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Hannover: Zittern nur bis zum Winter

H96

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06/10/2015
 

Das erste Wochenende bei Hannover 96 bescherte Martin Bader Erfolge auf allen Ebenen. So kann der von Klub-Boss Martin Kind installierte Geschäftsführer des Bundesligisten deutlich entspannter auf die Länderspielpause blicken – von den düsteren Szenarien nach seinem Amtsantritt hat sich durch den 1:0-Sieg gegen Werder Bremen am ersten Oktober-Wochenende keines bewahrheitet.

(Foto: Imago)

Das Führungsduo von Hannover gemeinsam im Stadion: Geschäftsführer Martin Bader (links) und Klubboss Martin Kind. (Foto: Imago)

 

Durch den ersten Saisonerfolg konnten die 96er den letzten Tabellenplatz verlassen, und Bader muss die Suche nach einem Sportdirektor nicht um die Suche nach einem neuen Trainer erweitern. Michael Frontzeck hat seinen Arbeitsplatz durch vier Punkte aus den Nord-Derbys beim VfL Wolfsburg und gegen Werder Bremen vorerst gesichert – und zudem für einen allgemeinen Stimmungsaufschwung gesorgt. Nachdem es vor dem Duell gegen Werder laut Bader noch „sehr angespannt“ zuging, überwiegt nun die Zuversicht. Frontzeck nimmt das erleichtert zur Kenntnis: „Mir macht es nach wie vor sehr viel Spaß mit dieser Mannschaft. Die Jungs ziehen sehr gut mit. Daher freut es mich, dass wir nach langer, langer Zeit mal wieder mit einem Erfolg durch den Türrahmen gehen. Das macht einiges einfacher in den nächsten Tagen.“

Von absoluter Entspannung kann in Hannover dennoch keine Rede sein. Auch gegen Bremen wurden die spielerischen und qualitativen Mängel im Kader deutlich. In der Winterpause wird der Nachfolger des im August zurückgetretenen Sportdirektors Dirk Dufner enorm nachbessern müssen, um dem Verein eine Zitterpartie wie in der vergangenen Saison zu ersparen, als Hannover sich erst am letzten Spieltag vor dem Abstieg retten konnte.

(Foto: Imago)

Garanten eines wichtigen Erfolgs: Torschütze Salif Sané (links) und Torhüter Ron-Robert Zieler. (Foto: Imago)

 

Bader erhielt Vertrag bis 2018

Obwohl die Vorbereitungen für die zweite Transferperiode der Saison längst laufen, will Bader einen Schnellschuss für die Besetzung der vakanten Sportdirektor-Position vermeiden: „Hier gilt Sorgfalt vor Tempo.“ Dennoch hegt Kind den Wunsch, „im Oktober“ den Dufner-Nachfolger präsentieren zu können. Der neue Geschäftsführer Bader genießt dabei das volle Vertrauen Kinds. Der Klub-Patriarch hat den 47-Jährigen ausgewählt und ihm einen Vertrag bis 2018 gegeben, um die Verantwortung im sportlichen Bereich an ihn abzutreten – und ihn als Nachfolger aufzubauen: „Ziel ist eine Dauerlösung. Er soll das Gesicht von 96 werden.“ Nach Jahren im Zeichen des Aufschwungs haben die beiden Spielzeiten im Abstiegskampf den Klub-Boss viel Kraft gekostet. Die Personalie Bader soll ihn entlasten und die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen. „Ich musste Entscheidungen allein treffen“, sagte der 71-Jährige der ‚Neuen Presse‘. Und in Bezug auf seinen Verein: „Meine Zeit geht zu Ende. Ich mache weiter, es gibt genug zu tun bei 96, aber für den Sport ist Herr Bader zuständig.“

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Großer Rückhalt gegen Bremen und Hoffnungsträger in schwierigen Zeiten: Torwart Ron-Robert Zieler (Mitte). (Foto: Imago)

 

Doch auch in diesem Bereich mangelt es trotz des zarten Aufwärtstrends nicht an Arbeit. Dass Kind als Vorgabe ausgibt, „bis zum Dezember zu überleben“, um dann „kluge Entscheidungen zu treffen“, sagt viel aus über den Zustand der Mannschaft.  Gegen Bremen überragte allein der zuvor aus dem Nationalteam ausgemusterte Torhüter Ron-Robert Zieler. Ansonsten hapert es in allen Mannschaftsteilen, 16 Gegentore bedeuten ebenso den zweitschlechtesten Wert wie die selbst erzielten sieben Treffer. Das siegbringende 1:0 gegen Werder fiel im Anschluss an eine Standardsituation, spielerisch konnte 96 kaum einmal Akzente setzen.

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Ausgewählt, um Hannover aus dem Keller zu führen und ein Team zu entwickeln: Martin Bader. (Foto: Imago)

Auch Bader versucht nicht, die Situation zu beschönigen. Der langjährige Manager des 1. FC Nürnberg glaubt aber, den Verein langfristig wieder nach oben führen zu können: „Sportlich ist der Klub etwas in die Knie gegangen. Ich will das Schiff wieder in ein ruhiges Gewässer bekommen.“

Um das Projekt in dieser Spielzeit nicht schon nachhaltig zu gefährden, muss sich die aktuelle Mannschaft also halbwegs ordentlich durch die Hinrunde punkten. Da im Sommer nach dem späten Klassenerhalt keine geordnete Planung mehr gelang, sind finanzielle Reserven vorhanden, um den Kader im Winter noch einmal aufzuwerten.  „Wir haben Möglichkeiten, um Korrekturen vornehmen zu können“, sagt Bader.

Das gilt natürlich auch für die Suche nach einem Sportdirektor, der auch aus einem laufenden Vertrag herausgekauft werden könnte. Da der Klub einen ehemaligen Profi für die Position bevorzugt, wurde zuletzt neben dem Interesse an Oliver Kreuzer und Tim Borowski auch über eine Verpflichtung von Werder-Sportchef Rouwen Hennings spekuliert. Für Bader sind „die Gedanken frei“, er schließt lediglich einen Alleingang in der Personalplanung aus: „Ich werde Herrn Kind mit auf die Reise nehmen, wir werden zusammen entscheiden.“ Denn, und daran will Bader keine Zweifel aufkommen lassen: „Es ist ja immer noch der Verein von Martin Kind.“