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Krise bei 96: Schwache Serie, schlechte Stimmung

H96

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11/03/2015
 

Langsam aber stetig hat sich die Krise bei Hannover 96 eingeschlichen. Nachdem zum Start in die Bundesliga-Rückrunde die Hoffnung lebte, vom achten Platz auf einen Europa-League-Rang vorzustoßen zu können, ist Ernüchterung eingetreten. Drei Unentschieden und vier Niederlagen hat die Mannschaft vom 18. bis zum 24. Spieltag kassiert; sie fiel damit auf Rang zwölf zurück. Vom Ziel, einen internationalen Wettbewerb in der kommenden Saison zu erreichen, spricht niemand mehr in Hannover. „Es ist schon eine brenzlige Situation, das gebe ich zu. Da kann im Fußball auch einiges passieren. Nichtsdestotrotz dürfen wir uns nicht verrückt machen lassen. Rumjammern hilft nicht. Es geht weiter“, sagte Nationalspieler Ron-Robert schon nach dem 22. Spieltag, als mit dem 1:1 bei 1. FC Köln ein Auswärtspunkt errungen wurde.

Sieben Spiele sieglos ist Hannover 96 seit Januar. Die Profis wie Jimmy Briand (links), beim 1:1 gegen Stuttgart im Duell mit Gotoku Sakai, kämpfen gegen die Krise. (Foto: Firo/Augenklick)

 

Danach folgte ein enttäuschendes 1:1 gegen den Tabellenletzten VfB Stuttgart zu Hause und ein von umstrittenen, ja falschen Schiedsrichterentscheidungen beeinflusstes 1:3 gegen Bayern München. War am 31. Januar der sechste Platz, der sicher in die Europa League führt, nur drei Punkte entfernt, so ist nun die Distanz auf die Abstiegszone auf vier Zähler geschrumpft. Hannover ist außer Tritt geraten, das Schlagwort „Abstiegskampf“ hat an Aktualität gewonnen. Sportlich funktioniert es bei den „Roten“ nicht mehr gut. Nach dem 0:1 in Schalke im ersten Spiel nach der Winterpause wurde in allen sechs Partien nur jeweils ein Tor erzielt. Das war zu wenig für drei Punkte im Heimspiel gegen Mainz 05 (1:1) und schmerzte besonders beim 1:2 gegen den Aufsteiger SC Paderborn.

Ein Mechanismus, so fraglich er auch ist, griff um sich. Die Arbeit von Trainer Tayfun Korkut wurde nach der Sieglos-Serie mit nur drei von 21 möglichen Punkten im Jahr 2015 in Frage gestellt. „Wir stehen komplett hinter ihm, weil wir ja sehen, dass die Mannschaft gute Leistungen bringt“, erklärte Sportdirektor Dirk Dufner nach der Niederlage gegen die Bayern. Präsident Martin Kind hatte dem Trainer schon vor dem Anpfiff den Rücken gestärkt: „Ich habe volles Vertrauen, er weiß, was er will. Er ist belastbar. Er wird die Herausforderung annehmen. Das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer ist intakt. Er wird es schaffen mit der Mannschaft.“

Sportdirektor Dufner: „Die Mannschaft hätte gerne mehr Unterstützung“

Die Effektivität, die zu Siegen führen, ist verschüttet, aber dazu kommt ein ungewöhnliches Problem. Die atmosphärischen Störungen rund um den Verein beschäftigen große Teile der deutschen Sportmedien. „Die Stimmung ist schlecht in Hannover. Und zwar so schlecht wie nirgendwo sonst in der Liga“, schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vor dem Bayern-Spiel. „Die 96-Ultras, also jene Gruppe der meist jungen und kompromisslos fanatischen Anhänger, sind im vergangenen Sommer im Wortsinne ausgezogen. Ihre Fahnen und Lieder haben sie mitgenommen“, schilderte die „Süddeutsche Zeitung“ den Grund dafür, dass es bei Heimspielen deutlich stiller geworden ist. Eine Gruppe von Fans verfolgt nun die Heimspiele des Hannoveraner U23-Teams.

Die Stimmung in der HDI-Arena hat gelitten. Die Fans haben dem Team von Hannover 96 die Unterstützung entzogen und zeigen mit Plakaten der Klubführung ihren Unmut. (Foto: GES/Augenklick)

 

Dufner bestätigte nach der Begegnung mit den Münchnern, dass die getrübte Stimmung die Mannschaft beeinflusst. „Es ist hier im Standort Hannover auch gar nicht so einfach zu spielen. Wir haben das Publikum nicht komplett hinter uns, das ist auch nicht so einfach für die Spieler“, erklärte der Sportdirektor gegenüber dem Fernsehsender „Sky“. Vor dem Spiel hatte sich der Verein mit einem Offenen Brief an die Fans gewandt. „So geht es nicht weiter“, lautete ein markanter Satz. Die Verantwortlichen, die in der zweiten März-Woche eine weitere Position für einen Fan-Beauftragten schufen, stecken in der Klemme - und damit auch das Team von Korkut.

Präsident Martin Kind befindet sich einer schwierigen Situation, nachdem Teile des Anhangs von Hannover 96 wegen Ausschreitungen bestraft wurden. (Foto: GES/Augenklick)

Der seit 1997 amtierende KlubchefKind, der Hannover 96 einst maßgeblich vor der Insolvenz, hatte nach einigen Ausschreitungen und hohen Strafen seitens des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für den Verein einen harten Kurs gegen die Problemfans gefahren. Nach und nach stellten Teile des Anhangs ihre stimmgewaltige Unterstützung in der HDI-Arena ein. Zudem wird Präsident Kind angefeindet. „Die Mannschaft hätte gerne mehr Unterstützung“, sagte Dufner und sehnte sich nach den Zeiten zurück, als Fans und Mannschaft ein Herz und eine Seele waren: „Früher war es ein Leichteres, wenn man das Publikum uneingeschränkt hinter sich wusste.“

 

Auf dem Rasen ist nicht alles so schlecht, wie es die Ergebnisse seit Ende Januar erscheinen lassen. Gegen die Bayern zeigte Hannover bis zu einem umstrittenen Foulelfmeter nach einer knappen Stunde eine überzeugende Vorstellung, obwohl mit dem gesperrten Lars Stindl ein wichtiger Leistungsträger fehlte. Mit 1:0 führte die Korkut-Elf durch Hiroshi Kiyotake, aber drei Minuten später sprach Schiedsrichter Tobias Welz den Gästen einen äußerst fragwürdigen Freistoß zu, den Xabi Alonso zum Ausgleich nutzte.

Mit 1:3 verlor Hannover 96 gegen den FC Bayern. Der Münchner Robert Lewandowski, hier mit Da Silva Pereira, löste einen umstrittenen Elfmeter aus. (Foto: Firo/Augenklick)