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Krimis, Karten und Goliaths K.o.

DFB-Pokal

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18/04/2016
 

Erinnert sich noch jemand, als ein Drittligist den Bundesligafavoriten mit 6:1 vom Platz fegte? Als 29 Tore in einer Partie fielen? Oder der Schiedsrichter neun Karten verteilen musste, darunter 4 rote? ContiSoccerWorld blickt zurück auf die verrücktesten Rekorde der DFB-Pokal-Geschichte.

Rekord-Paarung: Man sieht sich…

Bayern gegen Bremen – keine Finalpaarung gab es im DFB-Pokal häufiger. Insgesamt drei Mal (1999, 2000, 2010) standen sich die Traditionsklubs im Berliner Olympiastadium gegenüber. Das legendärste Duell lieferten sich die Bundesligisten im Finale 1999. Nur zwei Wochen nach der Schmach von Barcelona im Champions-League-Endspiel gegen Manchester United musste der frisch gebackene Deutsche Meister FC Bayern München eine weitere herbe Niederlage einstecken. Nachdem die Zuschauer nach 120 Minuten nur ein Tor pro Mannschaft zu sehen bekamen, ging es ins Elfmeterschießen, in dem Werder-Keeper Frank Rost zum Pokalhelden avancierte. Zunächst verwandelte er selbst zur 6:5 Führung, dann parierte der den Schuss von Lothar Matthäus. Die Sensation war perfekt. Auch der damalige Bremer Trainer Thomas Schaaf bekam einen Eintrag in den Geschichtsbüchern: Vier Wochen zuvor löste er Felix Magath auf dem Trainerposten ab und ist bis heute einer von vier Trainern, die nach nur einem Spiel den Pokal in die Höhe stemmen durften.

Pokalsensation 1995: der SV Sandhausen mit Abwehrspieler Thorsten Ehmann besiegt den VfB Stuttgart im Elfmeterschießen. Foto: dpa/Sportreport

 

Das Spiel der 29 Tore

DFB-Pokal, das bedeutet Nervenkitzel. Vor allem, wenn nach 120 Minuten kein Sieger ermittelt werden kann und es ins Elfmeterschießen geht. Spannung und Drama sind garantiert. Einen filmreifen Schlagabtausch vom Punkt lieferten sich der VfB Stuttgart und der damalige Drittligist SV Sandhausen in der ersten Runde 1995. 2:2 hieß es nach 120 packenden Minuten, in denen es dem favorisierten Erstligisten um das „Magische Dreieck“ Balakov, Bobic und Elber nicht gelang, den entscheidenden Punch zu erzielen. Was dann folgte, ging mit 29 Treffern nicht nur als torreichstes Spiel in die Geschichte ein, sondern auch als das längste Elfmeterschießen. Die Entscheidung fiel erst mit dem 26. Schuss: Der Stuttgarter Hendrik Herzog bugsierte den Ball an den Pfosten und Sandhausen gewann mit 15:14.

 

High Five

Es war der 1. Juli 1972, als Schalke 04 den 1. FC Kaiserslautern mit 5:0 aus dem damaligen Final-Stadion in Hannover fegte. Nie zuvor wurde ein DFB-Pokalfinale höher gewonnen. Allerdings durften sich die Schalker glücklich schätzen, wären sie doch eigentlich in der ersten Runde gegen Hertha BSC ausgeschieden. Nach Hin- und Rückspiel stand es 4:3 für die Berliner, die jedoch den nicht spielberechtigten Zoltan Varga eingesetzt hatten. Nachträglich wurde das Rückspiel mit 2:0 für die Königsblauen gewertet und somit der Weg ins Finale geebnet. 39 Jahre lang hatte die Bestmarke bestand – wurde erst im Pokalfinale 2011 egalisiert. Auch hier kassierte der unterlegene Zweitligist aus Duisburg eine 5:0-Klatsche. Von wem? natürlich Schalke 04. Kurios: Kurz zuvor wurde abermals Felix Magath als Trainer entlassen und durch Ralf Rangnick ersetzt. Auch er gewann mit seinem ersten DFB-Pokal-Spiel im neuen Verein auf Anhieb den Pott.

