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Stendel hat Bock auf aussichtslose Mission

H96

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06/04/2016
 

Der neue Trainer soll in den verbleibenden sechs Spielen den Ruf von Hannover 96 aufpolieren und der Mannschaft wieder Kampfgeist einhauchen. An den Klassenverbleib glaubt angesichts von zehn Punkten Rückstand niemand mehr so recht, dennoch wird die Zielgerade der Saison als wichtig erachtet, um die Fans für den Neuanfang in der Zweiten Liga zu gewinnen.


Obwohl er an seinem 42. Geburtstag die persönliche Rückkehr in die Bundesliga feiern durfte, war die Freude bei Daniel Stendel nicht unbedingt grenzenlos. Denn der frühere Stürmer von Hannover 96, der zuletzt die U19 des Clubs trainierte, hat seine Beförderung einem traurigen Umstand zu verdanken: Hannover 96 spielt eine grausame Rückrunde und wird sich deshalb in der kommenden Saison in der 2. Bundesliga wiederfinden. Zum ersten Mal seit 2002 – als Stendel mithalf, den Klub als Stürmer in die erste Liga zu schießen.


Chef für sechs Spiele:  Daniel Stendel (l.) bei seiner Vorstellung mit Geschäftsführer Martin Bader. Foto: (Getty Images)

 

Der mit der Rettung beauftragte Thomas Schaaf wurde zuvor mitsamt seiner Assistenten Wolfgang Rolff und Matthias Hönerbach entlassen, nachdem die Mannschaft unter der Leitung des Trios zehn Niederlagen in elf Spielen kassiert und das rettende Ufer aus den Augen verloren hatte. Der Verein gab einen Tag nach dem 0:3 gegen den Hamburger SV die Gründe bekannt: Das ist das Ergebnis von langen, intensiven Analysen zwischen den 96-Geschäftsführern Martin Kind und Martin Bader sowie dem bisherigen Coach. Wir haben uns die Entscheidung ganz bestimmt nicht leicht gemacht. Thomas ist seiner Arbeit immer sehr akribisch und zielorientiert nachgegangen. Er hat zusammen mit seinem Trainerteam alle Möglichkeiten ausgeschöpft, positive Ergebnisse mit der Mannschaft zu erzielen. Das ist leider nicht gelungen", erklärte Bader. Und weiter: „Nach der zehnten Niederlage im elften Spiel sind wir daher zu dem Entschluss gekommen, dass wir so die Saison nicht beenden wollen und versuchen mit dem Wechsel auf der Trainerposition noch einmal einen neuen Impuls zu geben. Wohl wissend, dass der Klassenerhalt bei zehn Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz nur noch sehr theoretisch möglich ist.“

 

Stendel: „Hannover 96 ist mehr als ein Verein für mich“

Somit ist Stendel nun beauftragt, den bevorstehenden Abstieg zumindest gefühlt etwas erträglicher zu gestalten und die Mannschaft so aufzubauen, dass sich die Fans wieder mit ihr identifizieren können und den Neuanfang in der Zweiten Liga unterstützen. Für die „Mission Wiederaufstieg“ sucht Hannover noch nach einem neuen Trainer. Stendel sagte dennoch sofort zu, die Mannschaft für die kommenden Wochen zu übernehmen – und im Anschluss wieder im Nachwuchsleistungszentrum zu arbeiten, wo er seit 2013 die A-Junioren trainierte. Die Motivation für den Auftrag ergibt sich aus seiner Vergangenheit: „Ich bin mit kurzen Unterbrechungen seit 1999 in Hannover, 96 ist mehr als ein Verein für mich.“

Daniel Stendel als Hannover-Profi im Jahr 2002 im Duell mit dem damaligen Wolfsburger Tobias Rau. (Foto: Imago)

 

In den verbleibenden sechs Spielen gegen Berlin (A), Mönchengladbach (H), Ingolstadt (A), Schalke (H), Hoffenheim (H) und beim FC Bayern hat sich der 42-Jährige klare Ziele gesetzt.  „Ich will die Jungs dazu bringen, alles aus sich herauszuholen. Es geht jetzt darum, mal die Ärmel hochzukrempeln und sich durchzubeißen. Da haben wir noch Reserven.“ Zudem solle die Mannschaft „mit Herz und mutig nach vorne spielen“. Stendel steht in Hannover für diese Merkmale, als rackernder Stürmer erzielte er zwischen 1999 und 2006 insgesamt 43 Tore für den Klub.

Kind nicht zufrieden mit Bader und Möckel

Plant den Neustart in der Zweiten Liga: Klub-Boss Martin Kind. (Foto: Imago)

 

Bei der Frage nach der Verantwortung für den sportlichen Niedergang in dieser Spielzeit nannte Martin Kind aber nicht allein Thomas Schaaf. Der Klub-Boss beurteilt auch die Arbeit des im Oktober 2015 verpflichteten Geschäftsführers Martin Bader (48) und des im November geholten Sportlichen Leiters Christian Möckel (42) kritisch. Das Duo hatte den Trainer sowie die sechs Winter-Zugänge Hotaru Yamaguchi, Iver Fossum, Adam Szalai, Marius Wolf, Hugo Almeida und Alexander Milosevic verpflichtet. „Ich bin für alles der Gesamtverantwortliche, stelle mich jeder Kritik. Ich weise aber darauf hin, dass ich bei Transfers nur wirtschaftlich eingebunden war“, sagte Kind. Und: „Im Winter hatten wir einen Punkt Rückstand auf Platz 15, jetzt sind es zehn. Wir haben die teuerste Mannschaft, den höchsten Transferaufwand – und wir steigen ab. Das passt nicht zusammen."

Kein Glück in der Rückrunde: Hugo Almeida (l.) konnte die eigenen Erwartungen und die des Clubs bislang nicht erfüllen. (Foto: Imago)

 

Für Daniel Stendel ist das in den verbleibenden sechs Spielen unerheblich. Er gibt sich keinen Phantasien hin – glaubt aber, einen positiven Effekt herbeiführen zu können: „Die Tabelle können wir alle lesen. Das ist nicht das, was mich primär beschäftigt. Ich habe Bock auf positive Schlagzeilen.“