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Ron-Robert Zieler: Weltklasse aus Hannover

H96

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04/12/2014
 

Wenn Ron-Robert Zieler krank wird, wie im trüb-kalten Vorwinter 2014, wachsen die Sorgen bei Hannover 96 schlagartig an. Der Verein legt in der Saison 2014/15 eine bemerkenswerten Berg- und Talfahrt auf das Parkett, aber die stabilste Kraft im Team der „Roten“ ist und bleibt der Torwart. Hannover startete stark, lag nach fünf Bundesliga-Spielen auf Platz drei, sackte anschließend nach drei Niederlagen ab auf Rang zehn, um sich dann wieder mit drei Erfolgen ohne Gegentor auf den vierten Platz vorzurobben. Aber es folgte ein 1:3 zu Hause gegen Leverkusen und ein 3:4 in Hoffenheim mit dem Resultat des achten Platzes.

Mit Ron-Robert Zieler hat Hannover 96 einen Weltklassemann im Tor. Der Vertrag des 25-Jährigen läuft bis zum 30. Juni 2017. (Foto: Firo/Augenklick)

 

Enttäuscht zog Klubchef Martin Kind ein Zwischenfazit nach 13 Spieltagen auch mit Blick auf das Derby gegen Wolfsburg (6. Dezember). „Es ist nicht realistisch, dass wir zum Saisonende einen internationalen Platz erreichen können. Unsere Leistungsstärke ist noch nicht stabil genug für einen Europa-Platz“, sagte Kind. Allerdings ist der vierte Platz, der über die Playoffs in die Champions League führen kann, nur zwei Punkte entfernt. Und die Bundesliga ist so ausgeglichen, dass die Hoffnung auf eine neue Teilnahme an der Europa League noch lange nicht aufgegeben werden muss. Ein Garant für eine gute Platzierung in der Abschlusstabelle, das weiß jeder Hannover-Fan, steht im Tor des Hannoverschen Sportvereins von 1896. Ron-Robert Zieler besitzt das Weltklasse-Niveau, um die nötigen Punkte durchaus festhalten zu können.

Zielers Torwart-Rekord: 121 Spiele in Serie

„Ich weiß, welche Rolle ich in unserer Mannschaft einnehme. Hier bin ich Stammspieler und auch im Mannschaftsrat“, sagt Zieler. Seine Stellvertreter Robert Allmer und Markus Miller dürfen sich nicht allzu viel Hoffung machen, dass Trainer Tayfun Korkut sie einsetzt, es sei denn, Zieler fällt wegen einer Krankheit oder einer Verletzung aus. In Hoffenheim, als die „Sechsundneunziger“ aufgrund der besseren Statistikwerte und vor allem wegen einer ordentlichen Leistung durchaus einen Punkt verdient hatten, sicherte sich Zieler einen Platz in im Geschichtsbuch von Hannover 96.

Zum 121. Mal hintereinander stand der gebürtige Kölner, der 2010 von Manchester United geholt wurde, im Tor des Vereins. Damit löste er eine Legende des Klubs ab. Horst Podlasly  hatte von 1964 bis 1968 am Stück 120 Bundesliga-Partien bestritten. Wie reagierte der für seine Bodenständigkeit bekannte Zieler auf seine Bestmarke? „Das zeigt, dass man fit ist, seine Leistung bringt und der Trainer einen immer aufstellt.“ Trockener geht es kaum. Lieber sei ihm gewesen, meinte Zieler, er hätte weniger als vier Gegentore kassiert und mit seinen Teamkollegen einen Punkt aus Hoffenheim entführt.

Ron-Robert Zieler zeigte am 25.10.2014 eine Superleistung beim 1:0 von Hannover bei Borussia Dortmund, nicht nur, als er einen Kopfball von Ramos glänzend abwehrte. (Foto: Firo/Augenklick)

 

Seit dem 16. Januar 2011 hütet Zieler das Hannoveraner Tor. Seit dem Tag, als Mirko Slomka ihn gegen Eintracht Frankfurt anstelle des damaligen Stammtorhüters Florian Fromlowitz zwischen die Pfosten beordete, hat sich unheimlich viel getan. Die Begegnung gegen Frankfurt wurde mit 3:0 gewonnen. Der damals 21-Jährige bot eine herausragend gute Leistung. Slomka hatte die richtige Wahl getroffen, wie schon einmal im Jahr 2006. Damals verhalf der Trainer dem 19-jährigen Manuel Neuer zum Bundesliga-Debüt bei Schalke und setzte Topstar Frank Rost kurzerhand auf die Bank.

Am 11.11.11 gab Zieler sein Debüt in der Nationalelf

Zieler kennt „Manu“ Neuer sehr gut, seit dreieinhalb Jahren treffen sie sich regelmäßig bei der deutschen Nationalmannschaft. Elf Monate nach seinem Debüt - am 11.11.11 - hütete er beim Testspiel in Kiew gegen die Ukraine erstmals den Kasten der DFB-Auswahl, nach einem 0:3 zur Halbzeit stand es am Ende 3:3. Nach der EM 2012, als er als Ersatztorwart dabei war, erhielt er am 15. August in Frankfurt die zweite Chance mit einem Startelf-Einsatz und sah in der 30. Minute die Rote Karte. Marc-Andre ter Stegen (Thomas Müller wurde für ihn ausgewechselt), hielt den Strafstoß von Lionel Messi, aber am Ende verlor Deutschland mit 1:3. Beim dritten Länderspieleinsatz am 13. Mai 2014 in Hamburg - als Joachim Löw während der WM-Vorbreitung ein B-Team aufstellte - blieb Zieler beim 0:0 ohne Gegentor.

