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Fußball-WM in China rückt (ein wenig) näher

AFC Asia Cup

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23/02/2015
 

Shanghai. Der Einstieg eines chinesischen Mischkonzerns beim Sportvermarkter Infront kann der Volksrepublik China auf dem Weg zu einer erfolgreichen WM-Bewerbung helfen. Der neue Inhaber verspricht sich auch die Gunst der chinesischen Politik.

 

Eine chinesische Bewerbung für die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft ist wohl nur eine Frage der Zeit. Dafür spricht erstens, dass die allein regierende Kommunistische Partei sportliche Großereignisse als Marketing-Instrument zur Imagepflege versteht. Zweitens hat das Land bereits bewiesen, dass es Großereignisse wie Olympische Sommerspiele reibungslos ausrichten kann. Der damaligen Ausrichterstadt Peking winkt sogar der Zuschlag für die Winterspiele 2022. Aber vor allem hat drittens Staatspräsident Xi Jinping höchstpersönlich klargemacht, dass ihm eine Fußball-WM im eigenen Land sehr am Herzen liegt.

Weil geschäftlicher Erfolg in China eng verknüpft ist mit politischem Wohlwollen der Partei, hören die Opportunisten im Land sehr genau hin, wenn die Staatsspitze Wünsche äußert. Der Unternehmer Wang Jianlin zum Beispiel, Gründer und Chef des chinesischen Mischkonzerns Wanda, griff mit der Übernahme der Schweizer Sportmarketing-Firma Infront Sports & Media den Ball auf, den Staatschef Xi mit seinem WM-Wunsch ins Rollen gebracht hat. Für 1,2 Milliarden Dollar hat Wang 68 Prozent des Vermarktungsunternehmen übernommen. Der Deal wurde am 10. Februar in Peking bei einer feierlichen Zeremonie inklusive Vertragsunterzeichnung offiziell gemacht. Es ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt für die Chinesen in Richtung WM-Bewerbung der Zukunft.

Wang Jianlin (Mitte) ist als Vorstand von Dalian Wanda einer der einflussreichsten Unternehmer Chinas, der dazu beitragen möchte, die WM ins Land zu holen. (Photo: Getty Images)

 

Infront als Brücke zwischen Chinas Fußballverband und der FIFA

„Infront bringt China ein Stück näher an den Kern der Macht im Weltfußball. Es wird die Sportvermarktung im Land weiter entwickeln, und kann damit Erfahrungen liefern, die irgendwann einmal sehr hilfreich für eine Bewerbung werden können“, sagt Liu Xiaoxin, Chefredakteur der Fußballzeitung Zuqiu Bao der Conti Soccerworld.

Geschäftsmann Wang schlägt mit seinem Einstieg beim Rechtevermarkter die Brücke zwischen dem chinesischen Fußballverband und dem Weltverband FIFA. „China ist zurzeit weit davon entfernt, eine WM auszurichten, aber die Partnerschaft mit Infront kann den Prozess einer erfolgreichen Bewerbung beschleunigen“, glaubt Wang. Das erwarte auch die Staatsspitze.

Die Logik hinter dem Geschäft sieht so aus: Das Wanda-Imperium hofft auf eine neue sprudelnde Einnahmequelle, aus der beispielsweise auch Einnahmen aus dem DFB-Pokal und Spielen der deutschen Nationalmannschaft sprudeln. Gleichzeitig verschafft sich Firmenboss Wang als Wegbereiter für die Realisierung präsidialer Träume Wohlwollen in der politischen Elite der Volksrepublik. Wie wichtig ihm der Kauf von Infront war, zeigt der stolze Preis. Wang zahlte das Doppelte wie die Vorbesitzer einst für ihre Mehrheit investiert hatten. Die Höhe der Rendite spielt wohl eher eine Nebenrolle.

Ein Geschäftszweig von Infront ist die Vermarktung von Werbebanden - wie beim DFB-Pokal (Szene vom 18.12.2014 - Achtelfinale Augsburg/Mölders-FC Bayern/v. Buyten 0:2). (Photo: Getty Images)

 

Kürzlich machte der Milliardär bereits mit dem Einstieg beim spanischen Fußballmeister Atletico Madrid auf sich aufmerksam. Für 45 Millionen Euro kaufte sich der Immobilienmogul einen 20-prozentigen Anteil an dem Hauptstadtklub. „Wang ist sich im Klaren, dass die große Zeit der Immobilien in China vorbei ist. Der Fußball aber entwickelt sich. Deswegen investiert er so entschlossen in den Sport“, sagt Journalist Liu. Internationaler Fußball steht bei den chinesischen Fans hoch im Kurs. Die Topligen aus Europa und besonders die Weltmeisterschaft ziehen viele Menschen vor die Fernseher. Auch die Bundesliga hat viele Fans, hinkt in der Beliebtheit aber englischen Premier League deutlich hinterher.

Um auch andere Sportarten in China gut vermarkten zu können, werden Infront die glänzenden Kontakte von Wanda in der Volksrepublik wichtige Tür öffnen. Die Sportbegeisterung der Chinesen ist groß.

Der chinesische Nationalspieler Xizhe Zhang ist seit Dezember 2014 beim VfL Wolfsburg. Ihm könnten bald weitere Topspieler aus China nach Europa folgen. (Foto: Firo/Augenklick)

 

Sie haben sich vom Basketball- und Tennisfieber anstecken lassen, weil ihre Landsleute wie Yao Ming oder Li Na in diesen Sportarten international erfolgreich waren. Mit dem richtigen Know-how von Infront hofft Wanda-Chef Wang auf lukrative Verträge.

Er glaubt auch, die Qualität des chinesischen Fußballs verbessern zu können. Infront könnte Kanäle bieten, um chinesische Talente nach Europa zu lotsen. Doch die Vermarktung ist dabei nur der zweite Schritt vor dem ersten. Chinas Fußball leidet noch an strukturellen Schwächen in der Nachwuchsarbeit. Journalist Liu, der ein Buch über die Korruption im chinesischen Fußball veröffentlicht hat, sieht im Infront-Deal deshalb allenfalls ein kleine Chance für Verbesserungen. „Dazu muss sich das gesamte System von Grund auf verändern“, sagt er.