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Saisonstart: Cahill-Debüt beim Shanghai-Derby

AFC Asia Cup

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09/03/2015
 

Das Hongkou-Fußballstadion wird Stürmer Tim Cahill an die besten Jahre seiner Karriere erinnern. Die Heimspielstätte seines neuen Klubs Shanghai Greenland Shenhua FC ist eine von zwei reinen Fußballarenen der Chinese Super League (CSL), die am 7. März in die neue Saison startete. Kein anderes Stadion erzeugt eine vergleichbare Atmosphäre im chinesischen Profifußball, was Cahill beim 6:2-Derbysieg von Shanghai Shenhua gegen Shanghai Shenxin erfahren hautnah konnte. Wenn die Ultragruppe Blue Boys ihre Gesänge anstimmt, wähnt man sich bei einem Ligaspiel der englischen Premier League, wo Cahill unter anderem acht Jahre für den FC Everton stürmte. Mit drei Toren stahl der Brasilianer Paulo Henrique zum Auftakt Cahill allerdings die Show.

Tim Cahill gewann am 31. Januar mit Australien den Asien-Cup. Drei Tage später wechselte der Stürmer zu Shanghai Shenhua in die chinesische Profiliga. (Photo: Getty Images)

 

Shanghai könnte die letzte Station der sportlichen Weltreise des Tim Cahill über vier Kontinente werden. Seine erfolgreichste wird es wohl nicht. Da sind sich die Experten einig, obwohl der 35-Jährige auch im fortgeschrittenen Alter als Top-Transfer gilt. Seine Qualität stellte der Australier im Januar beim Asien-Cup im eigenen Land unter Beweis, als er die Socceroos als Leitwolf und mit insgesamt drei Treffern zum erstmaligen Titelgewinn führte. Real Sociedad aus Spanien und abermals der FC Everton buhlten danach um seine Dienste.

Doch Cahill entschied sich nach drei Jahren bei den Red Bulls New York für das Abenteuer CSL und einen Verein, der weder als Titelkandidat noch als Anwärter auf einen Platz in der asiatischen Champions League gehandelt wird. Zu schwach bleibt der Kader auch nach den Verpflichtungen des griechischen Nationalspielers Avraam Papadopoulos von Trabzonspor und dem Afrikameister 2012, Stoppila Sunzu aus Sambia. Cahill lockten immerhin ein Gehalt drei Millionen US-Dollar pro Jahr, wie kolportiert wurde, und die Neugier auf eine extreme Erfahrung. „Ich bin jemand, der andere Kulturen und unterschiedliche Aspekt des Lebens begeistert annimmt“, sagte er australischen Medien. Dass Cahill die chinesische Nationalmannschaft mit zwei Toren im Viertelfinale aus der Asienmeisterschaft kegelte, hat man ihm in der Volksrepublik deswegen schnell verziehen.

Shanghai SIPG will hoch hinaus

Das sind gute Voraussetzungen, die ehemals hochbezahlte Profis bei Shenhua nicht einbrachten, als sie in Shanghai unterschrieben. Die ehemaligen Weltklassestürmer Nicolas Anelka und Didier Drogba fanden nie den Anschluss an ihre neue Umgebung und verließen den Klub, für den einst auch die Deutschen Carsten Jancker (2004) und Jörg Albertz (2003-2004) spielten, nach jeweils wenigen Monaten. Sie konnten nicht verhindern, dass der einstmalige Vorzeigeklub der Finanzmetropole zur Nummer zwei in der Stadt hinter den Lokalrivalen Shanghai SIPG abrutschte.

Der Argentinier Dario Conca bei der Vorstellung bei Shanghai SIPG. Er kam vom brasilianischen Spitzenklub Fluminense. (Photo: Getty Images)

 

SIPG steht für Shanghai International Port Group, die sämtliche Terminals der örtlichen Containerhafen betreibt und den Klub mit einem stattlichen Sponsoren-Vertrag unterstützt. Gegründet wurde der Verein erst 2005 von ehemaligen chinesischen Nationaltrainer Xu Genbao, der mit landesweit beispielhafter Jugendarbeit sein Erfolgsteam aufgebaut hat. Erst 2010 wurde erstmals ein Nicht-Chinese verpflichtet. Mit dem Geld der SIPG zieht der Verein jetzt auch große Namen an. Trainer ist der Schwede Sven-Göran Eriksson, Topstar der Argentinier Dario Conca, der mit Chinas Serienmeister Guangzhou Evergrande drei Titel gewann und nach kurzem Intermezzo im vergangenen Jahr bei Fluminense in Brasilien jetzt nach China zurück gekehrt ist.

