Produkte für PKW / Van / 4x4

New content item

Hannover 96 auf Abschiedstour

H96

 Votes Print
 
23/03/2016
 

Wenn Pech, Pleiten und Pannen zusammenkommen, dann sind Spott und Häme meist nicht weit entfernt. Ein bemitleidenswertes Bild gibt Hannover 96 in der Bundesliga ab, der Abstieg scheint nur noch theoretisch abwendbar zu sein. Ein Testspiel gegen den Landesligisten Heesseler SV sollte Trainer Thomas Schaaf in der Länderspielpause am 22. März einige Aufschlüsse für den Saison-Endspurt vermitteln. Und ein wenig Werbung bei ihren enttäuschten Fans wollten „die Roten“ auch betreiben. Am Ende gewann das Bundesliga-Schlusslicht mit 9:4 (5:2) gegen die Amateur-Mannschaft. Aber vier Gegentore gegen den unterklassigen Gegner sorgten in den Fußball-Foren im Internet für reichlich Spott.


Die Schwächen in der Defensive waren tatsächlich nicht zu leugnen. „Ihr spielt wie ein Drittligist“, riefen einige der rund 1.000 Zuschauer. „Vier Gegentore sind natürlich zu viel. Aber wir waren sehr offensiv aufgestellt und hatten sechs Stürmer auf dem Platz“, sagte Thomas Schaaf. „Die Zuschauer hatten doch ihren Spaß.“ Mit den Offensivkräften konnte der Coach zufrieden sein. Hugo Almeida und Felix Klaus erzielten jeweils drei Tore. Ob das Hoffnung für die letzten sieben Spiele in der Bundesliga-Saison gibt, ist jedoch sehr fraglich. Nach zwölf Niederlagen aus den vergangenen 13 Bundesligaspielen beträgt der Rückstand der Hannoveraner auf das rettende Ufer bereits zehn Punkte.

(Foto: Imago)

Änis Ben-Hatira (im Hintergrund) erzielt aus Abseitsposition den 1:0-Siegtreffer für Frankfurt gegen Ron-Robert Zieler und Hannover 96. (Foto: Imago)

(Foto: Getty Images)

Seltener Grund zum Jubeln: In Stuttgart gewann Hannover 96 durch zwei Tore von Christian Schulz (links), der seinen Treffer zusammen mit Kenan Karaman (Nr. 26) feiert. (Foto: Getty Images)

 

Das 0:1 beim Tabellen-Vorletzten Eintracht Frankfurt am Wochenende vor Ostern zerstörte den wohl letzten, kleinen Funken Hoffnung. „Wenn wir in der letzten Woche gesagt haben, dass wir ein großes Wunder brauchen, dann brauchen wir diese Woche noch ein größeres“, sagte Torwart Ron-Robert Zieler nach der 20. Niederlage im 27. Saisonspiel. Die Talfahrt wird durch einen Blick zurück überdeutlich. In die Rückrunde war die Mannschaft vom 17. Platz gestartet. Die Ausbeute von 14 Punkten war dürftig, aber Bremen und Stuttgart waren nur einen Zähler entfernt. Auf Rang 18 lag Hoffenheim mit nur 13 Punkten. Zwei Monate später hat Hoffenheim seine Punktausbeute auf 27 Zähler mehr als verdoppelt. Hannover mit einem einzigen Sieg in der Rückrunde – dem 2:1 in Stuttgart – weist mit 17 Punkten eine wahrlich kümmerliche Ausbeute auf.

