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Ruhestand für Kapitän Cherundolo: "Ein Schock"

H96

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28/03/2014

Da war die Welt noch in Ordnung: Steven Cherundolo hoffte im Januar 2014 im Trainingslager in Belek (Türkei) auf sein Comeback bei Hannover 96. (Foto: GES/Augenklick)

Die Nachricht schlug weltweit ein, weil sie unerwartet kam und eine großartige Karriere beendete: Steven Cherundolo trat am 19. März 2014 auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz vor die Medien und erklärte seinen Rücktritt vom Leistungssport. Hannover 96 verlor damit einen seiner populärsten und sympathischsten Spieler, der mit dem Einsatzrekord von 302 Bundesligaspielen auch einer der erfolgreichsten 96-Profis in der 118-jährigen Klubgeschichte ist. "Ich möchte heute einfach meine Karriere beenden. Aus verschiedenen Gründen. Hauptgrund ist meine Gesundheit. Leider macht mein Knie nach mehreren Unfällen in letzten 15 Monaten nicht mehr mit", sagte Cherundolo. Der 35-Jährige war den Tränen nahe, als er einen Schlussstrich unter seine 15-jährige Karriere beim Bundesligisten Hannover 96 zog.

Aber er und der ihn begleitende Präsident Martin Kind hatten auch eine gute Nachricht mitgebracht. "Ich habe mit dem Verein, dem Präsidenten und dem Manager eine Superlösung gefunden", erklärte Cherundolo. "Stevie hat einen Schnitt vollzogen. Er wird nun Co-Trainer der U23 von Hannover 96. Er wird sehr schnell den Trainerschein machen. Er hat klare Vorstellungen für seine Zukunft, und wir werden diese Planungen unterstützen", sagte Kind. Die Meldung schlug auch in den USA ein, wo Cherundolo eine wichtige Planungsgröße für die FIFA Weltmeisterschaft 2014™ war, nicht nur wegen seiner speziellen Kenntnisse über Deutschland, einem der Gruppengegner der USA. Die renommierte Sportzeitschrift "Sports Illustrated" kommentierte den Rücktritt mit größtem Bedauern. "Das erste, wenn wir an Stevie denken, ist die Tatsache, dass er ein so guter Kerl ist. Er war immer, wenn er bei unserem US-Nationalteam war, unbeschwert und witzig. Er tat der Atmosphäre und der gesamten Chemie im Team sehr gut. Dass er in den Ruhestand tritt, ist tatsächlich ein Schock", schrieb der Kolumnist Avi Creditor.

Steven Cherundolo mit 23 Jahren. Am 14. September 2002 gewann Hannover 96 mit 3:1 bei Bayer Leverkusen. (Foto: Firo/Augenklick)

"Der treueste Ausländer der Bundesliga verlässt die Fußball-Bühne. Rechtsverteidiger Steven Cherundolo von Hannover 96 hat nach 15 Jahren einen Schlussstrich gezogen." So lautete die Headline der Story, die die Deutsche Presse-Agentur (dpa) verbreitete und von ihren internationalen Partner-Agenturen in viele Sprachen übersetzt wurde. "Mit einem lockeren Kick auf dem Trainingsplatz, bei dem er zum Abschluss seinem ungarischen Kollegen Szabolcs Huszti einen Beinschuss verpasste, hat er sich verabschiedet", hieß es in dem Beitrag. Cherundolo hat 68 Zweitligapartien und 302 Erstligaspiele (sechs Tore) unter elf Trainern für die "Roten" absolviert. Seit einigen Jahren war der Außenverteidiger Kapitän des 96-Teams.

"Stevie", so sein Spitzname, wird so schnell wie möglich die B-Trainerlizenz des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erwerben und Assistent von Sören Osterland im U23-Team der Hannoveraner werden. "Vielleicht wird er uns als Bundesligatrainer wieder über den Weg laufen", vermutete Kind. Dafür wird Cherundolo auch noch die Lizenzen als A-Trainer und als Fußballlehrer bestehen müssen, was mit seinem Fachwissen und fußballerischen Fähigkeiten kein Problem sein wird.

 

Präsident Kind: "Toller Mensch, toller Spieler, toller Profi."

