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Hannover 96 völlig außer Tritt

H96

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27/11/2013
 

Die Saison 2013/14 hatte so vielsprechend begonnen, Hannover 96 startete mit der besten Bilanz seiner Klubgeschichte in die Bundesliga. Doch nach Spieltag 13 steht fest: Die Niedersachsen sind völlig außer Tritt geraten. Am 7. Spieltag stand die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka noch auf Platz vier, der zum Saisonende mit der Teilnahme an den Playoff-Spielen zur Champions League belohnt wird. Trotz der 0:2-Niederlage bei Bayer Leverkusen belegten "die Roten" Ende September in der vierten Woche hintereinander diesen Spitzenplatz. Doch dann folgte die Talfahrt. Mit dem 1:3 im Nordderby beim Hamburger SV am 24. November ist Hannover 96 seit sieben Spielen sieglos und abgefallen auf Platz 13 - mit nur drei Punkten Vorsprung auf den 16. Rang, der mit dem Sturz in die zweite Liga verbunden sein kann.

Hannover-Braunschweig 0:0: Stindl (96), Kumbela, Theuerkauf (verdeckt/beide EB), Pocognoli, Andreasen, Diouf, Hoffmann (alle 96), Bicakcic, Kruppke (beide EB). (Foto: Firo/Augenklick)

 

"Es macht keinen Sinn zu diskutieren. Die Mannschaft befindet sich in einer Krise", sagte Präsident Martin Kind bereits vor dem Duell des hanseatischen HSV gegen den niedersächsischen HSV. Die schwarze Serie verlängerte sich weiter: Hannover bezog seit Anfang Oktober fünf Niederlagen, spielte zu Hause zweimal Unentschieden, darunter das 0:0 im Derby gegen Aufsteiger Eintracht Braunschweig. Außerhalb des eigenen Stadions ist das Team das schlechteste der Liga: sechs Spiele, sechs Niederlagen, 3:14 Tore bedeuten Rang 18 in der Auswärtstabelle.

 

"Wir befinden uns in der Kampfzone"

In der Länderspielpause im November hatte sich die Situatione etwas beruhigt, ein Neubeginn war geplant. Doch in Hamburg verlief die Partie fast genauso wie die letzten bei Borussia Dortmund (0:1) und Werder Bremen (2:3). Die "Sechsundneunziger" enttäuschten nicht komplett, sie waren lange gleichwertig mit den Hamburgern, aber die Offensive funktioniert einfach nicht mehr so gut wie in letzten Spieljahren. Nur 15 erzielte Tore in 13 Spielen sind der Beleg für diese lange in Hannover unbekannte Schwäche.

"Das sind ganz bittere Zahlen", sagte Slomka in Hamburg zu den schwarzen Zwischenbilanzen. "Wir befinden uns in einer Kampfzone der Bundesliga. Wir müssen die Ärmel hochkrempeln." Kampfzone bedeutet in diesem Fall: Der Abstiegskampf rückt näher. Die Spieler übten Selbstkritik, Manager Dirk Dufner warnte: "Die Situation ist ausgesprochen ernst. Wir bewegen uns in Tabellenregionen, wo wir niemals hinwollten." Präsident Kind stellte fest: "Das ist die schwierigste Situation für Mirko Slomka bislang." Das sei aber keineswegs so zu verstehen, dass Slomka unter Druck gesetzt würde, fügte Kind hinzu. Aber die fragwürdigen Automatismen des Fußball-Geschäfts hatten zu diesem Zeitpunkt schon eingesetzt.

Trainer Mirko Slomka (links) und Manager Dirk Dufner blicken skeptisch auf das Spielfeld. Hannover 96 verliert beim Hamburger SV mit 1:3. (Foto: Firo/Augenklick)

 

Nach dem Spiel wurden neben Kind auch Dufner und die Spieler mit der Frage nach dem Trainer konfrontiert. "Mirko Salomka hat viele Jahre hier sehr gute Arbeit geleistet", betonte Dufner. Auf die Frage beim TV-Sender "Sky", ob er davon ausgehe, dass Slomka beim nächsten Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt (1. Dezember) noch auf der Bank sitze, sagte der Manager: "Das weiß ich sogar. Definitiv ja. Wir sind gemeinsam in die Situation reingekommen und wollen gemeinsam wieder aus der Situation wieder herausgekommen. Dementsprechend gibt es da keine Diskussion."