Fünf Tore im Finale: Schalke 04 wiederholte im Pokalfinale 2011 seinen alten Rekord von 1972. Kapitän Manuel Neuer, noch nicht bei Bayern, jubelt. Foto: dpa

 

Einer – und sonst keiner

Wer, wenn nicht er: Wenn es um Tor-Statistiken geht, kommt kaum einer an den „Bomber der Nation“ heran, an Gerd Müller. In 62 Pokal-Partien erzielte der Stürmer des FC Bayern München 78 Tore. Das sind 30 mehr als der Zweitplatzierte Dieter Müller und entspricht einer Torquote von 1,26 Toren pro Spiel. 13 Buden machte Gerd Müller vom Elfmeterpunkt und somit ist er auch in dieser Statistik einsame Spitze. Drei Mal wurde er mit seinen Treffern Torschützenkönig einer DFB-Pokal-Saison. Die meisten Tore in einer Saison erzielte er allerdings nicht. Diese Bestmarke dürfen Ernst Willimowski (TSV 1860 München; Saison 1942) und Dieter Müller (1. FC Köln; Saison 1976/1977) für sich beanspruchen, welche beide 14 Tore in einer Pokal-Spielzeit erzielen konnten.

David groß, Goliath klein

Der DFB-Pokal ist vor allem für die unterklassigen Mannschaften eine Chance. Gerade wenn es für diese gegen Bundesligisten geht, ist von „David-gegen-Goliath“-Spielen die Rede. Eines der legendärsten dieser Duelle lieferten sich Eintracht Frankfurt und der VfB Stuttgart. Klingt zunächst nach Bundesliga, nicht aber, wenn es die Stuttgarter Amateure sind, die dem Bundesligisten die Stirn bieten. Am 26. August 2000 sorgte die zweite Mannschaft der Schwaben, daheim in der drittklassiger Regionalliga Süd, in der erster Pokalrunde vor nur 1700 Zuschauern im gähnend leeren Gottlieb-Daimler-Stadion für eine Riesen-Sensation. 6:1 war auf der Anzeigetafel nach 90 Minuten zu lesen. Eintracht Frankfurt hatte keine Chance. „Unterschiede gab es nur zwischen Ausfällen und Totalausfällen“ schrieb das Sportmagazin „Kicker“ in der Spielanalyse. Bis heute ist es die höchste Niederlage eines Bundesligisten gegen eine Amateurmannschaft. Historisch ist auch die Notenvergabe im "Kicker", der 6 Mal die Note 6 und vier Mal die Note 5,5 verteilt.

Finale Köln gegen Köln

Stadtderbys gibt es so einige im deutschen Fußball. St. Pauli gegen den HSV, 1860 München gegen den FC Bayern oder Union Berlin gegen Hertha BSC – wenn diese Paarungen in einem Pflichtspiel anstehen, dann herrscht meist Ausnahmezustand in der Stadt. Gibt es ein Derby im Pokalfinale, dann geht’s richtig zur Sache. In der DFB-Pokal-Geschichte gab es bisher erst ein Derby: 1. FC Köln gegen Fortuna Köln, Bundesligist gegen Zweitligist. Der Finaltag 1983 war ein Kölner Tag – gespielt wurde zudem im Müngersdorfer Stadion in Köln. Es gewann der FC durch einen Treffer von Pierre Littbarski. Doch das Ergebnis war Nebensache. Die 61.000 Zuschauer feierten zusammen, denn so oder so: Der Pott blieb in Köln.

