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Asiatischer Fußball auf dem Prüfstand

AFC Asia Cup

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16/01/2015
 

Eine Asienmeisterschaft in Down Under ist auf den ersten Blick doch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Doch im Fußball wird die Grenzziehung nicht gar so streng gehandhabt, und so wurde mit dem Anpfiff der 16. Kontinentalmeisterschaft in Melbourne am 9. Januar ein neues Kapitel in der Geschichte des 59-jährigen Wettbewerbs aufgeschlagen. 2005 war Australien aufgrund fehlender Konkurrenz aus dem Ozeanischen Verband aus- und der Asiatischen Konföderation beigetreten, was den schönen Nebeneffekt hatte, dass sich die „Socceroos“ seitdem dreimal in Folge für die WM-Endrunde qualifizieren konnten. Da würde es vortrefflich passen, wenn zehn Jahre später vor heimischem Publikum der erste große internationale Titel herausspringen würde.


Gastgeber Australien ist einer der Turnierfavoriten beim Asien-Cup 2015. Mit 4:0 gewann das Team mit Marco Bresciano (links) gegen den Oman mit Eid Al-Farsi in Sydney. (Photo: Getty Images)

 

Und das Projekt läuft gut an für die Gastgeber. Die Stadien sind zumindest bei den Spielen der Australier vollbesetzt, dazu wurde das Minimalziel Viertelfinale nach zwei souveränen Siegen gegen Kuwait (4:1) und den Oman (4:0) erreicht, was der noch entwicklungsfähigen A-League einen neuen Schub geben sollte. Die „Aussies“ haben aber auch etwas gut zu machen, schließlich liegt ein fürchterliches Jahr 2014 mit nur einem Sieg aus elf Spielen und dem frühen WM-Aus hinter der Mannschaft von Trainer Ange Postecoglou.

 

Neustart nach den Enttäuschungen in Brasilien

Wiedergutmachung ist aber nicht nur für Australien, sondern auch für die weiteren WM-Enttäuschungen Japan, Südkorea und Iran angesagt. Alle vier Teams waren bei der WM in Brasilien als Gruppenletzter in der Vorrunde ausgeschieden, was dem asiatischen Fußball einen schweren Rückschlag eingebracht hatte. Dabei schien die Entwicklung gerade bei Mannschaften wie Japan und Südkorea seit der gemeinsamen WM-Austragung 2002 vielversprechend. Die Pleiten in Brasilien blieben nicht folgenlos. In Japan räumte der Italiener Alberto Zaccheroni für den Mexikaner Javier Aguirre den Trainerplatz, bei Südkorea trat Uli Stielike die Nachfolge von Myung-Bo Hong an.

 

Für Stielike, der einst als Co-Trainer von DFB-Teamchef Erich Ribbeck (1998 bis 2000) die Zeiten des Rumpelfußballs in Deutschland hautnah miterlebt hatte, ist es eine neue Chance, auf hohem Niveau seine Visitenkarte abzugeben. Schön waren die ersten Auftritte seiner Mannschaft nicht, wohl aber erfolgreich. Nach zwei 1:0-Siegen gegen den Oman und Kuwait war das Viertelfinal-Ticket gebucht. Wichtiger Bestandteil seiner Mannschaft sind die beiden Mainzer Joo-Ho Park, Ja-Cheol Koo und insbesondere Heung-Min Son von Bayer Leverkusen, dem Fußballer des Jahres von Südkorea.

Insgesamt 13 Bundesligaprofis sind beim Asien-Cup im Einsatz, was bei den deutschen Bundesliga-Klubs ungern gesehen wird. Vor allem der auf den vorletzten Platz abgestürzte Vizemeister Borussia Dortmund hätte seinen Torhüter Mitch Langerak, der zum Ende der Hinrunde Weltmeister Roman Weidenfeller als Nummer eins verdrängt hatte, und Superstar Shinji Kagawa lieber beim propagierten Neustart dabei gehabt. Ein Neuanfang ist es für Kagawa auch so. Im Jahr 2015 will der sensible Ausnahmetechniker wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen. Bei Manchester United gescheitert war er auch nach seiner Rückkehr zum BVB ein Schatten seiner selbst geblieben. Der Start ist mit zwei Tor-Vorlagen beim lockeren 4:0 des Titelverteidigers gegen Palästina geglückt.

Der Japaner Shinji Kagawa (links) im Zweikampf gegen Khader Abuhamma. Der Dortmunder Kagawa gab zwei Torvorlagen beim 4:0 des Titelvertiedigers gegen Palästina. (Photo: Getty Images)

 

Palästinas Debüt auf großer Bühne

Das Spiel sorgte für eine weitere historische Note. Erstmals seit der Teil-Anerkennung durch die Vereinten Nationen bestritt die Mannschaft aus Gaza und dem von Israel besetzten Westjordanland ein Fußballspiel auf großer Bühne. Für sportliche Erfolge ist die Zeit aber noch nicht gekommen. Das gilt wohl auch noch für die Auswahl des Emirats Katar. Trotz allen Reichtümern lässt sich der sportliche Erfolg bei den WM-Gastgebern von 2022 nicht so schnell einkaufen. Die mit neun eingebürgerten Spielern verstärkte Mannschaft aus dem Golfstaat legte jedenfalls beim 1:4 gegen die Vereinigten Arabischen Emiraten einen Fehlstart hin.

 

Wie schwer der Weg zum Erfolg ist, wissen auch die Chinesen zu berichten. Aus einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen war es ihnen trotz aller Anstrengungen bislang kaum gelungen, elf Fußballer aufzubieten, die ein Klasseteam bilden. Mit einem neuen Staatsprogramm zur Fußball-Förderung in den Schulen will das Reich der Mitte seine Anstrengungen forcieren. Im Klubfußball hatte Italiens Weltmeister-Coach Marcello Lippi bei Guangzhou Evergrande bereits wertvolle Aufbauarbeit geleistet und 2013 die asiatische Champions League gewonnen. Das macht sich allmählich auch im Nationalteam bemerkbar. Angeführt von Zhang Linpeng, dem "Sergio Ramos von China" (Lippi), gelang in Australien der Sprung unter die besten Acht.

Linpeng soll der nächste chinesische Export in eine große Liga werden, nachdem jüngst der VfL Wolfsburg Xizhe Zhang verpflichtet hatte. Dass der asiatische Fußball insgesamt vorangekommen ist, zeigt die Tatsache, dass 53 Spieler der 16 Mannschaften heute bei Vereinen außerhalb Asiens spielen. 1996 waren es gerade einmal fünf Akteure. Gar so groß ist der dunkle Schatten von der WM dann doch nicht.