Die Entwicklung bei SIPG, das Gründer Xu zum „Manchester United Chinas“ machen will, geht kontinuierlich aufwärts. Platz fünf sprang im Vorjahr heraus. Um die Meisterschaft aber spielen wohl eher wieder die üblichen Verdächtigen. Guangzhou Evergrande Taobao FC gewann seit 2011 jeden der vier Ligatitel. Doch in diesem Jahr wittert vor allem der Hauptstadtklub Beijing Guo'an seine Chance. Die beiden Klubs lieferten sich im Vorjahr ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das erst am letzten Spieltag entschieden wurde. Was für Peking spricht: Wenige Tage vor dem Saisonstart geht es in Guangzhou drunter und drüber.

Am 4. März 2015 errang Chinas Meister Guangzhou Evergrande (gelbe Trikots) ein 3:2 in der asiatischen Champions League beim Titelverteidiger Western Sydney Wanderers. (Photo: Getty Images)

 

Der neue Trainer Fabio Cannavaro, Weltmeister 2006 mit Italien, wurde in seiner Heimat zu einer zehnmonatigen Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Noch muss Cannavaro die Strafe nicht antreten, weil er die Möglichkeit zur Berufung hat, wie die britische Tageszeitung The Guardian berichtete. Doch der Klub muss damit rechnen, dass Cannavaro ihm bald nicht mehr zur Verfügung steht, sollte ein Berufungsgericht das Urteil bestätigen. In der Champions League errang Guangzhou am 4. März einen wertvollen Sieg mit dem 3:2 bei den Vorjahressieger Western Sydney Wanderers. In Asien gehört der Klub zu den absoluten Topteams.

Zufall oder nicht trat dann vor wenigen Tagen auch Italiens Weltmeistertrainer Marcello Lippi mit Wirkung zum 1. März als Sportdirektor bei Evergrande Taobao von seinem Posten zurück. Lippi hatte im November 2014 nach dem Gewinn von drei Meisterschaften die Verantwortung als Cheftrainer abgegeben und Cannavaro als Nachfolger installiert. In einer Stellungnahme des Klubs hieß es, Lippi nahm aus „gesundheitlichen und familiären Gründen“ Abschied aus Guangzhou.

Ricardo Goulart (im Trikots von Cruzeiro Belo Horizonte) entschied sich gegen Europa und wechselte zu Guangzhou Evergrande. Beim 3:2 gegen Sydney schoss er zwei Tore. (Photo: Getty Images)

 

Das Chaos überstrahlt Guangzhous Rekordtransfer des Brasilianers Ricardo Goulart, der von Brasiliens Meister Cruzeiro Belo Horizonte für 15 Millionen Euro nach Guangzhou wechselte statt wie erwartet nach Europa. Der 23-jährige offensive Mittelfeldspieler entschied sich offenbar für das lukrativere Angebot. Gegen Sydney erzielte er zwei Treffer. Von Red Bull Salzburg kam für elf Millionen Euro ein weiterer Brasilianer: Toptorjäger Alan, der in 126 Spielen für Salzburg 92 Tore erzielte. Weltmeister Alberto Gilardino hingegen verließ den Verein nach nur wenigen Monaten. Alan ist erst 25 Jahre alt und anders als Chahill steht er stellvertretend für den Trend, dass die Klubs Chinas Super League inzwischen jüngere Ausländer holen. Mit rund 110 Millionen Euro haben die Vereine vor der Saison so in Transfers gesteckt wie nie zuvor. Nur in der englischen Premier League wurde in der letzten Transferperiode mehr ausgegeben.