Ticket zum Kölner Glück: 1. FC Köln gegen Fortuna Köln im DFB-Finale in Köln. Sieger: Köln. Foto: Petruz

 

Dynamische Aufholjagd

„Wir waren das Kaninchen vor der Schlange“, befand Dynamo Dresdens Keeper Dennis Eilhoff, angesprochen auf den 0:3-Rückstand zur Halbzeit gegen Bayer Leverkusen. In der ersten Runde des Pokalwettbewerbs 2011/2012 sah es 45 Minuten lang so aus, als würde Leverkusen seiner Favoritenrolle gerecht. Doch es kam anders: Bei strömendem Regen entwickelte sich ein Pokal-Fight nach Maß. Innerhalb von zwei Minuten (68. und 70.) kämpfte sich der Außenseiter wieder heran. In der 86. Minute dann die Erlösung. Aus kurzer Distanz staubte Robert Koch den Ball ins Tor ab und rettete sein Team in die Verlängerung. Bayer dominierte über weite Strecken die Partie, fand aber nicht mehr zum Abschluss. Nach einem Konter machte Dresdens Schnetzler mit seinem Lupfer die Sensation perfekt. Dresden gewann 4:3 und konnte somit die höchste Aufholjagd eines unterklassigen Teams gegen einen Bundesligisten für sich verbuchen.

„Hertha-Bubis“ ganz wie Profis

1993 erreichte zum ersten und einzigen Mal eine Amateurmannschaft das DFB-Pokalfinale. Es war die zweite Mannschaft von Hertha BSC Berlin, die als „Hertha-Bubis“ (alle Spieler waren zwischen 18 und 23 Jahre alt) deutschlandweit Berühmtheit erlangte. Nacheinander kickten sie den SGK Heidelberg (3:0), VfB Leipzig (4:2), Hannover 96 (4:3), den 1. FC Nürnberg (2:1) und den Chemnitzer FC (2:1) in bisweilen spektakulären Pokal-Schlachten aus dem Wettbewerb. Spielten sie der ersten Runde noch vor 487 Zuschauern, wurde das Team aus der Oberliga Nordost im Halbfinal-Heimspiel von 56.000 Fans angefeuert. Zum Finale kamen 76.391 Zuschauer, die Zeugen wurden, wie das Team lange dagegen halten konnte, ehe Ulf Kirsten in der 77. Minute den 1:0-Sieg für Leverkusen besiegelte. Den Pokal konnten die Berliner zwar nicht mit nach Hause nehmen, dafür aber die Sympathien der Fußballfans aus ganz Deutschland.

Heimspiel – anders als gedacht: Die Amateure von Hertha BSC standen am 12. Juni 1993 im Endspiel, das 0:1 gegen Leverkusen verloren ging. Foto: picture alliance / Sven Simon

 

Die Kartenschlacht vom Bruchweg

Zur Kategorie „legendärer Pokal-Fight“ zählt auch die Partie SV Wehen Wiesbaden gegen den VfB Stuttgart in der ersten Runde der Saison 2007/2008. Der amtierende deutsche Meister entschied die Begegnung am Bruchwegstadion für sich und gewann durch zwei verwandelte Elfmeter von Roberto Hilbert mit 2:1. Vom Ergebnis redete hinterher keiner mehr. In den Statistiken wird das Spiel als das unfairste der Pokalgeschichte gelistet. Schiedsrichter Felix Brych zeigte insgesamt neun Karten: fünf Gelbe, eine Gelb-Rote und drei Rote. Mehr Karten gab’s bislang nie wieder.

Der ewige Elfmeterkiller

Uwe Kamps, der als Torwart in seiner aktiven Zeit 457 Spiele für Borussia Mönchengladbach bestritt, erwischte im Halbfinale 1992 gegen Bayer Leverkusen einen Sahne-Tag. Es war ein Pokal-Spiel der Extraklasse. Nach der regulären Spielzeit und den Toren von Ulf Kirsten (51.) und Thomas Kastenmaier (60.) stand es 1:1 und es gab eine Verlängerung, die es in sich hatte: Hans-Jörg Criens (95.) traf zur Gladbacher Führung, die Zeichen standen auf Sieg. Doch Andreas Thom (119.) machte den „Fohlen“ in letzter Minute einen Strich durch die Rechnung. Elfmeterschießen also. Sekt oder Selters. Uwe Kamps entschied sich für ersteres und hielt die ersten vier Elfmeter. Martin Max und Holger Fach verwandelten und die Borussia zog mit einem 4:2-Sieg ins Finale ein. Der Held vom Bökelberg sicherte sich als Elfmeter-Killer einen bis heute ungebrochenen Rekord.