Ron-Robert Zieler mit WM-Pokal in Berlin. Zwar spielte der Hannoveraner bei der WM 2014 keine Minute, aber als Weltmeister wird er natürlich dennoch tituliert. (Foto: GES/Augenklick)

Oft stand der Hannoveraner im Aufgebot von Bundestrainer Löw, aber fast ebenso oft musste Neuer, der unumstrittenen Nummer 1, Rene Adler oder Roman Weidenfeller den Vortritt lassen. Bei der Weltmeisterschaft 2014 gehörte er aber dem Kader der 23 Auserwählen an. Zieler erlebte den Triumph in Rio de Janeiro am 13. Juli hautnah mit und wird seitdem, obwohl er keine Minute in Brasilien gespielt hat, als Weltmeister bezeichnet. „Die vergangenen Monate waren sensationell., sagte er im Rückblick zur „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. „Früher war es immer so, dass die Leute gesagt haben: ,Das ist der Zieler.‘ Heute höre ich oft: ,Da ist der Weltmeister.‘“, schildert er eine Veränderung. Zieler ist auf der Ebene eines Cristiano Ronaldo oder eines Wayne Rooney angekommen, die er als Jugendlicher bei Manchester United persönlich kennenlernte

Seinen Vertrag mit Hannover 96 hat er bis zum 30. Juni 2017 verlängert, aber nicht wenige europäische Topvereine haben ein Auge auf den mittlerweile 25-Jährigen geworfen, der aber seine Treue zu den „Roten“ unterstreicht: „In den Gesprächen mit dem Manager und dem Trainer habe ich viel Wertschätzung erfahren, sie haben mir meinen Weg bei 96 aufgezeigt, dieser Weg ist für mich sehr interessant.“  

 

Superleistung des „Witzboldes“ beim 1:0 gegen Spanien

Dass Zieler einer der besten seines Fachs ist, konnte er am 18. November 2014 vielbeachtet auf der internationalen Bühne erneut beweisen. Beim 1:0 der deutschen Weltmeister im Testspiel in Vigo gegen Europameister Spanien bot er eine phantastische Leistung und wurde mit seinem ersten Sieg im vierten Länderspiel belohnt. „Ron-Robert hat das super gemacht“, lobte Torwarttrainer Andreas Köpke. Auch Löw äußerte sich sehr positiv. „Mit Ron war ich sehr zufrieden, weil er zwei, drei Schüsse hervorragend pariert hat.“ Der Bundestrainer erwähnte, was ihm „besonders gut gefallen“ hatte. Es ging um das „moderne Torwartspiel“. „Ron hat einfach auch sehr gut die Bälle hinten rausgespielt, vor allem in der zweiten Halbzeit mit Ruhe und einer sauberen Spielauslösung. Das war für uns wichtig, dass wir nicht nur hohe Bälle herausgespielt haben.“ In diesem Punkt ist Zieler deutlich besser als Weidenfeller.

Ron-Robert Zieler gehört wie Manuel Neuer zu den Torhütern, die sich gut am Aufbauspiel beteiligen. Dies bewies er am 18.11.2014 beim 1:0 gegen Spanien in Vigo. (Foto: GES/Augenklick)

 

Der Gelobte selbst reagierte natürlich so zurückhaltend, wie es seine Art ist. In der Interview-Zone sagte er zu den Reportern: „Wunderbar Jungs.“ Natürlich freue er sich über das „Vertrauen des Bundestrainers“, natürlich sei es bei dem Dauerregen nicht einfach gewesen „auf dem weichen Platz“, natürlich habe er „versucht, meine Sache gut zu machen und denke. Das ist mir gelungen.“ Im Kreis der Nationalspieler wird er für seine Sozialkompetenz geschätzt, für sein kollegiales verhalten und für seine trockenen Kommentare. Jerome Boateng ordnete Zieler im WM-Trainingslager in Südtirol einmal in die Reihe der Witzbolde der Mannschaft ein. „Thomas Müller, Lukas Podolski und Ron-Robert Zieler, aber der eher unbewusst“, sagte der Münchner auf die Frage, wer denn die Spaßvögel der Nationalmannschaft seien.

Zieler steht noch in der Mitte seiner Karriere, eventuell hat er seinen Zenit noch nicht einmal erreicht. Für 2015 hat Löw für das DFB-Team einige Veränderungen angekündigt. Zieler könnte davon profitieren, wobei es klar ist, dass es hinter Neuer nur um Platz zwei der Hierarchie geht. Aber vorher will Ron-Robert Zieler mit Hannover 96 wieder nach oben, auch wenn Präsident Martin Kind wegen der Achterbahnfahrt der Mannschaft skeptisch ist. Doch mit diesem Mann im Tor, der insgesamt für Hannover 130 Bundesligaspiele und 25 Partien in der Europa League bestritten hat, können die europäischen Träume vielleicht doch wahr werden.