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Hannover 96: Es fehlt nicht viel für Europa

H96

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28/01/2016
 

Zehn Tage Trainingslager in Belek an der türkischen Riviera-Küste, drei Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage in den fünf Testspielen, eine sehr gute Stimmung im Kader und die sensationelle Rückkehr von Ya Konan: Bei Hannover 96 ist vor dem Rückrundenstart der Bundesliga-Saison 2014/15 die Zuversicht groß, in den ausstehenden 17 Spielen bis zum 23. Mai das Ziel eines internationalen Platzes zu erreichen. Als Tabellen-Achter nach der Hinrunde beträgt bei 24 Punkten der Abstand zu den Plätzen, die in die Europa oder sogar in die Champions League führen, nur drei Punkte. Nicht nur Präsident Martin Kind hält es für machbar, die vor Hannover liegenden Konkurrenten Hoffenheim (26 Punkte), Augsburg, Schalke und Mönchengladbach (alle 27) zu verdrängen. Und auch Leverkusen (28) als Tabellen-Dritter noch einzuholen, ist nicht utopisch. „Wir wollen die nächsten Schritte gehen. Unsere Ausgangsposition ist gut. Auf Platz acht sind wir in Schlagdistanz nach oben“, sagte Torwart Ron-Robert Zieler während der Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte.

Hannovers Trainer Tayfun Korkut mit Ball und Taktiktafel wird im Trainingslager in Belek von Spielern seiner Mannschaft umringt. (Foto: Getty Images)

 

Erster Bundesliga-Gegner im Jahr 2015 ist der FC Schalke 04 (Samstag, 31. Januar), der zu Saisonbeginn mit 2:1 besiegt wurde. Dann folgt nur drei Tage später das Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 (Dienstag, 3. Februar), dem sich das Nordderby beim Hamburger SV anschließt (Samstag, 7. Februar). Nach der englischen Woche zum Auftakt gibt es eine Acht-Tage-Pause bis zur Partie gegen den Aufsteiger SC Paderborn (Sonntag, 15. Februar). Trainer Tayfun Korkut zog eine positive Bilanz der Trainingstage seit dem Ende des Weihnachtsurlaubs mit dem Fitnesstest am 5. Januar. „Bis auf die zwei, drei Regentage in Belek kann man sich über nichts beschweren. Wir haben in der Türkei sehr konzentriert gearbeitet. Ich habe viel Gutes gesehen“, sagte der 40-Jährige, der nun seit 13 Monaten Trainer „der Roten“ ist und das Team somit 34 Bundesliga-Spieltage betreut hat. Der letzte Test trübte die gute Laune des in Stuttgart geborenen, türkischen Ex-Nationalspieler dann aber etwas. Dafür wartete er und Manager Dirk Dufner vier Tage vor dem Start mit einer völlig überraschenden Nachricht auf. Ya Konan kommt nach nur einem halben Jahr in Saudi-Arabien bei Al Ittihad Jeddah an die Leine zurück.

Nach den „Probeläufen“ in Belek gegen Istanbul Basaksehir (0:0), Young Boys Bern und Viktoria Pilsen (jeweils 1:0) sowie gegen FC Aarau (3:1) mit nur einem Gegentor verlor Hannover exakt eine Woche vor dem Ligastart eine Partie gegen Werder Bremen mit 2:3. Nach den guten Abwehrleistungen zuvor war Korkut mit der Vorstellung der Defensive gegen die Bremer nicht zufrieden. Es war etwas sehr seltenes passiert, Zieler patzte und war zugleich geständig: „Das erste Tor ging auf meine Kappe. Ich wollte die Situation spielerisch lösen.“ Kaum 100 Betrachter hatten das Missgeschick des Nationalspielers im freundschaftlichen Nordderby live gesehen. Denn das Match war ein „Geistertest“, wie es von den Medien bezeichnet wurde. Das Spiel auf dem Anfang Januar neu verlegten Rasen in der HDI-Arena war nicht-öffentlich. Das löste zwar bei etlichen Fans keine Begeisterung aus, war aber ganz im Sinne der Trainer. Wenn es still ist auf den Rängen, läuft ihre Kommunikation mit den Spielern besser, taktische Aufforderungen erreichen die Spieler besser, die sich auch untereinander leichter verständigen können.