 

Die Maßnahmen von Trainer Schaaf greifen nicht

„So wenig Abstiegskampf hat es von einer Mannschaft in der Fußball-Bundesliga schon lange nicht mehr gegeben, so abgeschlagen und hoffnungslos wie die ‚Roten‘ nach dem 27. Spieltag ist seit Jahren kein Team mehr in Richtung 2. Liga getaumelt“, schrieb die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ nach dem 0:1 in Frankfurt. Die Niederlage war auch deswegen besonders frustrierend, weil der Gegentreffer aus einer Abseitsposition erzielt wurde. Edgar Prib beklagte darüber hinaus, dass ein Elfmeter nach einem Foul an ihm nicht gegeben wurde: „Wir haben ein ganz ordentliches Bild abgegeben, aber wir kriegen wieder ein kurioses Gegentor und uns wurde ein klarer Elfer verweigert. Das ist Wahnsinn.“


Sportdirektor Martin Bader nahm den glücklosen Thomas Schaaf, der in der Winterpause die Nachfolge des zurückgetretenen Michael Frontzeck übernommen hatte, trotz der anhaltenden Misserfolgsserie in Schutz: „Mehrere Dinge, die er aus seiner Erfahrung angeschoben hat, greifen nicht. Dann kommt man in eine Spirale rein. Unser größtes Problem ist, dass wir nach Rückschlägen nicht wieder den Kopf hochnehmen. Da stößt auch Thomas Schaaf an seine Grenzen.“ Die Tatsache, dass Thomas Schaaf seine persönliche Zukunft offengelassen hat, löste intensive Diskussionen im Umfeld des Vereins aus. Ein klares Treuebekenntnis wäre in der prekären Lage angemessen gewesen, lautete ein Argument. Bader erklärte, er werde mit Schaaf noch darüber sprechen, ob er als Trainer auch nach einem Abstieg in die zweite Bundesliga zu Verfügung stehen würde.

(Foto: Getty Images)

Thomas Schaaf (links) hat gegenüber Martin Bader (rechts) noch nicht erklärt, ob er für Hannover 96 über die Saison 2015/16 hinaus tätig bleiben wird. (Foto: Getty Images)

 

Die Zeichen, dass für Hannover die Zeit in der Bundesliga nach 14 Jahren zu Ende geht, sind eindeutig. Kaum ein Experte gibt dem 96-Team noch eine Chance. Kontinuierlich ging es in den letzten Jahren bergab. Der vierte Platz am Ende der Saison 2010/11 war ein riesiger Erfolg, auch durch gute Auftritte in der Europa League machte sich der Verein einen Namen. Danach sackte der Klub nach den ordentlichen Platzierungen sieben, neun und zehn in der vorigen Spielzeit 2014/15 auf Platz 13 ab. Wobei der Klassenerhalt erst nach einem starken Endspurt unter Frontzeck im letzten Spiel mit einem Heimsieg gegen Freiburg perfekt gemacht wurde. Vieles sieht danach aus, als würde Hannover 96 in den verbleibenden sieben Spieltagen 2015/16 eine Abschiedstour durch die Bundesliga machen. Zu Hause treffen „die Roten“ noch auf den Hamburger SV (2. April), Borussia Mönchengladbach (15. März), Schalke 04 (30. April) und auf die TSG Hoffenheim (7. Mai). Auswärts tritt das Team noch bei Hertha BSC in Berlin (8. April), beim FC Ingolstadt (23. April) und am letzten Spieltag bei Bayern München (14. Mai) an. 

(Foto: Imago)

Torwart Ron-Robert Zieler hat kaum noch Hoffnung, dass Hannover 96 in der Bundesliga bleibt. Er wird im Falle des Abstiegs den Verein wohl verlassen. (Foto: Imago)

 

Die Planungen für die zweite Liga laufen bereits, auch weil die Deutsche Fußball-Liga diese verlangt. Wichtige Spieler werden den Verein mit Sicherheit verlassen. Torwart Ron-Robert Zieler wird bereits mit Bayer Leverkusen in Verbindung gebracht, weil die Rheinländer eventuell ihren Torwart Bernd Leno an RB Leipzig, einen der möglichen Bundesliga-Aufsteiger, verlieren könnten. Auch der 1. FC Köln und sogar Manchester City wurden bereits gehandelt. „Ich konzentriere mich jetzt auf die letzten Spiele mit Hannover 96. Das ist meine Pflicht und meine Aufgabe. Alles andere wird man sehen“, sagte Zieler. Anders als sein aktueller Verein wird er sicherlich weiter Erstklassig spielen.