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Frontzeck: Hannover ist kein Wunderland

H96

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01/09/2015
 

Platz 9, Platz 12, Platz 16: Nach nur drei Spieltagen der Saison 2015/16 steht der Mannschaft von Hannover 96 wie im vorigen Spieljahr das Wasser bis zum Hals. Dem 2:2 zum Auftakt bei Aufsteiger Darmstadt 98 folgte das 0:1 gegen Bayer Leverkusen in der heimischen HDI-Arena und das total ernüchternde 0:3 beim FSV Mainz 05. Während bei den Fans der „Roten“ großer Frust ausbrach, weil auch die neue Spielzeit offensichtlich vom Abstiegskampf geprägt sein wird, bat Trainer Michael Frontzeck um Geduld mit der neuformierten, noch sehr instabil wirkenden Mannschaft. „Wie alles im Leben: Was wächst, braucht eine gewisse Zeit“, erklärte Frontzeck am Tag nach dem spielerischen Offenbarungseid seines Teams in Mainz in der TV-Sendung „Sportclub“ des NDR.

Mit einem skeptischen Blick verlässt Michael Frontzeck nach dem 0:3 in Mainz seinen Platz am Spielfeld. Wird die neue Saison für Hannover 96 so kompliziert wie die letzte? (Foto: KUNZ/Augenklick)

 

„Es gibt kein Umdenken. Es gibt keinen Aktionismus“, sagte der Coach, der in den letzten fünf Spielen im April und Mai (zwei Siege, zwei Remis) den Verein vor dem Abstieg bewahrt hatte. Mit diesen Worten distanzierte sich der 51-Jährige von den Forderungen, der Club müsse einen Tag vor dem Ende des Transfermarkts aktiv werden und neue Spieler verpflichten. Im Hannoveraner Kader stünden genug junge, talentierte Profis, die nur etwas Zeit benötigen würden, um ein höheres Leistungsniveau zu erreichen. Eventuell könnte in der Winterpause, wenn erneut Spieler verpflichtet werden dürfen, über Transfers nachgedacht werden.

Einen großen Kampf wie Salif Sane (links) gegen Sandro Wagner lieferten die Hannoveraner beim 2:2 am ersten Bundesliga-Spieltag dem SV Darmstadt 98. (Foto: GES/Augenklick)

Manche Aussagen von Frontzeck wirkten allerdings durchaus wie Durchhalteparolen, obwohl noch nicht einmal zehn Prozent der Saison gespielt sind. „Ich bin von unserem Weg weiter absolut überzeugt und werde ihn mit aller Konsequenz gehen“, sagte er. Der sehr starke Umbruch im Kader mit elf Abgängen von Spielern und sieben Neuzugängen wäre grundsätzlich der richtige Weg, um wieder erfolgreich zu werden. Zur aufgetretenen Schwäche der Offensivspieler sagte Frontzeck: „Wir sind ja nicht im Wunderland in Hannover, wo die Stürmer auf den Bäumen wachsen.“ Von einer Krise könne nach drei Spieltagen trotz des enttäuschenden Auftritts in Mainz wirklich noch keine Rede sein, betonte der Coach. Er hatte am 20. April seinen Dienst in Hannover angetreten. Nach der erfolgreichen Rettung war es zunächst fraglich, ob er bleiben würde. Aber dann verlängerte der Verein mit ihm den Vertrag.

 

„Totalversagen in allen Mannschaftsteilen“

Die Lage vor dem Spiel gegen Tabellenführer Borussia Dortmund ist sehr ungemütlich. Die Urteile, die auf das Team niederprasselten, waren hart. Die Medien ließen kein gutes Haar an „96“. Die „Frankfurter Rundschau“ schrieb nach dem 0:3 in Mainz von einem „Kraut-und-Rüben-Kick der schlimmeren Sorte“ und traf eine schwarze Prognose: „Wenn nicht alles täuscht, wird 96 wiederum eine Saison zwischen Zittern und Bibbern auf der feuchten Kellertreppe abwärts verbringen.“ Die „Bild“-Zeitung brachte es ähnlich auf den Punkt: „Harmlos, ideenlos, langsam, schläfrig, fehlerhaft, verunsichert, schlampig, grottenschlecht. Drei Monate nach der Last-Minute-Rettung steckt Hannover schon wieder unten fest.“ Die Überschrift eines Kommentars in der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ lautete: „Totalversagen in allen Mannschaftsteilen“.

Torwart Ron-Robert Zieler kommt von Yoshinori Muto an den Ball. Der Japaner erzielte bei seinem Debüt für zwei Tore zum 3:0-Sieg gegen Hannover. (Foto: Firo/Augenklick)

 

Präsident Martin Kind gab dem Trainer Rückendeckung. „Michael Frontzeck weiß ganz genau, was er will und kann die Situation realistisch einschätzen“, sagte der 71-Jährige, der aber auch bessere Resultate verlangt: „Er bekommt Zeit, aber die Zeit ist natürlich nicht unendlich.“ Eine solche Bemerkung, so ehrlich sie auch ist, stabilisiert einen Coach allerdings nicht wirklich. Ausgerechnet in der komplizierten Phase wird Frontzeck in der sportlichen Führung allein gelassen, denn Hannover 96 leistet sich in der Clubspitze eine Vakanz.

Dufner trat ab – Kind sucht Sportdirektor und Geschäftsführer

Die Amtszeit von Manager Dirk Dufner endete nach zwei Jahren, nach „vielen Missverständnissen und Merkwürdigkeiten“, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) schrieb. „Die Auswärtspartie in Mainz war das Abschiedsspiel für den 47-Jährigen. Aber man hatte den Eindruck, niemand weinte ihm wirklich eine Träne nach“, so die dpa. Der vom SC Freiburg gekommene Manager arbeitete in 28 Monaten bei den „Roten“ mit den Trainern Mirko Slomka, Tayfun Korkut sowie Frontzeck zusammen und überstand mit dem Verein zwei vom Abstiegskämpfen geprägten Jahren. Richtig angekommen sei Dufner in Hannover aber nie, urteilte die dpa. Immer häufiger wurde er in Frage gestellt und Namen von möglichen Nachfolgern schon kolportiert. Am 4. August bat er um die Auflösung seines Vertrags. So lautete jedenfalls seine Version. Die Aussage von Präsident Kind hörte sich jedoch anders an, denn aus ihr ging hervor, dass der Club nicht zufrieden war mit dem Wirken Dufners. Aber er durfte noch vier Wochen weitermachen – bis zum Abschluss der Transferperiode Ende August.

Eine tolle Atmosphäre herrschte beim ersten Saisonheimspiel von Hannover 96 gegen Bayer Leverkusen. Aber leider ging die Partie gegen das Topteam mit 0:1 verloren. (Foto: Firo/Augenklick)

 

Frontzeck lobte den Sportdirektor vor seinem Rückzug: „In der Kürze der Zeit war es eine fruchtbare Zusammenarbeit. Es war eine schwierige Aufgabe, elf Abgänge zu kompensieren. Das hat gut funktioniert.“ Rund 50 Bewerbungen auf Dufners Nachfolge sollen bei Kind eingegangen sein. Der Clubchef will offenbar gleich zwei neue Leute an Bord holen und einen Geschäftsführer und einen Sportchef unter Vertrag nehmen.