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Historische Trennung in Chinas Fußball

AFC Asia Cup

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31/08/2015
 

Fußball-Weltmeister! Das wäre doch was! Die Volksrepublik China hat sich viel vorgenommen. Aber allein der Traum vom Titel wird nicht ausreichen, um das scheinbar Unmögliche möglich zu machen. Der Fußball im bevölkerungsreichsten Land benötigt dringend Veränderungen. Jugendarbeit, Scouting, Marketing und die Zusammenarbeit zwischen Klubs und Verband müssen professionalisiert werden. Ein großer Schritt in die richtige Richtung ist dem chinesischen Fußballverband CFA jetzt gelungen. Der Verband hat sich Mitte August aus der Umklammerung des Nationalen Sportministerium gelöst. Künftig handelt der CFA eigenverantwortlich, ohne Rücksprache mit den mächtigen Bürokraten. Es ist ein historischer Austritt, der nicht nur der Entwicklung des Fußballs enorm weiter helfen kann. Er könnte sogar beispielhaft für den chinesischen Sport werden.

Szene aus dem Spiel der  U19-Juniorinnen zwischen Japan und Nordkorea bei den Asienmeisterschaft am 29. August in Nanjing. der Frauenfußball hat in China einen hohen Stellenwert. (Foto: Imago)

 

„Die Reform des Fußballs genießt hohe Priorität in der politischen Elite Chinas. Die Spieler, die Klubs und der gesamte wirtschaftliche Unterbau des Profifußballs sollen davon profitieren“, sagt der Sportjournalist Lu Ming von der Shanghai Media Group (SMG). Ohne die Unterstützung mächtiger Genossen wäre die Abspaltung aber kaum möglich gewesen. Staatspräsident Xi Jinping gilt als großer Befürworter der Reformpläne, weil er es war, der den Traum vom WM-Titel in die Welt gesetzt hat. Deswegen haben auch vor wenigen Monaten auf Anordnung des Bildungsministeriums Schulen im ganzen Land den Fußball in ihr Lehrprogramm aufgenommen.

Chinesische Kinder im Nationaltrikot trainieren in einem der vielen Schulprogramme, mit dem der Fußball in China gefördert wird. (Foto: Imago) 

 

Als entscheidender Vorteil gegenüber anderen Sportverbänden genießt Fußball künftig die Freiheit über seine Personalverwaltung. Bislang gab das Ministerium Quoten vor und stellte einen Teil des Personals aus den eigenen Reihen. „Da sind Leute dabei, die kein Interesse am Fußball haben, geschweige denn Fußball mögen“, sagt Journalist Lu. Zwar werden auch in Zukunft Vertreter der Partei dem Verband angehören. Doch der mächtige Vizepräsident Zhang Jian soll weitgehend freie Hand bei der Besetzung von Schlüsselpositionen mit Kandidaten von außerhalb des Parteiapparats genießen. Zhang gilt als smarter Manager mit einem guten Riecher für taugliche Mitarbeiter.

Alain Perrin, der französische Trainer der Männer-Nationalmannschaft Chinas, hofft, dass sein Team von der organisatorischen Trennung des Fußballverbandes von der Partei profitiert. (Foto: Imago) 

 

Chinas Fußball will mehr Außenpolitik betreiben

Ein Ansatz dürfte die Verbesserung der internationalen Beziehungen des chinesischen Fußballs sein. Seine Außenpolitik darf der CFA alleine gestalten. Eine bessere Integration des chinesischen Fußballs auf der Basis professioneller Zusammenarbeit mit anderen Verbänden oder Vereinen soll dadurch ermöglicht werden. Die bisherigen Strukturen dienten häufig der Eitelkeit von Kadern, die die große Bühne des Fußballs zur Selbstbeweihräucherung benutzten, dem Fußball effektiv aber keine Vorteile verschafften. Die Beijing Times berichtete zudem, dass in Zukunft höhere Gehälter für Verbandsmitarbeiter gezahlt werden sollen. Das soll sowohl Talente anlocken, als auch die Anfälligkeit der Angestellten für Korruption mindern.

Szene aus dem Spiel China gegen Nordkorea (2:0) am 5. August in Wuhan beim Ostasien Cup. Der Chinesische Fußball-Verband führt viele Turniere durch. (Foto: Imago)

 

Das Modell könnte Schule machen, wenn es Erfolg hat. Zumindest werden andere Sportverbände eine ähnliche Freiheit anstreben, um aus der festen Umarmung der Pekinger Zentrale hinauszukommen. Die kürzlich zurückgetretene Tennisspielerin und ehemalige French-Open-Siegerin Li Na gilt zu den großen Kritikern des chinesischen Sportsystems, weil es den Funktionären nicht um das Wohl der Athleten und des Sports ginge, sondern vornehmlich um ihre eigene Karriere innerhalb der Partei. Auch der Kapitän der chinesischen Fußball-Nationalmannschaft Zhang Lipeng hat sich in der Vergangenheit über unnütze Selbstdarstellung von Verbandsoffiziellen beschwert. Er kritisierte, dass die Mannschaft am Tag eines Qualifikationsspiels für die Asienmeisterschaft drei Stunden im Besprechungsraum verbringen musste, weil etliche Funktionäre irgendetwas zu sagen hatten, was nicht einmal unmittelbar mit dem Spiel zu tun hatte. „Kompliziert und unprofessionell“, sagte Zhang damals, seien die Bedingungen, um sich auf ein wichtiges Länderspiel einzustellen.

Doch die neue Freiheit des Verbandes hat seine Grenzen. „Die Führungsebene wird weiterhin aus Leuten bestehen, die den Segen von der Zentralregierung bekommen haben für ihren Posten“, sagt Sportexperte Lu. Auch wichtige Entscheidungen im Hinblick auf eine chinesische WM-Bewerbung werden nicht im Verband getroffen, sondern auf höchster politischer Ebene.