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Go East: Bundesliga nimmt China ins Visier

AFC Asia Cup

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09/07/2015
 

Die deutsche Bundesliga steht mit anderen europäischen Topligen längst nicht mehr nur auf dem Rasen im Wettbewerb. Das Spielfeld hat sich vergrößert, oder besser gesagt globalisiert. Spaniens La Liga, die englische Premier League oder die Serie A in Italien buhlen wie die Deutsche Fußball Liga (DFL) zunehmend weltweit um die Aufmerksamkeit für ihre nationalen Meisterschaften. Die Ligen wollen schon lange neue Märkte erschließen, um neue Fans, neue Sponsoren und steigende Einnahmen bei der Auslandsvermarktung der Fernsehrechte zu generieren.

Fans des FC Bayern bei einem Spiel der Münchner in China. (Photo: Imago)


 

Die Sperrspitze aus deutscher Sicht bildet der FC Bayern München, der bereits in den USA ein Büro eröffnet hat und nun in diesem Jahr ernst macht mit seiner Expansion nach Asien. In wenigen Tagen, Mitte Juli, bricht der Rekordmeister auf nach China, um sich dort mehr als eine Woche lang auf die neue Saison in der Bundesliga vorzubereiten. Drei Testspiele stehen auf dem Programm, unter anderem gegen den FC Valencia und Inter Mailand. Doch auch andere deutsche Klubs sind gefordert, die globale Vermarktung der Liga mit ihrem Engagement zu unterstützen.

„Die Klubs wissen, dass die gesamte Liga davon profitiert“, sagt Jörg Wacker, Strategievorstand der Bayern und verantwortlich für die Internationalisierung des Vereins. Den Briten sei es in Asien gelungen, zuallererst ihre Premier League als Marke zu transportieren. In deren Sog schwimmen nun die Vereine mit. Schon seit 2003 spielen drei Erstligisten von der Insel und jeweils ein örtlicher Profiklub im Zweijahrestakt die Premier League Asia Trophy aus. Neben englischen Topvereinen reisen dann auch Fahrstuhlklubs wie der FC Portsmouth oder Hull City in die Region. Gespielt wurde schon in Peking, Hongkong, Singapur, Kuala Lumpur und Bangkok. Die Internetseite der Premier League gibt es inzwischen komplett in chinesischen Schriftzeichen.

PR-Aktion für ein chinesisches Solar-Unternehmen bei einer Partie des FC Bayern München. (Photo: Imago)

 

„ Die Chinesen haben Respekt vor ‚made in Germany‘ “

Die Bundesliga ist vergleichsweise spät dran. Aber sie holt auf. „In den letzten Jahren gab es eine Wahnsinnsentwicklung, aber es fehlen uns die zehn, 20 Jahre davor, die uns andere Ligen voraushaben“, sagt Wacker, der kürzlich mit Vereinschef Karl-Heinz Rummenigge zur Eröffnung eines Online-Shops für Fanartikel in Peking war. England und Spanien liegen aber bei den Fernsehzeiten und der Anzahl der Fans noch klar vorne. Dabei ist es zumindest in China nicht unbedingt das Fernsehgeld, was lockt. Die Engländer hatten versucht, die Preise für die TV-Bilder in die Höhe zu schrauben, aber dem Vernehmen nach blockte das Staatsfernsehen CCTV die Forderung ab.

Dennoch ist China neben anderen asiatischen Märkten für deutsche Vereine wichtig. Hunderte Millionen Fußballfans im Land sind bereit, ihre Begeisterung ausländischen Klubs zu widmen.

 

Man muss sie nur abholen. Das Niveau der heimischen Liga ist international nur zweitklassig, die Nationalelf schafft es noch nicht, konstant gute Leistungen abzurufen. Wacker sieht deshalb ein gutes Fundament für rasantes Wachstum. „Die Leute in China haben großen Respekt vor 'Made in Germany'. Das ist ein Vorteil, den wir nutzen sollten.“

Doch die Bundesliga muss sich auf Rückschläge gefasst machen. Schalke 04 machte in diesem Jahr die bittere Erfahrung, dass das chinesische Fernsehen offenbar seine geplanten Testspiele in der Volksrepublik nicht übertragen wollte. Man muss intensiv daran arbeiten, um seinen Bekanntheitsgrad zu verbessern. Der Revierklub strich die China-Reise aus dem Terminkalender.

Das erfolgte überraschend. Die Königsblauen waren schließlich in den vergangenen Jahren Stammgast in der Champions League, standen 2011 sogar im Halbfinale gegen Manchester United und hatten in Hao Junmin ein hoffnungsvolles chinesisches Talent im Kader. Der Klub einigte sich zudem erst kürzlich auf eine Partnerschaft mit dem Hauptstadtklub Beijing Guo'an und will regelmäßig Trainer nach China zur Ausbildung des Nachwuchs schicken.

Die Spieler von Borussia Dortmund verabschieden sich nach ihrem Sieg bei Kawasaki Frontale am 7. Juli 2015 von den japanischen Fans im Stadion. (Photo: Imago)

 

Neben den Münchnern ist in diesem Sommer Borussia Dortmund der einzige deutsche Profiverein, der in der Vorbereitung den Umweg Asien in Kauf nimmt. Dortmund spielte am  7. Juli bei Kawasaki Frontale (2:0 gewonnen) in Japan und am 9. Juli bei den Johor Southern Tigers in Malaysia. Die BVB-Profis Shinji Kagawa und Marco Reus werden in Japan gefeiert wie Popstars. Doch es gibt schon Überlegungen, den deutschen Supercup zwischen Meister und Pokalsieger in China auszuspielen, so wie es die Italiener tun.

Die DFL befürwortet die Expansion der Bundesliga und unterstützt die Klubs bei ihren Plänen, wo es geht. „Wir müssen eine Art Grundrauschen schaffen, dass die Bundesliga immer präsent ist in China und Asien“, sagt Wacker. Die Bayern werden wohl auch den nächsten Schritt dafür gehen und in Kürze ein Büro in China eröffnen. Der BVB ist seit 2014 bereits in Singapur dauerhaft vertreten. Es sind quasi die ersten Geräusche, die ein Grundrauschen erzeugen könnten. Eigentlich müssten andere Vereine nachlegen, aber das Beispiel Schalke zeigt, dass es nicht leicht ist, das Motto „Go East“ mit Leben zu erfüllen.