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10 Momente mit 96

H96

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22/04/2014
 

Die Meisterschaft gegen die "Walter-Elf", der versuchte Transfer von Pelé, auch der Tod des Torwarts Robert Enke – in der Geschichte von Hannover 96 gibt es viele bedeutsame und bewegende Momente. Einige sind amüsant und zum Lachen, andere tragisch und ernst. ContiSoccerWorld erinnert an zehn wichtige Kapitel in der Geschichte des Vereins.

Der "Hannoverscher Sport-Verein von 1896" im Jahr 1913. Im Hintergrund: Auch Continental war schon dabei… Foto: aus dem Buch "Die Roten" / Verlag Die Werkstatt

 

Am Anfang war das Ei

Ein Ball als Spielgerät? Das war in Hannover lange Zeit undenkbar! Und nicht nur dort: In ganz Deutschland, dem Land der Turner, war es verpönt, einem Ball hinterherzulaufen. Obendrein dominierte bei den Klubs anfangs das Rugby-Ei. Auch Hannover 96 hat seine Wurzeln im Rugby: Der Klub wurde zwar als "Hannoversche Fußball-Club von 1896“ gegründet, gespielt wurde jedoch mit einem Leder-Ei. Der Siegeszug des “Association football“ aber war nicht aufzuhalten – immer mehr deutsche Vereine spielten Fußball mit rundem Spielgerät nach Vorbild der britischen „Football Association“, dem Regelwerk des englischen Fußballverbands. Übrigens leitet sich der amerikanische Begriff „soccer“ vom Insel-englischen Wort für Verband, „Association“, ab. Beim Fußballverein Hannover wurde das Ei 1901 endgültig zum Ball: Mit 14:3 Stimmen stimmte die Vereinsführung für die Festlegung auf das Rund. 1913 wurde der Klub nach einer Fusion mit dem "Ballspielverein Hannovera von 1898" in "Hannoverscher Sport-Verein von 1896" umbenannt.


Wunder von Bern? Wunder von Hamburg!

„Rahn müsste schießen, Rahn schießt...“ Mit nichts wird das Jahr 1954 in Deutschland mehr verknüpft als mit dem Sieg der Fußball-Nationalmannschaft im WM-Finale gegen Ungarn. In Hannover sieht man das etwas differenzierter: Eine Riesen-Sensation gelang auch der 96ern, und zwar bereits vor der WM. Das seinerzeit eher namenlose Team um Spieler wie Heinz Bothe und Rolf Paetz kämpfte sich unter Trainer Helmut „Fiffi“ Kronsbein ins Finale der Deutschen Meisterschaft – und gewann. Vor 80.000 Zuschauern im Hamburger Volksparkstadion galten die Niedersachsen als krasser Außenseiter gegen das Star-Ensemble vom 1. FC Kaiserslautern. Doch die „Walter-Elf“ mit fünf Nationalspielern, darunter Fritz Walter und Horst Eckel, wurde vom offensiven Auftreten der 96er kalt erwischt: Mit 5:1 spielten die Hannoveraner den FCK an die Wand und sicherten sich die zweite Meisterschaft nach 1938. 200.000 Fans empfingen ihre Mannschaft tags darauf am Bahnhof in Hannover. Als Prämie für den Finaleinzug gab es übrigens ein „Abendessen nach Wahl“ in einem Restaurant auf dem Rückweg vom Trainingsplatz.

Die 96-Fans im Volksparkstadion zu Hamburg wussten schon vor dem Finale, wer gewinnen würde. Foto: aus dem Buch "Die Roten" / Verlag Die Werkstatt

 

Pelé an die Leine? 

„Hannover verpflichtet Neymar“. Das wäre eine Titelzeile – Präsident Martin Kind würde vermutlich selbst in Ultra-Fan-Augen fortan ein Heiliger gelten. Doch was absurd hoch zehn klingt, 1964 wäre es fast zur Schlagzeile "Hannover verpflichtet Pelé" gekommen. Der beste Fußballer der Planeten sollte von seinem Stammclub FC Santos an die Leine wechseln: Eismaschinen-Verkäufer Hans-David Ziegra, Verwaltungsrat bei Hannover, verhandelte tatsächlich mit dem seinerzeit zweimaligen Weltmeister. Finanziell wäre der Transfer wohl machbar gewesen: Das Gehalt von Stars wie Jupp Heynckes, der 1967 zu Hannover wechselte, betrug angeblich das Zehnfache gegenüber Pelés Salär beim FC Santos. Jedoch verbot die brasilianische Regierung den Wechsel von Fußballern ins Ausland – beziehungsweise insbesondere des Fußballers und offiziellen "Nationalheiligtums" Pelé. Erst 1975 durfte er zum Karriereende hin wechseln. Nicht an die Leine, an den Hudson River zu New York Cosmos.

