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„Historischer Tag“ für den FC Bayern in China

AFC Asia Cup

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29/05/2015
 

Zur Stärkung der Marke FC Bayern München in China eröffnet der Klub einen Onlineshop für Fanartikel im Reich der Mitte. Ein eigenes Büro soll bald folgen, um zu anderen europäischen Topklubs aufzuschließen.

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München, stellte in Hangzhou unter Beweis, dass er noch immer ein exzellenter Ballkünstler ist. (Photo: Imago)

 

Karl-Heinz Rummenigge ließ wie in alten Zeiten den Ball auf dem Fuß tanzen. Der Vorstandschef persönlich war nach China gekommen, um seinen FC Bayern München gut in Szene zu setzen. Im Kampf um Millionen durch Sponsoren und Merchandising in neuen Märkten benötigen die Bayern die Aufmerksamkeit von Fans und Medien im Land mit seinen über 1,3 Milliarden Menschen. Die Weichen für die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Klubs werden zunehmend auch in Asien, und dort vor allem in China, gestellt.

„Wir kommen spät, aber wir kommen mit Volldampf“, sagte Rummenigge am Mittwoch (27 Mai) in Hangzhou zur offiziellen Einweihung eines Onlineshops für Bayern-Fanartikel in China. Ab sofort sind 250 Produkte mit dem Klubemblem über die Handelsplattform Tmall aus dem Hause des IT-Konzerns Alibaba erhältlich. Damit fällt der Umweg über Deutschland beim Bearbeitungsprozess einer Bestellung aus China künftig weg. Statt wie bisher einen langen Monat müssen die Chinesen nur noch rund eine Woche auf die Devotionalien warten.

Chinesische Fans des FC Bayern München bei einem Spiel des Deutschen Meister im Jahr 2012 in China. (Photo: Imago)

 

Das neue Angebot soll dem Verein helfen, die Lücke zu den beliebtesten Auslandsklubs in China zu schließen. Bei der Internationalisierung der eigenen Marke liegen die Bayern gegenüber anderen europäischen Topklubs wie Real Madrid, dem FC Barcelona oder Manchester United im Rückstand. Beim populären Kurznachrichtendienst Weibo beispielsweise verzeichnen die Münchner zwei Millionen Abonnenten, ManU bringt es auf neun Millionen. Während andere große Klubs zum Teil schon in den 1990er Jahren in China präsent waren, gab der deutsche Rekordmeister erst vor drei Jahren sein Gastspiel-Debüt in der Volksrepublik. Um Verpasstes nachzuholen, stehen im Juli drei Freundschaftsspiele gegen den FC Valencia, Inter Mailand und Chinas Serienmeister Guangzhou Evergrande in der Volksrepublik an.

FC Bayern kooperiert Chinas großem TV-Sportkanal

Jetzt aber sind die Bayern beim Aufbau eines lokalen E-Commerce-Geschäfts über eine chinesische Handelsplattform Taktgeber. Bayerns Strategievorstand Jörg Wacker, der für die Internationalisierung zuständig ist, sprach gar von einem „historischen Tag“. Der Klub hofft auf Zusatzeinnahmen von 25 Millionen Euro durch das Merchandising in den kommenden fünf Jahren.

Jörg Wacker (FC Bayern Marketing), Jeff Zhang (Alibaba Group), Kalle Rummenigge (Bayern-Chef) und Thomas Kipp (DHL / von links) bei der Vorstellung des FC-Bayern-Onlineshops in China. (Photo: Image)

 

Die Marke Bayern München soll tiefer im Bewusstsein der Chinesen verankert werden. Dazu gingen die Bayern auch eine Kooperation mit dem staatlichen Sportkanal CCTV5 ein, der im Gegenzug für exklusives Bildmaterial nun eine wöchentliche Bayern-Kolumne in sein Programm integriert. In wenigen Wochen will der Klub außerdem konkrete Pläne für die Eröffnung eines eigenen Büros in der Volksrepublik bekannt geben. All das soll mehr chinesische Sponsoren anlocken. Bestenfalls derart finanzkräftige wie den Solarhersteller Yingli, seines Zeichens auch Partner des Weltverbandes FIFA. Das Unternehmen lässt sich die Platin-Partnerschaft mit den Bayern einen jährlichen Betrag in Millionenhöhe kosten. Geld, was die Mannschaft stärken und zukünftige Erfolge sichern soll.

„Der sportliche Erfolg allein genügt aber nicht, wenn wir uns stärker in China positionieren wollen. Wir müssen intensiver mit den Fans in Kontakt treten“, sagt Wacker. Doch Siege helfen ungemein. Chinesische Fans verteilen ihre Leidenschaft oft wegen der Stars, die sie mit den Vereinen verbinden. Barcelona und Madrid erleben einen riesigen Zulauf an Sympathisanten, weil Lionel Messi und Cristiano Ronaldo seit Jahren die Wahl zum Weltfußballer unter sich aus machen. Insofern war Deutschlands Titelgewinn bei der WM in Brasilien für die Bayern Gold wert. Sechs von sieben Weltmeister stehen noch im Kader der Münchner. Thomas Müller, Manuel Neuer oder Bastian Schweinsteiger sind inzwischen jedem chinesischen Fußballfan ein Begriff.

Dass ausgerechnet eine Alibaba-Plattform die Umsätze im Merchandising der Bayern ankurbeln soll, ist nicht frei von Ironie. Wer beispielsweise bei Taobao, der größten Plattform des Unternehmens, nach Fanartikeln der Bayern sucht, wird mühelos fündig. Doch Trikots, Schals oder Stutzen sind allesamt gefälscht, der Klub verdient keinen Cent daran. Die Bayern behalten den Vertrieb der Piraterie-Produkte jetzt verstärkt im Auge und setzen dabei auf die Unterstützung von Alibaba. Die größte IT-Firma der Welt steht jedoch bei chinesischen Behörden und diversen Markenproduzenten stark in der Kritik, dass sie den Kampf gegen die Piraterie nicht ernst genug verfolge.

Karl-Heinz Rummenigge erklärte bei der Pressekonferenz am 27. Mai in Hangzhou, dass die chinesischen Fans mit dem neuen Onlineshop ihre Fanartikel viel schneller bekommen. (Photo: Imago)

 

Karl-Heinz Rummenigge räumte ein, dass gefälschte Produkte jedem Verein schaden würden, versicherte aber, dass die Fans „zu 100 Prozent“ Originalware erhielten, wenn sie künftig bei Tmall bestellen. Mit dem Gegenangebot soll möglichst vielen Fans der Kauf von echten Fanartikeln schmackhaft gemacht werden. Die Preise sind jedoch in etwa die gleichen wie in Deutschland und könnten vor allem für junge Fans ein Hindernis zum Kauf eines Originals werden. Doch Strategievorstand Wacker macht auch klar: „Hochwertige Trikots werden wir sicher nicht zu Billigpreisen verkaufen.”