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Neues Ziel von Hannover 96: Wiederaufstieg mit Stendel

H96

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04/05/2016
 

Am Sonntag, dem 24. April, um 19.22 Uhr stand es fest: Ende, Aus, Hannover 96 ist zum fünften Mal aus der Bundesliga abgestiegen. Um 19.13 Uhr war in Frankfurt das Tor der Eintracht zum 2:1 gegen Mainz gefallen. Mit dem Schlusspfiff stand fest, dass „die Roten“ nicht mehr zu retten sind. Festzuhalten ist aber auch: Die Hannoveraner haben sich mit Würde aus der ersten Liga verabschiedet.

 

Ron-Robert Zieler hatte am Vortag das Dilemma noch in Worte gefasst: „Wir leben wieder – leider zu spät.“ Denn am Samstag zuvor hatte Hannover sich noch einmal gegen den Absturz nach 14 Jahren in der deutschen Eliteklasse gestemmt. Ein 2:2 erreichte die Mannschaft beim FC Ingolstadt - trotz eines 0:2-Rückstandes. Guten Fußball bot das Team gegen den Aufsteiger aus Bayern, der allerdings 70 Minuten nach dem Platzverweis von Roman Bregerie nur mit zehn Feldspieler agierte. Wie schon in den vorangegangenen Partien, beim 1:0 gegen den Champions-League-Teilnehmer Borussia Mönchengladbach oder dem 2:2 bei Hertha BSC in Berlin, wurde eine Leistung präsentiert, die keineswegs „abstiegswürdig“ war. Wäre das gleiche Niveau wie in der zweiten Halbzeit in Ingolstadt über lange Strecken der Saison geboten worden - Hannover 96 hätte sicherlich ein 15. Jahr erste Bundesliga seit dem Aufstieg 2002 anhängen können.

Die „Roten“ können noch jubeln: Torschütze Waldemar Anton (Nr. 31), Noah-Joel Sarenren-Bazee (37), Hiroshi Kiyotake (19) und Hiroki Sakai (4) beim 1:0-Sieg gegen Gladbach. (Foto: Imago)

 

Nun haben die „Roten“ ein neues Ziel: Direkter Wiederkehr nach einer Saison in der zweiten Liga. Und das mit einem Trainer namens Daniel Stendel, der dem Team zum Saisonausklang neues Leben einhauchte. Drei Spiele, fünf Punkte, ungeschlagen - damit konnte das Team unter Stendel mehr Zählbares holen als unter dessen Vorgänger Thomas Schaaf (11 Spiele, drei Punkte). Der zunächst nur als Interimscoach vorgesehene 42-Jährige wurde nach dem Auftritt in Ingolstadt zum Cheftrainer auch für das kommende Spieljahr ernannt. Die Spekulationen, dass Mirko Slomka erneut von „96“ engagiert werden würde, waren damit beendet. Unter Stendel ist trotz der letzten Tage der Abschiedstour in der Bundesliga eine neue Aufbruchstimmung entstanden. Daran konnte dann auch die erste Niederlage unter seiner Regie mit dem 1:3 gegen Schalke 04 am 32. Spieltag nichts ändern.

1.500 Fans belohnten den leider zu spät gekommenen Aufschwung des Hannover-Teams mit einer tollen Treue-Choreografie beim 2:2 in Ingolstadt. (Foto: Imago)

 

Präsident Kind: „Hannover gehört in die Bundesliga“

Zuvor hatte am letzten Dienstag im April die richtungsweisende Jahreshauptversammlung des Vereins stattgefunden. Präsident Martin Kind, der extrem viel für den Klub geleistet hat, dem aber auch angeblich „patriarchalisches Gehabe in jüngerer Vergangenheit“ (Frankfurter Rundschau) vorgehalten wurde, kam in der Versammlung  mit einem „blauen Auge“ davon, wie einige Kommentatoren schrieben. Ein Putschversuch gegen Kind, der unbestreitbar viel für Hannover 96 geleistet hat, scheiterte. Aber den Kritikern des Unternehmers gelang es, zwei Vertreter in den fünfköpfigen Aufsichtsrat zu schicken. Der Aufsichtsrat bestimmt den Vereinsvorsitzenden. Kind, der wohl auch von der aufgehellten Stimmung im Zuge der letzten, besseren Ergebnisse in der Bundsliga profitierte, kann also sein Wirken zum Wohle der „Roten“ fortsetzen. In den beiden Tagen nach der Klubversammlung trafen die Verantwortlichen dann die Entscheidung pro Stendel.

Daniel Stendel, 42 Jahre, weist Hannover 96 in die richtige Richtung. Er bleibt Trainer auch in der zweiten Liga. (Foto: Imago)

 

Dass Hannover nur ein Jahr in Liga zwei verharrt, dafür will Kind sorgen. „Wir wollen wieder aufsteigen“, sagte er. „Hannover gehört in die Bundesliga.“ Das lange Siechen in der Saison - seit Beginn der Rückrunde wird der letzte Tabellenplatz belegt und schon am 3. Spieltag lag die Mannschaft erstmals auf Rang 16 - gab Kind zu: „Ein Abstieg tut weh, er ist schmerzhaft. Alles andere wäre unehrlich.“ Der Absturz in die Unterklassigkeit wäre das Ende eines Prozesses, der schon vor zwei Jahren eingesetzt habe, meinte Kind.

 

Die Personalplanungen laufen - Zieler geht nach sechs Jahren

Schon 1974, 1976, 1986 und 1989 war Hannover abgestiegen. Nun gilt es, dass diesmal eine lange Abstinenz von der Eliteliga über 13 Jahre wie beim Abstieg 1989 vermieden wird. Nicht wenige Experten meinen, dass diesmal mit der frühen Abstiegsentscheidung ein positiver Effekt verbunden sein sollte. Die Planungen für die zweite Liga können gezielt angegangen werden. Steht ein Abstieg erst nach dem 34. Spieltag oder nach der Relegation fest, zeigen die Erfahrungen, dass die Personalplanungen für einen Zweitliga-Kader sehr viel schwieriger werden.

Hannovers Abwehrspieler Miiko Albornoz (vorne) gibt dem Gladbacher Stürmer Thorgan Hazard elegant das Nachsehen. (Foto: Imago)

 

Eine Personalfrage wurde frühzeitig geklärt. Ron-Robert Zieler verlässt den Klub nach sechs Jahren. Der 27 Jahre alte Nationalspieler wird sich einem neuen Verein anschließen. Als einer der besten deutschen Torhüter hat er mehrere Angebot vorliegen, aber offenbar die Entscheidung über seinen künftigen Arbeitgeber noch nicht getroffen. Der seinerzeit von Manchester United geholte Rheinländer hat großartige Leistungen in den vergangenen Jahren geboten und großen Anteil daran, dass Hannover zwei Jahre in der Europa League beachtliche Erfolge erzielen konnte. Doch nun geht Zielers Zeit bei Hannover zu Ende und die Zeit der „Roten“ in der Bundesliga. Bleibt am Schluss - am 34. Spieltag am 14. Mai - wohl nur noch die Teilnahme als Gegner des FC Bayern München und dessen Meisterfeier. Tränen werden dann bei den Hannoveranern nicht mehr fließen.