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Nach der Slomka-Ära kommt Tayfun Korkut

H96

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17/01/2014
 

Am 27. Dezember 2013 war die Ära von Mirko Slomka bei Hannover 96 vorbei. Nur 22 Tage hätten gefehlt, dass der Trainer genau vier Jahre beim niedersächsischen Traditionsklub in Amt und Würden gewesen wäre. "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber gemeinsam haben wir die Überzeugung, etwas verändern zu wollen", erklärte Sportdirektor Dirk Dufner, nachdem die Verantwortlichen über Weihnachten zum Entschluss gekommen waren, die Trennung vom 46 Jahre alten Fußball-Lehrer Slomka zu vollziehen. An Silvester gab der Klub den Nachfolger bekannt und präsentierte eine Überraschung: Tayfun Korkut (39), der in Schwaben aufgewachsene Ex-Nationalspieler der Türkei, wurde zum neuen Hannoveraner Coach gekürt.

Alles auf Anfang - das war das Motto der Vereinsführung, nachdem die Mannschaft unter dem bisher erfolgreichsten Bundesliga-Trainer der "Roten" nur 18 Punkte in 17 Spielen geholt hatte und nach der Hinrunde der Saison 2013/14 nur den 13. Platz belegt. Slomka erfuhr von seiner Entmachtung im Urlaub in Abu Dhabi. Präsident Martin Kind bedachte Slomka, dessen Vertrag eigentlich noch bis 30. Juni 2016 gelaufen wäre, zum Abschied mit freundlichen Worten: "Mein persönlicher Dank gilt Mirko Slomka, der Hannover 96 vor dem Abstieg in die zweite Bundesliga gerettet und anschließend zwei Mal in die Europa League geführt hat. Diese Erfolge werden immer eng mit seinem Namen verbunden sein."

Sportdirektor Dirk Dufner (links) und Trainer Tayfun Kurkut: Am 3. Januar wurde der Deutschtürke als Nachfolger von Mirko Slomka bei Hannover 96 vorgestellt. (Foto: Firo/Augenklick)

 

Der Neustart erfolgte am 3. Januar, als Tayfun Korkut vorgestellt wurde. "Wir wollten einen jungen, ehrgeizigen, kompetenten, fleißigen, eloquenten Trainer. In Tayfun Korkut haben wir den Trainer gefunden, der das alles aus unserer Sicht mitbringt", sagte Dufner. "Ich bin gut vorbereitet. Ich habe in Deutschland viel gelernt, weil ich hier aufgewachsen bin. Aber auch in meiner Zeit in der Türkei, wo im Fußball mehr Emotionen in Spiel sind, oder in Spanien habe ich viel gelernt", sagte der in Stuttgart geborene Korkut. "Für meine Tätigkeit für die türkische Nationalmannschaft bin ich auch viel in der Bundesliga unterwegs gewesen. Generell kenne ich die Bundesliga ganz gut", fügte der ehemalige Nationalspieler hinzu. Nach Arkoc Özan (1977/78 beim Hamburger SV) ist er erst der zweite türkischstämmige Cheftrainer bei einem Bundesligisten.

 

Der neue Trainer fordert: Agieren! Nicht reagieren!

Zum ersten Training nach der Winterpause am 5. Januar, einem Sonntag, kamen sage und schreibe 7.000 Fans. Die Neugier, wie der neue Coach arbeitet, war offensichtlich sehr groß, aber es war auch ein erneuter Beleg dafür, wie sehr sich die Region um Hannover mit den "Roten" verbunden fühlt. Nach dem Trainingsauftakt ging es nach Belek, an die türkische Mittelmeerküste. Im Spielerkader befand sich ein Neuzugang: Vom Hamburger SV war der lettische Stürmer Artjom Rudnevs geholt worden, der dort bei 41 Bundesliga-Einsätzen zwölf Tore erzielt hatte. In Belek beendete Dufner auch die Diskussionen um Mame Diouf. Der Stürmer bleibe dem Verein, verkündete der Sportdirektor. Etliche Vereine aus dem In- und Ausland hatten den Senegalesen verpflichten wollen, aber keiner von ihnen war bereit, die von Hannover geforderte Ablöse zu bezahlen.

