Produkte für PKW / Van / 4x4

New content item

Scolari und Guangzhou gewinnen Asiens Krone

AFC Asia Cup

 Votes Print
 
25/11/2015
 

Luiz Felipe Scolari führt den chinesischen Serienmeister Guangzhou Evergrande zum Gewinn der asiatischen Champions League. Für den Brasilianer ist es auch wiedergutmachung für die größte Schmach seiner Laufbahn.

Evergrande Guangzhou bejubelt den zweiten Champions-League-Triumph. Chinas Meister besiegte im zweiten Finale Al-Ahli Dubai aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. (Photo: Imago)

16 Monate nach seiner bittersten Niederlage mit Brasilien (1:7 gegen Deutschland) gelang Luiz Felipe Scolari ein Triumph mit Evergrande Guangzhou. (Photo: Imago)

 

Knapp 17 Monate nach der größten Demütigung seiner Trainerlaufbahn kehrte Luiz Felipe Scolari mit Guangzhou Evergrande zurück auf die Sonnenseite des Fußballs. Strahlend lächelnd stand der Brasilianer beim nächtlichen Empfang nach dem Finalerfolg in Asiens Champions League über Al-Ahli Dubai FC auf der Bühne und genoss im Kreise seiner Mannschaft das Scheinwerferlicht. Klubchef Xu Jiayin und Premiumsponsor Jack Ma, Gründer des IT-Imperiums Alibaba, füllten erst die sechsstöckige Champagner-Pyramide und übergossen danach Trainer und Mannschaft mit warmen Worten.

Der 1:0-Sieg durch einen Treffer des Brasilianers Elkeson (54.) vor 60.000 Fans im heimischen Tianhe (Milchstraße) Stadion sicherte den Südchinesen den zweiten Kontinentaltitel binnen drei Jahren, der die Tür öffnete für eine neue Ära im asiatischen Klubfußball.

Für den neuen Trainer bedeutete der Triumph einen besonderen Moment seiner an Höhepunkten reichen Laufbahn. „Manchmal ist man glücklich, manchmal ist man traurig. Heute ist ein magischer Tag für mich“, sagte Scolari, der 2002 mit Brasilien Weltmeister wurde. Doch im vergangenen Sommer verlor er mit Brasilien das WM-Halbfinale im eigenen Land sensationell hoch mit 1:7 gegen Deutschland. Die beispiellose Schmach für die Selecao kostete ihn seinen Job.

Der Brasilianer Elkeson (Mitte) schießt das entscheidende Finaltor zum 1:0 im Finalrückspiel gegen Al-Ahli und sichert Evergrande Guangzhou den Titel in Asiens Champions League. (Photo: Imago)

 

„Ein echter Champion gibt niemals auf“, sagte Scolari, dessen Mannschaft unter seine Führung in 23 Pflichtspielen noch immer ungeschlagen ist. Im Juni hatte der Brasilianer die Mannschaft übernommen. Er wusste um die großen Erwartungen an seine Person und erfüllte sie mit Bravour. Zunächst sicherte er dem Verein den Gewinn der fünften Meisterschaft in Serie, dann behielten er und seine Spieler auch im internationalen Kräftemessen die Ruhe. Scolari gelang es, der Mannschaft die Unsicherheit zu nehmen, die zu Saisonbeginn unter Italiens Weltmeister Fabio Cannavaro an der Linie häufiger sichtbar wurde. Guangzhou entwickelte sich zu einer reifen Mannschaft, der es gelang, Spiele zu dominieren, indem sie den Ball in den eigenen Reihen hielt und gekonnt auf ihre Chancen wartete.

Evergrande nicht am Zenit: Titel bei Klub-WM möglich

Die Glanzpunkte auf dem Platz setzen ebenfalls Brasilianer wie Torschütze Elkeson oder WM-Teilnehmer Paulinho, der beim 1:7 gegen Deutschland ebenfalls auf dem Platz gestanden hatte. Beobachter sind sich einig, dass der Klub den Zenit noch nicht erreicht hat, sondern durch den erneuten Gewinn der Champions League zusätzlichen Auftrieb erhält. Scolari jedenfalls setzt sich große Ziele. „Warum sollten wir nicht auch die Klub-Weltmeisterschaft gewinnen können? Ich habe herausragende Spieler, die Träume haben“, sagte er. „We can do it!“

Zwei Brasilianer führen Chinas Topklub an die asiatische Spitze: Luiz Felipe Scolari und Torjäger Elkeson (rechts) mit der Champions-Leage-Trophäe. (Photo: Imago)

 

 

Aber der Trainer weiß, dass der Verein noch viel Arbeit vor der Brust hat. Zu groß noch ist der Rückstand auf die europäischen Spitzenklubs. Doch die Vereinsführung nimmt hinter den Kulissen die nötigen Schritte in Angriff, um die Lücke weiter zu schließen. Guangzhou will im kommenden Jahr als erster asiatischer Klub an die Börse, um neues Kapital aufzunehmen, das in den Aufbau einer Fußball-Dynastie auf dem Kontinent investiert werden soll. Trotz der sportlichen Erfolge in den vergangenen Jahren schreibt Guangzhou Evergrande noch immer rote Zahlen. Das Jahr 2015 schließen die Südchinesen mit einem Minus von rund 40 Millionen US-Dollar ab. Doch bislang nehmen Besitzer Xu und Ma die Verluste in Kauf. Sie selbst sind Milliarden schwer und planen, den Verein im kommenden Jahr in die Gewinnzone zu führen.

Scolari hofft indes auf den Bau eines eigenen Stadions. Die Tianhe-Arena ist Eigentum der 13-Millionen-Einwohner-Stadt Guangzhou, das früher unter dem Namen Kanton bekannt war. Das Problem daran ist der Einfluss, den Behörden auf den Verein nehmen wollen, weil sich örtlichen Funktionäre gerne am Glanz des Erfolges partizipieren wollen. Auch deshalb verzichtete Klubchef Xu auf die Werbeeinnahmen vom staatlichen Autobauer Dongfeng Nissan und platzierte stattdessen die Versicherungssparte seines Konzerns Evergrande auf die Brust der Spieler. Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua warf dem Verein deshalb in einem Kommentar vor, er würde die Reputation von Evergrande als verlässlichen Wirtschaftspartner aufs Spiel setzen und anmaßend handeln. Doch solange Scolari weiter siegt, liefert er dem Verein die besten Argumente, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.