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Ausländische Trainer in Asien gefragt

AFC Asia Cup

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14/09/2015
 

Das Ende der Amtszeit von Malaysias Cheftrainer Dollah Salleh schlug zweistellig ein. Nach dem 0:10 in der WM-Qualifikation bei den Vereinigten Arabischen Emiraten räumte der 51-Jährige frustriert seinen Posten. „Eine nationale Schande“, schimpfte Salleh über die höchste Niederlage der Verbandsgeschichte. Die Fans sind stocksauer. Das Land ist schließlich kein Fußballzwerg auf dem asiatischen Kontinent, sondern ASEAN-Meister 2010 und Südostasienmeister 2011 mit der U23. Der Nationalkader galt als hoffnungsvoll. Fünf Tage nach dem Desaster erzwangen aufgebrachte Zuschauer beim Heimspiel gegen Saudi Arabien wegen eines erneuten Rückstandes (1:2) sogar einen Spielabbruch, als sie Rauchbomben und bengalische Feuer zündeten.

Im Dezember 2014 feierte Dollah Salleh mit seinen Spielern noch das 4:2 gegen Vietnam in Hanoi. Mitte September 2015 trat er als Nationalcoach Malaysias zurück.

(Photo: Getty Images)


 

Jetzt soll wohl ein Ausländer den Karren aus dem Dreck ziehen. Das Land läge damit im Trend in Asien. „Ich habe immer einen ausländischen Trainer favorisiert“, sagte Verbandspräsident Ahmad Shah, ehe auch er ankündigte, sein Amt schrittweise niederzulegen. Der Zeitpunkt ist günstig für einen Neuanfang. Die Weltmeisterschaft in Russland findet sowieso so gut wie sicher ohne Malaysia statt. Selbst die in die WM-Ausscheidung integrierte Qualifikation zur Asienmeisterschaft 2019 ist kaum noch zu schaffen. Einem fremden Trainer bliebe viel Zeit, Mannschaft und Land kennen zu lernen.

Malaysia würde einen Trend aufgreifen. 47 Mitglieder hat der Asiatische Fußballverband AFC, 30 setzen aktuell auf die Dienste von Ausländern als Cheftrainer. Die meisten von ihnen (18) sind Europäer. Darunter befinden sich auch drei Deutsche. Ulrich Stielike, Vizeweltmeister von 1982, trainiert Südkorea und führte die Ostasiaten im Januar ins Finale der Asienmeisterschaft. In Singapur ist Bernd Stange verantwortlich, Ex-Nationaltrainer der DDR. Sein größter Erfolg: ein sensationelles 0:0 in Japan im Juni.

Der deutsche Trainer Bernd Stange hat Singapur mit Torwart Mohamad Izwan Bin Mahbud (links) stärker gemacht. In der WM-Qualifikation holte das Team ein 0:0 in Japan. (Photo: Getty Images)

Der Nationaltrainer von Afghanistan, der Deutsche Slaven Skeledzic, beim Spiel seiner Mannschaft im Juni 2015 gegen Syrien, das im Iran ausgetragen wurde. (Photo: Getty Images)

 

Den größten Erfolg schaffte Hiddink mit Südkorea 2002

In Afghanistan hat Slaven Skeledzic das Sagen, früherer Jugendtrainer bei Eintracht Frankfurt und Hannover 96. „Ich will modernen Fußball in Afghanistan entwickeln so wie wir das in Europa tun. Diese Philosophie und entsprechende Trainingsmethoden sollen dann vom Nationalteam auf den Nachwuchs übertragen werden“, sagte Skeledzic bei seiner Vorstellung im Februar.

Genau darum geht es den meisten Verbänden: Die Ausländer sollen den Fußball im Land vor allem taktisch weiterentwickeln. Die Nationalmannschaften sind der Maßstab für den Unterbau. Die Erwartungshaltungen sind groß. Zwar variieren sie genau wie die verschiedenen Kulturen, die der Asiatische Fußball-Verband (AFC) unter einem Dach vereint.

 

Skeledzic soll Grundlagen schaffen in Afghanistan, Bernd Stange mit Singapur den Anschluss an die erweiterte Spitzengruppe, und Stielike mindestens das Achtelfinale einer WM erreichen. Erfolgsdruck aber lastet auf einem Trainer in Afghanistan wie in Südkorea gleichermaßen. Denn letztlich sind es Ergebnisse, nach denen ihre Arbeit beurteilt wird.

Zumal es Ausländer waren, die große Fußstapfen im asiatischen Fußball hinterlassen haben. Der Niederländer Guus Hiddink zog mit Südkorea ins WM-Halbfinale 2002 ein und führte Australien zur WM 2006. Der Franzose Philippe Troussier gewann 2000 mit Japan die Asienmeisterschaft, zog ins Finale des Konföderationen-Cups 2001 und ins WM-Achtelfinale 2002 ein. Oder der Brasilianer Carlos Alberto Parreira, der Kuwait, die Emirate und Saudi Arabien jeweils zu einer WM führte.

“Hiddink! Make our dream come true!”. Das war der Wunsch (Hiddink! Mach unserer Traum wahr!) der Südkoreaner bei der WM 2002 an ihren niederländischen Nationaltrainer. (Photo. Getty Images)

 

So etwas weckt Begehrlichkeiten. Mohamed Shaweed, Verbandschef der Malediven, sprach kürzlich von einer Einigung mit einem Trainer, der schon einmal eine Nation zur WM geführt habe. Wer das sein soll, verriet Shaweed nicht. Doch für Länder wie die Malediven ist eine Teilnahme an einer WM in Russland ein utopisches Hirngespinst, selbst mit Hiddink oder Parreira an der Außenlinie. Zu wenig professionell ist der Fußball dort organisiert, um die Lücken mit nur einer einzigen Personalie schließen zu können. Hohe Niederlagen, die in Europa allenfalls noch San Marino oder Gibraltar erleiden, sind deshalb in der WM-Qualifikation für viele Nationen Normalität, ausländischen Trainern zum Trotz. Myanmar mit Radojko Avramovic aus Serbien verlor Anfang des Monats 0:9 in Kuwait, Laos mit dem Engländer David Booth ging 0:8 in Südkorea unter, und Osttimor, trainiert vom Brasilianer Emerson Alcantara unterlag 0:7 in Saudi-Arabien. Alltag im AFC.

Der Engländer Terry Singh, früher beim englischen Profiklub Leicester City als Jugendtrainer und heute bei der chinesischen Elite-Sportuniversität Peking beschäftigt, glaubt, dass der Einfluss von Ausländern in Asien ohnehin begrenzt ist. „Ausländische Trainer helfen den Verbänden zwar dabei, professionell zu denken. Aber sie benötigen länger als lokale Trainer, um Spieler weiterzuentwickeln“, ist Singhs Fazit nach vielen Jahren Basisarbeit in China. Die kulturellen Unterschiede und die sprachlichen Barrieren seien oftmals kaum zu überwinden, wenn das gesamte Umfeld nicht ausreichend professionell aufgestellt ist.