Tayfun Korkut ist der neue Trainer von Hannover 96. Der Nachfolger von Mirko Slomka beobachtet seine Mannschaft beim Training in Belek. (Foto: GES/Augenklick)

 

Sehr intensiv und akribisch, in vielen Dingen aber auch anders als Slomka und sein Mitarbeiterstab nahm Korkut seine Arbeit mit den Profis auf. "Ich habe Prinzipien. Ich will eine mutige Mannschaft, die  zielstrebig ist. Sie soll agieren, nicht reagieren", erklärte er. Wenn sein Name Tayfun zum Programm für die "Sechsundneunziger" wird, ist mit stürmischen Auftritten zu rechnen. Er selbst wolle die Chance, sich als Toptrainer zu beweisen, "mit aller Gewalt nutzen", sagte Korkut. Die ersten Reaktionen auf ihn waren positiv.

Nationaltorhüter Ron-Robert Zieler sagte: "Der Trainer fordert intensiv unser Mitdenken ein. Wir sollen seine taktischen Vorstellungen verstehen, schon in der Trainingsvorbereitung. Da erklärt er vorab viele Dinge, die er in der Einheit vorhat." Ex-Nationalspieler Jan Schlaudraff beschrieb die Stimmung im Team als gut und konzentriert. Korkut betont, dass er großen Wert auf einen optimalen Zusammenhalt aller Spieler legt. Wenn der Teamgeist unter Slomka in den vergangenen Monaten wirklich gelitten haben sollte, könne das nur an der Tatsache gelegen haben, dass die Ergebnisse unbefriedigend waren. "Dann kann es passieren, dass eine Mannschaft sich verläuft", meinte Korkut. Auf ihn mache das Team aber keinen problematischen Eindruck.

 

Der Neue hat durchaus einiges vorzuweisen, obwohl er ein Neuling auf dem Cheftrainer-Posten ist. Lediglich im Jugendbereich bei Real Sociedad San Sebastian, Hoffenheim 1899 und beim VfB Stuttgart leitete er selbständig Mannschaften. Zuletzt, bis zum Sommer 2013, war er als Assistenzcoach bei der türkischen Nationalmannschaft tätig. Als Spieler gehörte er dem Türkei-Kader bei der EM 1996 in England an. Der Mittelfeldspieler begann bei den Stuttgarter Kickers, spielte von 1995 bis 2000 bei Fenerbahce Istanbul, danach drei Jahre bei San Sebastian, ein weiteres Jahr in Spanien bei Espanyol Barcelona, ehe er erneut in die Türkei zu Besiktas Istanbul (2004/05) und zu Genclerbirligi (Ankara/2005/06) ging.

Nach langer Verletzungspause gehört Steven Cherundolo wieder fest zum Kader. Der Kapitän von Hannover 96 hofft noch auf seine Teilnahme an der FIFA Weltmeisterschaft 2014. (Foto: GES/Augenklick)

Unter seiner Regie soll die Mannschaft von Hannover 96 nun wieder in die Erfolgsspur zurückkehren. Einfach ist die Aufgabe nicht für das Team, dem vor dem Saisonstart eigentlich das Ziel "Europapokal-Platz" gesetzt worden war. Allein die ersten drei Spiele zum Rückrunden-Auftakt verdeutlichen, dass die Trauben in der Bundesliga hoch hängen: Am 25. Januar tritt Hannover beim VfL Wolfsburg an, der personell weiter aufgerüstet hat. Am 1. Februar folgt das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach, dem sich die Auswärtspartie bei Schalke 04 am 9. Februar anschließt.