Berlin sieht Rot – Rekord!

Die Spielzeit 1991/92 bescherte drei Neuigkeiten: Im Zuge der Wiedervereinigung spielten nun auch die Ost-Vereine um Meisterschaft und Pokal mit. Die Gelb-Rote Karte wurde eingeführt. Und ein Zweitligist errang den DFB-Pokalsieg. Hannover 96 gelang damit ein bis heute gültiger Rekord, die "Roten" sind der einzige Nicht-Erstligist, der den Pokal holte. Über Dortmund und den Karlsruher SC (mit Oliver Kahn im Tor) kamen die 96er ins Halbfinale. Hier besiegte man den amtierenden Pokalsieger Werder Bremen im Elfmeterschießen. Und auch im Finale gegen Mönchengladbach musste das Elfmeterschießen die Entscheidung bringen. Um 20:37 Uhr schoss Hannovers Innenverteidiger Michael Schjönberg den letzten Elfer präzise ins linke Eck – die Sensation war perfekt, Zweitligist Hannover 96 wurde der erste gesamtdeutsche Pokalsieger. Der Triumph gelang übrigens am 23. Mai – genau dem Datum, an dem Hannover 1954 Deutscher Meister wurde.

Party im Keller

100 Jahre Hannover 96 – und dann das. Ausgerechnet zum Jubeljubiläum stürzte der Verein 1996 aus der zweiten Liga in die Drittklassigkeit. Die Saison 1995/1996 war überhaupt ein Jahr zum Vergessen. Zwar gab sich Trainer Egon Coordes in der Saisonvorbereitung nach zwei nur knappen Niederlagen gegen Bayern München und Werder Bremen noch optimistisch. Doch in der Liga folgten viele sehr ernüchternde Niederlagen. Teile der Mannschaft stellten sich gegen den Trainer, der im März 1996 entlassen wurde. Sein Nachfolger Jürgen Stoffregen konnte das Ruder nicht mehr herumreißen. Am Ende bedeuteten 37 Punkte – erstmals wurde nach der Drei-Punkte-Regel gespielt – Platz Sechzehn und den Abstieg in die Drittklassigkeit. Ausgerechnet zum 100. Geburtstag erlebte 96 den Tiefpunkt der Vereinsgeschichte.

Jörg "Colt" Sievers galt als Elfmeterkiller. Heute ist er Torwarttrainer bei Hannover 96. Foto: Hannover 96

Ein „Colt“ für alle Fälle

Nach dem Abstieg wurde die Drittligasaison 1996/97 zwar souverän als Erster beendet, mit 83 Punkten und 105 geschossenen Toren. Doch der Aufstieg wurde durch die Niederlage in den Relegationsspielen gegen Cottbus (0:0 und 1:3) verpasst. Zwei prominente Gesichter verstärkten die 96er darauf in der Saison 97/98 für den erneuten Aufstiegskampf: Hörgeräte-Unternehmer Martin Kind übernahm als Präsident den Vereinsvorsitz, zudem bereicherte ein gewisser Gerald Asamoah, späterer Schalker Knappe und Nationalspieler, das Angriffsspiel der „Roten“. Unfassbare 120 Tore standen am Ende der Saison zu Buche, als Erster ging es abermals in die Relegation.

Das Hinspiel verlor Hannover mit 0:2 bei Tennis Borussia Berlin. Im Rückspiel vor heimischer Kulisse hieß es nach 2:0 und Ablauf der Spielzeit: Elfmeterschießen. Alle Augen richteten sich auf Torwart Jörg „Colt“ Sievers – der Spitzname erinnerte an die Achtziger-Jahre-TV-Serie "Ein Colt für alle Fälle", in der Fast-Namensvetter Colt Seavers, gespielt von Lee Majors, als Kautionsjäger und Stuntman für Ordnung sorgte. Der Hannoveraner "Colt" Sievers – heute Torwarttrainer bei den "Roten" – war seit dem Pokaltriumph 1992 als „Elfmeterkiller“ bekannt. An diesem Relegations-Abend im Mai 1998 wehrte Sievers erneut zwei Elfer ab. Hannover war zurück im Profifußball.

