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Fußball-Euphorie Downunder

AFC Asia Cup

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28/01/2015
 

In Australien war Fußball lange Zeit nur eine Randsportart. Das änderte sich mit den Erfolgen des Nationalteams. Mittlerweile hat sich der Gastgeber und Finalist des Asien Cups zu einer festen Größe auf der internationalen Bühne gemausert.

Milchmann Schäfer (li.) in Diensten der australischen Nationalmannschaft 1974 bei der WM im Spiel gegen die DDR. Foto: Bundesarchiv

 

Der australische Nationalspieler Manfred Schäfer, gebürtiger Deutscher, sorgte bei der Weltmeisterschaft 1974 für Schlagzeilen. Das Losglück erlaubte es ihm nämlich,  gleich zwei Mal gegen eine deutsche Mannschaft antreten zu können – gegen die DDR und gegen den Turnierausrichter BRD. Zudem staunte das Publikum nicht schlecht über die schier unendliche Ausdauer des Nobodys aus Downunder, mit dem Beckenbauer, Kurbjuweit und Co so ihre Mühe hatten. Denn Schäfer verfolgte in der Vorbereitung daheim sein ganz eigenes Training: Hauptberuflich war er Milchmann. Und das hieß damals, die Kunden an der Haustür zu beliefern. So legte Schäfer täglich bis zu 40 Kilometer zurück – und zwar zu Fuß. Mehrmals die Woche ging es danach noch zum Fußballtraining, was die Kondition zusätzlich stählte . „Er lief allen davon“, erzählt sein damaliger Co-Trainer Les Scheinflug noch heute bewundernd.

 

Ein Milchmann zur WM – die Anekdote zeigt bereits, dass von einer Professionalisierung des Fußballs in Australien vor 40 Jahren noch keine Rede sein konnte. Denn der europäische Ballsport brauchte seine Zeit, um sich auf dem fünften Kontinent gegen Cricket und Rugby zu behaupten. In den 1920er Jahren schwappte der „Association football“ nach englischem Vorbild nach Australien, doch erst 1963 wurde das Land zum FIFA-Mitglied, damals noch als Vertreter des ozeanischen Fußballverbands OFC. Nach ersten, vereinzelten Vereinswettbewerben startete 1977 mit der National Soccer League (NSL) ein regulärer Ligabetrieb.

Der Ball ist in Australien nicht immer rund – Rugby gehört zu den beliebtesten Sportarten beim Gastgeber des Asien Cups. Foto: Australisches Fremdenverkehrsamt

 

So befand sich der australische Fußball in den siebziger Jahren quasi noch im frühkindlichen Stadium. Und es dauerte lange 32 Jahre, bis sich die australische Nationalmannschaft wieder für ein WM-Turnier qualifizieren konnte. In dieser Zeit hat die ehemalige Randsportart in Downunder jedoch eine bemerkenswerte Entwicklung erfahren. Und die zweite Weltmeisterschaft, 2006 abermals in Deutschland, sollte zu einem Meilenstein für die „Socceroos“ werden. Bereits das Rückspiel in den Playoffs der Qualifikation gilt als legendär. Vor der Rekordkulisse von 82.698 Zuschauern in Sydney besiegten die Australier damals das klar favorisierte Team aus Uruguay im Elfmeterschießen mit 4:2.

Beim eigentlichen Turnier in Deutschland reiste die Mannschaft von Trainer Guus Hiddink mit nur wenigen Stars wie Tim Cahill oder Harry Kewell an. Dafür glänzte das Team mit einer ausbalancierten Defensive, überraschte seine Gegner durch schnelle Gegenstöße und schaffte es so verdient, aber überraschend, bis ins Achtelfinale. Dort zeigte man gegen den späteren Weltmeister Italien eine überragende Leistung – und schied dennoch aus. In der Nachspielzeit wurde den Italienern ein unberechtigter Foul-Elfmeter zugesprochen, den Stürmerstar Totti verwandelte. Trotzdem konnten sich die Australier über den bislang größten Erfolg in der Geschichte des Nationalteams freuen: den Einzug ins Achtelfinale.