Auch der Norddeutsche Rundfunk (NDR) beschäftigte sich mit dem abruptem Abschied des US-Amerikaners und erinnerte an die Anfänge. "Im Januar 1999 erschien auf dem Trainingsgelände des damaligen Zweitligisten Hannover 96 ein eher schüchtern wirkender amerikanischer Student. Der knapp 20 Jahre alte Steven Cherundolo war von den Niedersachsen für 250.000 D-Mark vom Universitätsteam aus Portland (USA) verpflichtet worden." Schon lange ist Steven Emil Cherundolo, geboren in Rockford im US-Bundesstaat Illinois, aufgewachsen in Kalifornien, in der niedersächsischen Hauptstadt sesshaft geworden. "Er wird immer Amerikaner bleiben, aber er ist auch Hannoveraner geworden", sagte Kind. Cherundolo ist mit der Hannoveranerin Mandy verheiratet und ließ sich in Großburgwedel ein schönes Haus bauen.

Am 20. April 2013 gegen Bayern München mit David Alaba (vorne) stellte Steven Cherundolo (rechts) den Rekord von Bundesliga-Einsätzen bei Hannover 96 ein. (Foto: Firo/Augenklick)

Viele Jahre war Steven Cherundolo (rechts) eine feste Größe in der US-Nationalmannschaft, wie am 22. März 2002 gegen Deutschland mit Michael Ballack. (Foto: Kunz/Augenklick)

 

Zuletzt hatte Cherundolo, der italienische Vorfahren hat, am 20. April 2013 Schlagzeilen produziert. Mit dem Einsatz im AWD-Stadion gegen Bayern München (1:6) zog Cherundolo mit 298 Erstliga-Einsätzen mit dem zuvor alleinigen Rekordhalter Jürgen Bandura (1964-1974) gleich. Danach folgten nur noch vier Einsätze für den Amerikaner, wegen der anhaltenden Knieprobleme waren es in der Saison 2013/14 nur noch zwei. Gegen Frankfurt am 1. Dezember (2:1) kam der Abwehrspieler in der 90. Minute zu einer Einwechslung. Der Schlussakkord  erfolgte dann am 21. Dezember in Freiburg (1:2) mit einer Startelf-Berufung bis zur 82. Minute. Beim letzten Spiel von Mirko Slomka in der Verantwortung bei Hannover bekam Cherundolo also noch einmal das Vertrauen des langjährigen 96-Coachs.

Aber seine vierte WM-Teilnahme nach 2002, 2006 und 2010 wird er nun verpassen. "Zum Glück war ich dreimal dabei, deswegen tut es nicht so weh", sagte Cherundolo, der insgesamt 87 Länderspiele für das aktuell von Jürgen Klinsmann betreute US-Team bestritten hat. Klinsmann hatte noch gehofft, dass er wieder fit wird, denn auf die Erfahrung des rechten Verteidigers wollte er nicht verzichten. Den US-Nationalcoach hatte Cherundolo deswegen noch vor dem Pressekonferenz über seinen Rücktritt informiert. Die Knieprobleme, wegen denen er sich bereits drei Operationen unterziehen musste, stoppten den Musterprofi.

 

"Ich spüre sehr viel Dankbarkeit dem Verein gegenüber, den Fans und den Mitspielern, die mich in den vielen Jahre unterstützt haben", sagte Cherundolo, der ein Teil von Hannover 96 geworden ist. "Ich hatte das Glück, gleich am Anfang meiner Profi-Karriere den Verein zu finden, der perfekt für mich war. Deswegen musste und wollte ich nie wechseln", sagte der Ex-Kapitän, der mit Hannover Höhen und Tiefen durchlebte. "Wir sind stolz, dass wir seit zwölf Jahren ununterbrochen der Bundesliga angehören und zweimal in der Europa League spielen durften. Stevie war immer dabei, er hat seine Vorbildfunktion stets erfüllt", würdigte Kind die Verdienste des Amerikaners. "Er ist ein Sympathieträger für Hannover 96. Wir könnten ihn auch als Markenbotschafter einsetzen. Er würde die Marke Hannover 96 immer positiv darstellen", sagte der Präsident und sprach einen Satz aus, mit dem ein Beitrag zum Abtritt des populären Steven Cherundolo von der Bundesliga-Bühne ideal abgeschlossen werden kann: "Er ist ein toller Mensch, ein toller Spieler, ein toller Profi."