 

"Nie mehr zweite Liga, nie mehr, nie mehr…"

Nach Jahren solidem Zweitligafußballs wurden für die Spielzeit 2001/02 die Weichen in Richtung erste Liga gestellt: Ralf Rangnick als Trainer und Mirko Slomka als Assistent verordneten ihrem Team ein modernes Spielsystem. Und: Sie verfügten mit Jan Simak über einen genialen Regisseur in der Offensive. Nach einem 6:0 gegen den FC Schweinfurt 05 konnte 96 bereits fünf Tage vor Saisonende den Aufstieg ins Liga-Oberhaus feiern. Mit 75 Punkten stellten die „Roten“ einen neuen Rekord für den Zweitligameister auf. „Nie mehr zweite Liga, nie mehr, nie mehr“ schallte es durchs Niedersachsenstadion. Ob der beliebte Song für Hannover Gültigkeit behält, wird sich zeigen. Die aktuelle Saison jedenfalls ließ Zweifel aufkommen…

6 Tore von Hannover – und doch kein Sieg

"Das war ein Spiel, das man so schnell nicht vergessen wird", sagte Hannovers Trainer Andreas Bergmann nach der Begegnung in Mönchengladbach am 12. Dezember 2009. Recht hatte er, denn ein Spiel mit drei Eigentoren hatte es in der Bundesliga bis dahin nicht gegeben. In der 14. Minute eröffnete Karim Haggui den Torreigen, er lenkte eine Fußabwehr vom herauseilenden 96er-Torwart Florian Fromlowitz unglücklich zum 1:0 ins eigene Tor. Gladbach erhöhte auf 2:0, Hannover gelang vor der Halbzeit noch der Anschlusstreffer. Dann wurde es kurios: Hannovers Constant Djakpa hob den Ball bei einer Rückgabe zielgenau über seinen Schlussmann zum 3:1. Gladbach schoss das 4:1, Hannover kam in der 69. und 87. Minute auf 4:3 heran. Und in der Nachspielzeit grätschte erneut Innenverteidiger Haggui aus knapp 20 Metern einen Steilpass platziert ins untere rechte Eck des eigenen Tores. Der Endstand: 5:3. „Es ist unglaublich: Wir schießen sechs Tore und verlieren“, resümierte Trainer Bergmann fassungslos.


Robert Enke mit seiner herzkranken Tochter Lara, die 2006 verstarb. Der Torwart von Hannover 96 litt unter Depressionen. Foto: Robert-Enke-Stiftung

 

Der Tod von Robert Enke

Auch dies ist eines der prägenden, bewegenden und für immer unvergessenen Kapitel in der Historie des Vereins. Am 10. November 2009 rückte für Hannover 96, ja für ganz Deutschland alles Sportliche in den Hintergrund. Der Suizid von Torhüter Robert Enke versetzte den Verein und den gesamten deutschen Fußball in Trauer und Bestürzung. In Hannover versammelten sich 35.000 Menschen zu einem spontanen Trauermarsch durch die Stadt, bei der offiziellen Trauerfeier in der AWD-Arena nahmen Angehörige und Freunde zusammen mit Fans, Trainern und Mitspielern Abschied von Robert Enke. In der Folge wurde verstärkt über die Themen Depression und Leistungsdruck im Profisport gesprochen, unter anderem gründeten der DFB, der Ligaverband sowie Hannover 96 gemeinsam die Robert-Enke-Stiftung, die Projekte fördert, die sich mit der Krankheit Depression sowie Kinder-Herzkrankheiten beschäftigen. Drei Jahre vor Enkes Selbstmord war seine zweijährige Tochter an einem Herzfehler gestorben.Robert Enke hatte nach Stationen unter anderem bei Benfica Lissabon und dem FC Barcelona seit 2004 für Hannover 96 gespielt, stand 180 Mal im Tor und lief acht Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf. Seit 2011 liegen Stadion und Geschäftsstelle von Hannover 96 an der neu benannten Robert-Enke-Straße 1.

 

Ein Abstiegskandidat erobert Europa

Nach einer sportlich und emotional fordernden Saison 2009/2010 – die Mannschaft war geschockt vom Selbstmord ihres Torhüters Robert Enke – und dem letztlich erreichten 15. Tabellenplatz war Hannover für die Folgespielzeit 2010/11 auf Abstiegskampf eingestellt. In der Hinrunde holte das Team jedoch sensationelle 31 Punkte und überwinterte auf Platz 4. Spieler wie Torwart Ron-Robert Zieler oder TorgarantDidier Ya Konan standen für ein aufstrebendes 96, das unter Trainer Mirko Slomka durch modernen Konterfußball überraschte. Die „Roten“ setzten ihre Leistungen fort, auch Bayern München musste sich am 25. Spieltag mit 3:1 geschlagen geben. Mit den Münchnern lieferte sich Hannover bis zuletzt ein Fernduell um den dritten Tabellenplatz – Meister wurde in diesem Jahr Borussia Dortmund. Zwar reichte es für Hannover letztlich nicht ganz für die Champions League – doch Platz 4 bedeutete den Einzug in die Europa League. Was folgte war die auf internationalem Parkett erfolgreichste Spielzeit der Vereinsgeschichte, Hannover erreichte das Viertelfinale, wo man gegen den späteren Cup-Gewinner Atlético Madrid ausschied.