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Chinas Topklub unter brasilianischer Flagge

AFC Asia Cup

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30/09/2015

Luiz Felipe Scolari, Trainer von Guangzhou Evergrande, spricht mit dem Spieler Gao Lin beim Champions-League-Spiel gegen Kashiwa Reysol im September 2015. (Photo: Getty Images)

 

Shanghai. Chinas Serienmeister Guangzhou Evergrande Taobao FC nimmt auch unter brasilianischer Flagge Kurs auf Ruhm und Titel. Der kantonesische Klub steht bereits mit einem Bein im Halbfinale der asiatischen Champions League und machte einen großen Schritt in Richtung Gewinn der fünften chinesischen Meisterschaft seit 2011. Es sieht ganz so aus, als knüpfe Guangzhou mit Brasiliens früherem Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari an der Linie an die jüngste Erfolgsära des Vereins italienischer Prägung an. Das wäre keineswegs ein Selbstläufer angesichts der turbulenten Ereignisse der vergangenen zehn Monate.

Erst erklärte Weltmeistertrainer Marcello Lippi zum Saisonabschluss der nationalen Liga im November 2014 seinen überraschenden Rücktritt. Er hatte dem Verein dessen erfolgreichste Jahre beschert, gekrönt vom Gewinn der asiatischen Champions League 2013.

Dann folgte im Sommer das ebenso überraschende Aus von Lippis Nachfolger Fabio Cannavaro, der 2006 unter Lippi als Spieler Weltmeister wurde. Man trennte sich „im Guten“, hieß es, und es gab keinen Grund daran zu zweifeln. Sportlich lief es nicht schlecht, aber Cannavaro belastet eine Verurteilung zu zehn Monaten Haft in seiner Heimat wegen Steuerhinterziehung. Er will in Berufung gehen und muss deshalb die Strafe noch nicht antreten.

 

Sein Bruder dagegen sitzt wegen der Angelegenheit schon in Haft. Ob der Ärger mit der Justiz mit Cannavaros Abschied zu tun hat, blieb offiziell jedoch im Verborgenen.

Klar aber ist, dass der Klub auf diesen Tag vorbereitet war. Kaum war Cannavaros Ende öffentlich, stellte der Verein Scolari als Nachfolger vor. Die Verhandlungen liefen offenbar schon eine Weile. Chinesische Medien berichteten, dass Guangzhou in Scolari die bessere Alternative gesehen habe, um dem Spielstil der brasilianischen Stars der Mannschaft entgegenzukommen. Die italienischen Zeiten des Vereins waren endgültig Vergangenheit. Bereits kurz nach Lippis Rücktritt 2014 waren Italiens Nationalspieler Alberto Gilardino und Ex-Nationalspieler Alessandro Diamanti nach Europa zurückgekehrt. Beide verdienten viel Geld, blieben jedoch auf dem Platz hinter den großen Erwartungen zurück.

 

Guangzhou Evergrande auf Kurs zu weiterer Meisterschaft

Ende Juni vermeldete Guangzhou die Verpflichtung des brasilianischen Nationalspielers Paulinho von Tottenham Hotspur für 14 Millionen Euro. Er ist der sechste Brasilianer bei Evergrande, und der insgesamt vierte der in diesem Jahr verpflichtet wurde. Gleich bei seinem Debüt in der Champions League traf er Ende August bei Kashiwa Reysol aus Japan mit einem spektakulären Freistoß aus 30 Metern in den Winkel zum 2:0. Am Ende hieß es 3:1 für die Chinesen, die sich eine herausragende Ausgangslage für das Rückspiel an diesem Dienstag in Guangzhou verschafften. Im Rückspiel reichte Evergrande ein 1:1, um ins Halbfinale einzuziehen.

Der Brasilianer Paulinho (Nummer 8) von Guangzhou Evergrande beim 3:1-Sieg im Viertelfinale der Champions League bei Kashiwa Reysol. (Photo: Getty Images)

 

Wenn auch noch im Semifinale das japanische Topteam Gamba Osaka ausgeschaltet wird, wird die Samba-Stimmung bei den Südchinesen noch größer. Im vergangenen Jahr scheiterte die Mannschaft schon in der Runde der letzten Acht gegen den späteren Sieger aus Sydney. Scolari soll nach Möglichkeit den Triumph von 2013 wiederholen. „Es fühlt sich aufregend an, dabei zu sein in einem solch wichtigen Wettbewerb. Nach den ersten Monaten meiner Tätigkeit und dem Kennenlernen von Spielern und Klubmitarbeitern bin ich zuversichtlich, dass wir weit kommen können“, sagte Scolari.

Zur allgemeinen guten Laune trägt bei, dass Evergrande auch wieder Tabellenführer in der Chinese Super League (CLS) ist. Im Spitzenspiel beim zuvor auf Platz eins liegenden Klub SIPG Shanghai, das von dem Schweden Sven-Göran Eriksson trainiert wird, siegte Evergrande 3:0 und liegt bei noch drei ausstehenden Ligaspielen wieder zwei Punkte vor dem Herausforderer.

Giovanni Moreno von Shenhua mit Fallrückzieher beim Pokalduell der Evergrande-Rivalen aus Shanghai gegen SIPG. Shenhua siegte nach Verlängerung (3:3) und Elfmeterschießen (5:4). (Photo: Imago)

 

Das Duell zwischen SIPG und Evergrande ist auch das Duell der beiden wohl finanzstärksten Sponsoren im chinesischen Fußball. Guangzhou hat mit dem IT-Konzern Alibaba ein Unternehmen im Rücken, das nach dem erfolgreichsten Börsengang aller Zeiten im vergangenen Jahr die Kassen voller Geld hat und über den Sport international mehr Reputation gewinnen will. Hinter SIPG stehen die Betreiber des Shanghaier Containerhafens. Der Klub nahm den argentinischen Nationalspieler Dario Conca von Fluminense unter Vertrag. Conca hatte zuvor in Guangzhou gespielt, wo er die Champions League gewann und wo er dank der Millionen von Alibaba zum bestbezahlten Fußballer des Planeten hinter Cristiano Ronaldo und Lionel Messi wurde.