Und auch bei der folgenden WM in Südafrika 2010 hatte Australien Pech. In der Vorrunde verlor das Team nur gegen Deutschland, schied aber aufgrund des schlechteren Torverhältnisses gegenüber Ghana auf Platz 3 der Gruppe vor dem Vierplatzierten Serbien aus. Bei der vergangenen WM in Brasilien hingegen konnte die Mannschaft nicht an die erfolgreichen Auftritte der vorigen Turniere anknüpfen. Die Gruppengegner lauteten Niederlande, Spanien und Chile – eine zu große Konkurrenz für Australien. Doch der eigentliche Erfolg war mit der Qualifikation gewissermaßen schon geglückt: Zum dritten Mal in Folge nahm die australische Nationalmannschaft damit an einer Endrunde der Weltmeisterschaft teil. Australien war damit endgültig zu einer festen Größe im internationalen Fußball geworden.

Der Weg war lang zur erfolgreichen Fußballnation – heute aber gilt Australien als feste Größe im internationalen Fußball. Foto: Australisches Fremdenverkehrsamt

 

Die stetige Präsenz auf der ganz großen Bühne seit 2006 sorgte auch für Begeisterung im heimischen Klubfußball: Die Zuschauerzahlen in der A-League, wie die erste Liga seit der Saison 2005/06 heißt, zogen nach der WM in Deutschland von durchschnittlich 11.000 auf 14.500 an und haben sich zuletzt mit einem Durchschnitt von gut 13.000 Fans auf einem beachtlichen Niveau stabilisiert. Auf einem ähnlichen Niveau befanden sich beispielsweis auch die Zuschauerzahlen der 2. Bundesliga in Deutschland vor zehn Jahren.

Im vergangenen Jahr konnte auch der australische Vereinsfußball seinen bisher größten Erfolg feiern. Die Western Sydney Wanderers setzten sich im Finale der asiatische Champions League gegen den al-Ahli Sport Club aus Saudi-Arabien in zwei Spielen durch – es war der erste große internationale Triumph eines australischen Clubs seit 2005 und der erste in einem asiatischen Wettbewerb überhaupt. Denn erst 2005 war Australien in den asiatischen Fußballverband AFC gewechselt. Der Hintergrund: die Qualifikation für Weltmeisterschaften ist im asiatischen Kontinentalverband aufgrund eines festen Qualifikationsplatzes gegenüber dem ozeanischen Verband deutlich leichter.

Mit dem Aufschwung wurden einige australische Spieler auch in den europäische Ligen zu Top-Stars. Torhüter Mark Schwarzer etwa bestritt bis heute über 500 Spiele in der Premier League – die meisten eines nicht-britischen Spielers in der ersten englischen Liga überhaupt. Oder Harry Kewell, der in Liverpool als linker Außenstürmer 2005 zum Champions-League-Sieger wurde. Und den Fans der Bundesliga sind heute etwa Torwart Mitch Langerack von Dortmund oder Leverkusens Robbie Kruse ein Begriff.

Doch noch gehört Australien nicht zu den größten Fußballnationen, was sich aber Schritt für Schritt ändern soll. So gelten die „Socceroos“ heute bereits als eine der stärksten Mannschaften in Asien, wie sie auch beim diesjährigen Asien Cup unter Beweis gestellt haben. Und Trainer Ange Postecoglou sprach unlängst von einer „exzellenten Spielergenerationen im Nachwuchs“. Torwart Mathew Ryan, 22, vom FC Brügge etwa oder der 23-jährige Linksaußen Tommy Oar vom FC Utrecht gelten als hoffnungsvolle Talente. Vielleicht sind sie es, die bei der nächsten WM in Russland 2018 für Furore sorgen – wie einst Milchmann Schäfer beim Turnier in Deutschland...