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TV-Traumvertrag für Chinas Liga

AFC Asia Cup

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13/01/2016
 

Der Fußballverband kassiert plötzlich für die Fernsehrechte der Chinese Super League (CSL) über eine Milliarde Euro. Zuletzt gab es pro Saison nicht einmal zehn Millionen.

Bei seinem Staatsbesuch Ende vorigen Jahres in Großbritannien schnupperte der chinesische Präsident Xi Jinping ein bisschen Luft der englischen Premier League. Xi besuchte das Etihad-Stadion in Manchester und traf dort auf Spieler und Ex-Profis der beiden örtlichen Rivalen City und United. Der Ausflug machte Fußballfan Xi sichtlich Spaß. Er ließ sich sogar zu einem Selfie mit City-Stürmer Sergio Agüero überreden.

Auch in China gewinnt der Fußball immer mehr Zuschauer. Vor allem junge Leute spricht die Sportart an. (Photo: Imago)

 

In der heimischen Chinese Super League (CSL) weht indes ein anderer Wind. Die Besten der Besten aus aller Welt spielen dort nur, wenn sie ihren besten Tage schon hinter sich haben. Dennoch hat die chinesische Liga Ende Oktober einen neuen Fernsehvertrag abgeschlossen, mit der sie in eine neue Dimension vorstößt. Für die Vermarktung ihrer TV-Bilder der kommenden fünf Jahre kassiert die CSL fast 1,15 Milliarden Euro, also rund 230 Millionen pro Saison. Das ist zwar noch ein gutes Stück entfernt von dem, was an Bundesliga oder Premier League fließen. Doch im Vergleich zur Ende 2015 ausgelaufenen Spielzeit bedeutet die Summe ein Plus von über 3000 (dreitausend) Prozent..

„Historischer Tag“ für chinesischen Fußball

Der englische Fußball, die spanische La Liga und die amerikanische Basketball-Profiliga NBA bringen es künftig pro Jahr zusammen auf weniger Erlöse aus TV-Rechten in China als die CLS. Das ist angesichts der Begeisterung der Chinesen für europäische Topklubs und die US-Basketballer eine markante Statistik. Die verantwortlichen Funktionäre des chinesischen Fußballverbandes waren wohl auch deshalb bei der Vertragsunterzeichnung bester Laune. „Das ist ein historischer Tag, der uns zuversichtlich stimmt, dass wir aus der CSL eine der Topligen der Welt machen“, sagte Verbandsvize Zhang Jian. Das Geld solle vor allem in die Förderung des Nachwuchs fließen. Das Scoutingsystem ist mangelhaft und auch die Trainerausbildung in China ist extrem schlecht.

Teams wie Bayern München im Sommer 2015 nutzen ihre China-Reisen für PR- und TV-Termine. Die Bayern-Profis Thiago, Kimmich und Alaba (von rechts) mit chinesischen Kids. (Photo: Imago)

 

Rechtekäufer ist die China Sports Media Co Ldt., ein vergleichsweise unbekannter Sportrechtehändler aus der Volksrepublik, der zum Imperium des Medienmoguls Li Ruigang gehört. Das Unternehmen hatte namhafte Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen. Die staatliche Fernsehanstalt CCTV bot ebenso mit wie der Schweizer Vermarkter Infront, der vor einer Weile von einem chinesischen Investor gekauft wurde. Doch die Mitbewerber stiegen bei rund der Hälfte des Betrags aus. Beobachter fragen sich, weshalb die China Sports Media eine so große Summe auf den Tisch legt, um ein Produkt zu erwerben, das in den vergangenen Jahren große Qualitätsmängel aufwies.

David Beckham im Jahr 2014 bei der Sendung „Fußball total“ in einem Fernsehstudio in Peking. (Photo: Imago)

 

Das Onlineportal China Sports Insider hält den Kauf für ein reines Glücksspiel. Weil abgesehen von qualitativen Defiziten der Liga, auch das Geschäftsmodell zum Weiterverkauf der Bilder riskant zu sein scheint. In China hat das Pay-per-view keinerlei Tradition und ist bei vergleichbaren Versuchen gescheitert. Doch die neuen Besitzer glauben offenbar fest an ihren Erfolg, auch wenn sie erst für das Ende der Vertragslaufzeit mit Gewinnen rechnen. „Die große Investition basiert auf unserer Überzeugung, dass der Wert der CSL wachsen wird. Das Land hat große Ambitionen, die Sportindustrie zu fördern und Management und Verwaltung des Fußballbetriebs in China zu reformieren“, sagte Konzernchef Li. In England, heißt es, würde viel mehr für die Übertragungsrechte gezahlt und dennoch damit Geld verdient.

Immer mehr Unternehmen investieren in Fußball

Allerdings ist England ein reifer Fußballmarkt, Chinas Fußballfans dagegen launisch, besonders wenn es um ihre Begeisterung für ihre eigene Liga geht. Doch seit die Regierung die Entwicklung des Fußballs beispielsweise mit seiner Einführung als Schulfach fördert, fielen diverse chinesische Unternehmer damit auf, dass sie in den Sport investierten. Die Unternehmer leugnen politische Interessen für ihre Investitionen. Sie sehen das Potenzial im Sport, sagen sie.

Fußball ist in China ein Massen-Event geworden. Am 21. November feierten die Menschen in Hangzhou den Sieg von Evergrande in der asiatischen Champions League. (Photo: Imago)

 

Was tatsächlich für eine deutliche Wertsteigerung der CSL spricht, ist die Masse an Fußballfans in der Volksrepublik. Sollten Klubs und Verband langfristig von Skandalen verschont bleiben, dürfte es gelingen, die Menschen besser an die CSL zu binden. In der Vergangenheit wurde Chinas Fußball mehrfach von Korruptions- und Manipulationsskandalen erschüttert. Gerade die Funktionäre müssen mit den neuen Millionen im Rücken beweisen, dass fortan transparent gewirtschaftet wird. Sportlich sorgten chinesische Vereine zuletzt bereits für positive Schlagzeilen. Der FC Taobao Guangzhou Evergrande gewann nach 2013 zum Ende des Jahres 2015 zum zwiten Mal die asiatische Champions League.