 

"Einstellung, Leidenschaft, Kampfbereitschaft verbessern"

Slomka nahm die Rückendeckung zur Kenntnis: "Das Bekenntnis ist wichtig und ist auch gut gegenüber uns allen. Es zeigt, dass wir uns gegenseitig vertrauen. Aber uns fehlen die Punkte." Leon Andreasen, wichtiger Leistungsträger der Mannschaft, erklärte: "Es liegt definitiv nicht am Trainer, sondern an der Mannschaft, an unserer Einstellung, Leidenschaft, Kampfbereitschaft. Es muss besser werden." Das Ziel der Qualifikation für den Europapokal hatte Kind vor der Hamburg-Niederlage noch nicht abgeschrieben. "Aber nicht mit diesen Leistungen", hatte der Klubchef gesagt und mit dem Festhalten am Ziel eines internationalen Wettbewerbs klar unterstrichen, dass er es der Mannschaft zutraut, sich aus dem Sumpf zu befreien.

Hannover 96 sollte das Format besitzen, die Krise zu meistern. Das Restprogramm bis zum Hinrunden-Abschluss ist mit den Heimspielen gegen Frankfurt und Nürnberg sowie den Auswärtspartien in Stuttgart und Freiburg muss kein Zittern auslösen. Der Abfall in der Tabelle um neun Plätze binnen sieben Wochen ist entscheidend auch auf das große Verletzungspech zurückzuführen. In Hamburg verletzten sich auch noch Kapitän Lars Stindl (Muskelfaserriss in der Wade) und Christian Schulz (Platzwunde am Kopf), die beiden komplettierten eine lange Reihe von Ausfällen in den Wochen zuvor.

Aber es gab Ereignisse, bei denen nicht ohne eigenes Verschulden vieles schief lief. Beim 1:4 gegen Hoffenheim, der ersten Heimniederlage der Saison, sah Mame Diouf nach zwölf Minuten die gelb-rote Karte - ein trauriger Rekord, weil noch nie eine Ampelkarte früher in der Bundesliga gezogen wurde. Später sah noch Marcelo die rote Karte (64.). Mit neun Spielern lässt sich eine Partie kaum gewinnen. In Hamburg wurde Salif Sane des Feldes verwiesen Platz, allerdings erst kurz vor Schluss, als der Sieg des HSV schon feststand. Eine Sperre gegen Frankfurt wird die Sache aber nach sich ziehen. "Die Undiszipliniertheiten machen unsere schwierige Situation immer ausgeprägter", klagte Dufner.

Für dieses Foul am Hamburger Heiko Westermann (links) erhält Hannovers Verteidiger Salif Sane die gelb-rote Karte. (Foto: Firo/Augenklick)

 

Teamgeist hat gelitten, Leichtigkeit ist weg

Die Hannoveraner Medien zählten noch andere Schwächen auf. Der Teamgeist habe durch den personellen Umbruch im Kader gelitten, der Zusammenhalt wäre nicht mehr so gut. Wichtige Spieler würden auf dem Platz fehlen, wie Kapitän Steven Cherundolo, der um sein Comeback kämpft. Sergio Pinto, ein Führungsspieler, wechselte nach Spanien. Szabolcs Huszti und Jan Schlaudraff gehörten zu den Spielern wie auch wie Manuel Schmiedebach, die ihre beste Form verloren hätten. Die jungen Spielern wie Leo Bittencourt und Andre Hoffmann wären noch nicht so weit, in einer Krise nachhaltig positive Impulse zu setzen. Insgesamt wäre die Leichtigkeit abhanden gekommen, urteilten "Hannoversche Neue Presse" und "Hannoversche Allgemeine Zeitung" übereinstimmend. 

An den Fans liegt die Krise von Hannover 96 sicher nicht. Diese großartige Choreographie bot der Anhang der "Roten" vor dem Derby gegen Braunschweig. (Foto: Firo/Augenklick)

 

Einige Spieler erlebten auch noch mit ihren anderen Mannschaften Rückschläge.Sane und Diouf scheiterten mit dem Senegal in den Playoff-Duellen Afrikas an der Elfenbeinküste. Ron-Robert Zieler bekam keine Einladung mehr zur deutschen Nationalmannschaft, weil der Dortmunder Roman Weidenfeller neben Manuel neuer und Rene Adler berufen wurde und gegen England auch debütieren wollte. Andreasen verspielte mit Dänemark ganz knapp schon im Oktober das WM-Ticket. Nun können sich alle auf Hannover 96 konzentrieren. Trotz der Probleme bleiben alle im Verein optimistisch. Die Hoffnung, das Boot wieder in die richtige Richtung zu bringen, ist ungebrochen. Zum sechsten Platz beträgt der Abstand nur sieben Punkte.