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Guam träumt vom großen Wurf

AFC Asia Cup

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18/08/2015
 

In Europa hat die Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 noch nicht begonnen, in Asien dagegen sorgt sie bereits für handfeste Überraschungen. Der Stadtstaat Singapur, die Nummer 155 der Weltrangliste, eroberte die Tabellenführung der Vorrundengruppe E durch ein 0:0 beim WM-Dauergast Japan. Das kaum besser platzierte Turkmenistan (149) trotzte dem hoch gehandelten Iran ein 1:1 ab. Die größte Überraschung von allen aber ist die beispiellose Siegesserie der Freizeitkicker aus Guam. Der winzige Inselstaat im Pazifik mit 180.000 Einwohnern schaffte die ersten beiden Siege seiner WM-Geschichte und führt sensationell die Tabelle der Gruppe D an, fünf Punkte vor Iran. Erst gelang Guam ein 1:0 gegen jene Turkmenen, die Iran ärgerten, und dann ein paar Tage später ein 2:1 gegen das Milliardenreich Indien.

Erste Siege in der WM-Qualifikation feierte Guam (in blau), das einst Niederlagen wie das 0:9 gegen Australien im Dezember 2012 in Hongkong kassierte. (Photo: Getty Images)

 

Am 3. September wird sich zeigen, ob die Inselkicker wirklich eine realistische Chance haben, die nächste Runde zu erreichen. Dann müssen sie im Iran ihren Vorsprung behaupten. Auf jeden Fall haben sie etwas gutzumachen. Vor 14 Jahren bei der bislang einzigen Teilnahme an einer WM-Qualifikation verlor Guam gegen die Perser mit 0:19. Auch das zweite Spiel gegen Tadschikistan endete unrühmlich mit 0:16.

Jetzt träumt das kleine Guam vom großen Wurf. Viele Spieler stammen ursprünglich aus den Vereinigten Staaten, weil Guam ein strategisch wichtiger Stützpunkt des US-Militärs ist. Ihr Starspieler Ryan Guy spielte schon in der amerikanischen Profiliga MLS. Trainer Gary White war bereits mit 24 Jahren verantwortlich für die Nationalmannschaft der Jungferninseln. Später kletterten die Kicker von den Bahamas mit ihm an der Linie 55 Plätze im Fifa-Ranking nach oben. Seit 2012 trainiert der 40-Jährige Guams Auswahl. Sein erklärtes Ziel aber ist die englische Premier League.

Am 16. Juni feierte die Nationalmannschaft von Singapur in Saitama ihren überraschenden 1:0-Auswärtssieg gegen Japan in der Qualifikation zur WM 2018. (Photo: Getty Images)

 

Gibt es auch in Asien keine „Kleinen“ mehr?

Die Frage, die sich angesichts der Wettbewerbsfähigkeit von Guam, Singapur oder Turkmenistan aufdrängt: Gibt es auch in Asien keine „Kleinen“ mehr, so wie es die europäischen Nationen immer betonen, ehe sie auf die Faröer Inseln reisen? Die Antwort ist wohl eine Frage der Perspektive. Die Ergebnisse können ebenso gut als Beweis dafür herangezogen werden, dass sich der Fußball auch in den kleinen Verbänden immer weiter entwickelt und sich dem Niveau von Japan, Südkorea oder Iran nähert. Die Resultate können aber auch für eine gegenteilige Entwicklung stehen. Nämlich dass die namhaften Teams des Kontinents es schlicht verpasst haben, sich abzusetzen von den übrigen Mannschaften, obwohl viele ihrer Spieler inzwischen in europäischen Topligen ihr Geld verdienen.

Einen jüngsten Anhaltspunkt über die schwankende Qualität der asiatischen Topteams lieferte die WM 2014, als alle vier Teilnehmer inklusive Australien bereits in der Vorrunde scheiterten. Das schwache Abschneiden löste Diskussionen aus. Verbandschef Sheikh Salman bin Ebrahim Al Khalifa aus Bahrain warnte davor, dass der Rest der Welt die asiatischen Mannschaften schon bald nur noch als Außenseiter betrachten würde. Es sei keine Zeit zu verlieren, den Fußball des Kontinents auf die nächste Ebene zu heben, sagte Sheikh Salman.

Sheikh Salman bin Ebrahim Al Khalifa ist Präsident des AFC. Der einflussreiche Sportfunktionär aus Bahrain möchte den asiatischen Fußball an die Weltspitze führen. (Photo: Getty Images)

 

Aufstieg und Krise des asiatischen Spitzenfußballs liegen nur wenige Jahre auseinander. Ein regelrechter Hype setzte ein, als Südkorea 2002 bei der Heim-WM bis ins Halbfinale vordrang und nur knapp gegen Deutschland ausschied. Die Asiaten seien jederzeit in der Lage, diesen Erfolg zu wiederholen, glaubten viele Experten. Doch es blieb für den bevölkerungsreichsten Kontinent der Erde bis jetzt doch nur ein einmaliger Vorstoß in die Runde der letzten Vier. Asiens Fußball büßte seitdem viel von seinem Schrecken ein. Umso wichtiger wird die WM 2018 in Russland. Es geht für den Verband AFC darum, nicht den Anschluss zu verlieren an Europäer und Südamerikaner und auch an die Afrikaner.


Der Asiatische Fußball-Verband AFC hielt am 30. April in Manama/Bahrain, seinen Kongress ab. Er organisiert den Fußball des bevölkerungsreichsten Kontinents. (Photo: Getty Images)

 

46 Nationen streiten in Asien um nur vier Startplätze. Ein fünftes Team erhält die Chance zur Teilnahme an den Playoffs gegen eine Mannschaft aus Südamerika. In einer K.o.-Runde im März schafften sechs Mannschaften den Sprung unter die letzten 40. Acht Gruppensieger und vier Gruppenzweite ziehen in die entscheidende Runde ein. Dort spielen zwei Sechsergruppen jeweils zwei direkte Startplätze für Russland aus. Die beiden Gruppendritten ermitteln in Hin- und Rückspiel den Gegner des südamerikanischen Playoff-Teams. Der kürzeste Weg zur WM führt je nach Gruppengröße in der Vorrunde mindestens über 16 bis zu 18 Spiele. Weil das Programm und auch die Reisestrapazen auf dem riesigen Kontinent so umfangreich sind, gilt die WM-Qualifikation gleichzeitig als Qualifikation für die Asienmeisterschaft 2019 in den Vereinigten Arabischen Emiraten.