Joselu (rechts) erzielt gegen Torwart Yvon Mvogo das Siegtor im Test gegen Young Boys Bern, das Hannover 96 am 17. Januar in Belek mit 1:0 gewann. (Foto: Getty Images)

 

Korkuts Wunsch: Mehr Durchschlagskraft in der Offensive

Einigen Kummer gleich zu Beginn des Trainingslagers löste Edgar Prib bei den „Sechsundneunzigern“ aus. Der Mittelfeldspieler, der in der Hinrunde stark aufgetrumpft hatte, zog sich gegen Basaksehir einen Muskelfaserriss zu und wird beim Rückrundenstart fehlen. „Das passt mir nicht, aber ich glaube, dass er uns nicht lange fehlen wird“, sagte Korkut, der keine weiteren Verletzten beklagen musste. Allerdings kann mit der Rückkehr Andre Hoffmann und Leon Andreasen nach schweren, im vorigen Jahr erlittenen Verletzungen nicht schnell gerechnet werden. Aber Artur Sobiech kehrte nach einem Syndesmoseriss im Dezember ins Teamtraining zurück.

Lars Stindl beim Training in Belek. (Foto: Getty Images)

Hiroki Sakai mit einem Trainingsdummy in Belek. Der Japaner wird wohl seinen Stammplatz als rechter Verteidiger bei Hannover 96 behalten. (Foto: Getty Images)

Dufner verkleinerte in Absprache mit dem Trainer den Kader um vier Spieler. Der Vertrag mit dem in Brasilien bei Figueirense spielenden Franca wurde aufgelöst, Stefan Thesker (Fürth), Florian Ballas (FSV Frankfurt) und Vladimir Rankovic (Aue) wechselten zu Zweitliga-Clubs. Eine geplante Verstärkung zerschlug sich. Petar Stojanovic hielt sich in der letzten Januar-Woche schon in Hannover zum Medizincheck auf. Aber dann forderte sein Verein NK Maribor entgegen den Absprachen eine viel zu hohe Ablöse, sodass der Vertrag mit dem slowenischen Junioren-Nationalspieler doch nicht zustande kam. Der 19-Jährige sollte als Konkurrent für Hiroki Sakai auf der rechten Abwehrseite aufgebaut werden. Dass Hiroshi Kiyotake, der japanische Landmann von Sakai, rechtzeitig für das Schalke-Spiel wieder in Deutschland eintraf, war nicht unbedingt erwartet worden.

 

Aber Favorit Japan schied beim Asien-Cup überraschend im Viertelfinale gegen die Vereinigten Arabischen Emirate aus, sodass der Mittelfeldspieler eine Woche vor Turnierende nach Hannover zurückkehren konnte.

„Die Chancenverwertung sollten wir bis zum Ligastart dringend verbessern“, bemängelte Korkut die offensive Durchschlagskraft. Dies spielte dann eine Rolle, dass der 30 Jahre alte Ivorer Ya Konan einen Vertrag bis Saisonende mit einer Option für eine Verlängerung erhielt. Neben der Stabilität in der Defensive, in der Brasilianer Marcelo der Fixpunkt ist, lobte der Trainer auch den Teamgeist. „Die mannschaftliche Geschlossenheit auf dem Feld und außerhalb des Platzes ist positiv“, sagte Korkut. Gegen Schalke beginnt die Jagd, einen Platz von drei bis sechs am Saisonabschluss zu erzielen. Die Gelsenkirchener haben eine durchwachsene Vorbereitung hinter sich ohne einen Sieg in drei Tests, aber ihr Lazarett der Verletzten hat sich gelichtet. Zum 52. Mal treffen die Clubs in der Bundesliga aufeinander. Vor fast genau 50 Jahren kreuzten sie in der höchsten Spielklasse in Gelsenkirchen erstmals die Klingen. Am 20. März 1965 erreichte Hannover in der Glückauf-Kampfbahn ein 2:2 nach dem 1:0-Erfolg im Hinspiel. Das letzte Duell im Ruhrgebiet am 7. Februar 2014 verloren „die Roten“ mit 0:2. Die Hoffnungen auf einen oder sogar drei Punkte ruhen auf Joselu, der mit sieben Toren in der Hinrunde der beste Hannoveraner Schütze war. Der Stürmer aus Spanien erzielte in seinen letzten drei Spielen gegen Schalke drei Tore. Auch im Hinspiel gelang ihm beim 2:1 der Siegtreffer.