, und noch dazu eine nicht einmal entscheidende. Dennoch sah die größte Zuschauerzahl in der Geschichte des Wettbewerbs zu.

100.000 Zuschauer verfolgten am 8. April das AFC Champions-League-Spiel zwischen Persepolis Teheran und dem Saudi-Klub Al Nasr, das die Iraner (rote Trikots) mit 1:0 gewannen. (Photo: Getty Images)

 

Die AFC Champions League boomt - der Vereinsfußball im Nahen und Mittleren Osten bietet den Spitzenklubs aus Südkorea und Japan schon lange Paroli. Die Begeisterung für den Fußball nimmt in dieser Region stetig zu. Seit Mitte der 1980er Jahre wird der Wettbewerb ununterbrochen in jedem Jahr ausgerichtet. Aber erst seit 2002 heißt das Turnier nach dem europäischen Vorbild Champions League. In diesem Jahr sahen mehr Fans die Vorrundenspiele als jemals zuvor. Der westliche Teil Asiens zwischen der arabischen Halbinsel und Persien trägt mit seiner Fußballbegeisterung erheblich dazu bei. Im Iran schleichen sich verbotenerweise Frauen in die Stadien, um live dabei zu sein. Der Journalist James M. Dorsey beschreibt in seinem neuen Buch „The Turbulent World of Middle East Soccer“, wie sich die Frauen als Männer verkleiden, um den Sittenwächtern vor den Eingangstoren ein Schnippchen zu schlagen.

Szene aus dem Champions-League-Finale am 1. November 2014 in Riad: Labinot Haliti vom Cup-Gewinner Western Sydney Wanderers im Duell gegen Yasir Al Shahrani (vorne) von Al Hilal. (Photo: Getty Images)

Ante Covic, der 39-jährige Torwart der Western Wanderers, mit der Trophäe für den Champions-League-Sieger beim Jubelfest am 10. November 2014 in der City von Sydney. (Photo: Getty Images)

 

Auch anderswo in der Region spielt der Fußball eine besondere gesellschaftliche Rolle. „Fußballstadien haben sich zu einer der wenigen Bereiche freier Meinungsäußerung entwickelt“, zitiert das Wirtschaftsmagazin The Economist einen Professor aus dem autoritär regierten Saudi-Arabien. Die Heimspiele von Spitzenklubs sind stets gut besucht. Nicht nur, weil der Staat auf den Tribünen nicht ganz so genau hinhört, wenn Fußballfans fluchen, sondern auch weil die Klubs international erfolgreich sind. Al Hilal stand fünfmal im Finale des Wettbewerbs, mehr als jeder andere Verein des Kontinents. Die letzte Finalteilnahme liegt nur wenige Monate zurück. Über 63.000 Fans sahen das Rückspiel gegen die Western Sydney Wanderers. Zum dritten Turniersieg reichte es indes nicht für die Saudis. Sydney gewann stattdessen erstmals den Pokal.

 

Hartes Ringen um die Vormachtstellung

Doch mit den Klubs aus dem Nahen und dem Mittleren Osten ist zu rechnen. Seit Jahren ringen sie mit den Größen aus den ostasiatischen Fußball-Hochburgen um die Vormachtstellung in Asien. Nicht nur Saudis und Iraner, auch Klubs aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten haben sich als Stammgäste der K.o.-Runden des Wettbewerbs etabliert. 24 Mal standen Vereine der Region im Endspiel, zwölf Mal stemmten sie den Pokal in die Höhe. Mannschaften aus Südkorea, Japan und China gewannen 17 Titel in 28 Endspielen. Die Pohang Steelers aus Südkorea sind der bislang einzige Verein, der den Pott dreimal gewann. In der ewigen Tabelle liegen dafür die Saudis wieder vorn. Der zweimalige Titelträger FC Ittihad (42 Siege) und Al Hilal (36) sammelten mehr Punkte als alle anderen Klubs.

Leidtragende der Dominanz von Ost und West sind Mannschaften aus Südostasien und Zentralasien, die kaum eine Rolle spielen. Nur Usbekistan schickt sich mit seinen starken Hauptstadtklubs aus Taschkent an, in diese Phalanx einzubrechen. In Ländern wie Pakistan oder Indien begeistern sich die Massen eher für Cricket oder Hockey. Staaten aus der Asean-Region wie Thailand oder Malaysia schaffen es indes nicht, das große Interesse der Menschen am Fußball in eine sportliche Weiterentwicklung ihrer Klubs münden zu lassen. An jeder Ecke sieht man in Südostasien Einheimische in Trikots englischer oder spanischer Spitzenklubs gekleidet. Doch die Zeiten, in den Teams aus Bangkok um die Krone spielten, sind vorbei. Zwischen 1993 und 2003 gewannen thailändische Mannschaften dreimal die Champions League. Seitdem sieht es mau aus. Der einzige nennenswerte Erfolg eines Thai-Klubs in jüngster Vergangenheit war der Viertelfinaleinzug von Buriram United vor zwei Jahren.

Das Thai-Team Burinam United mit Jakkaphan Kaewprom (Mitte) verlor am 22. April mit 1:2 in Südkorea gegen Seongnam FC mit Nam Joon-Jae (rechts) und Jung Seon-Ho. (Photo: Getty Images)

 

Um die enormen Reisestrapazen angesichts der Größe Asiens für alle Klubs zumindest während der Dauer der Vorrunde in Grenzen zu halten, ermitteln Ost und West in zwei Staffeln die Teilnehmer des Achtelfinals. Erst in den Playoffs kann es somit passieren, dass ein Verein aus Riad in Melbourne antreten und dabei sieben Stunden Zeitdifferenz überbrücken muss. Das macht auch die Fernseh-Vermarktung schwieriger, weil die Attraktivität der Spiele für die TV-Kanäle sinkt, wenn die Anstoßzeiten mitten in die Nacht oder in die Mittagszeit fallen.

Der Begeisterung für den Fußball tut das keinen Abbruch. Die Asienmeisterschaft der Nationalteams im Januar in Australien elektrisierte die Fans in den Teilnehmerländern. In Gaza, im Westjordanland und Ost-Jerusalem feierten die Menschen die erstmalige Teilnahme eines palästinensischen Teams am Kontinentalturnier. Die Mannschaft kassierte elf und schoss nur ein Tor in drei Spielen. Dennoch bewies die Region ihre herausragende Bedeutung im asiatischen Fußball. Mit dem Irak und den Vereinigten Arabischen Emiraten standen zwei Mannschaften im Halbfinale.