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Hannovers perfekter Dreiklang

H96

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31/10/2016

Säule für die Zukunft: Salif Sané (vorn) verlängerte seinen Vertrag in Hannover bis 2020. (Foto: Imago)

 

Nach der Vertragsverlängerung mit Kapitän Salif Sané, dem Einzug in das Achtelfinale des DFB-Pokals gelingt auch in der 2. Bundesliga ein Erfolg: In einer furiosen Nachspielzeit sichert die Mannschaft von Daniel Stendel den 3:1-Sieg gegen Würzburg und rückt damit wieder auf einen Platz vor, der am Saisonende zum Wiederaufstieg führen kann. Vor dem Derby bei Eintracht Braunschweig findet der Trainer dennoch deutliche Worte. 


Es waren verrückte sechs Minuten, die aus einer ordentlichen eine sehr gute Woche für Hannover 96 machten. Es glückte ein perfekter Dreiklang: Wenige Tage nach der umjubelten Vertragsverlängerung von Kapitän Salif Sané bis 2020 und dem furiosen 6:1-Sieg im DFB-Pokal gegen Fortuna Düsseldorf erlebten die Fans in der heimischen Arena einen weiteren Erfolg und ein weiteres Spektakel. Allerdings war das 3:1 (0:1) gegen die Würzburger Kickers keine komplette Jubelveranstaltung vor 31.200 Zuschauern, sondern eine echte Gefahr für Menschen mit Herzschrittmachern. Und so hatte es bis in die sechste Minute der Nachspielzeit gedauert, bis die Mannschaft von Trainer Daniel Stendel den Sieg und damit den Sprung auf Rang drei perfekt machte.

Elfer-Held: Der nominelle Ersatztorhüter Samuel Sahin-Radlinger rettete gegen Würzburg den Sieg. (Foto: Imago)

 

Martin Harnik mit seinem zweiten Tor der Partie sorgte für die späte Erlösung, nachdem den Fans fünf Minuten zuvor noch eine triste Heimfahrt gedroht hatte: Nach einem Foul von Samuel Sahin-Radlinger, der den verletzten Philipp Tschauner im Tor vertrat, bekam Würzburg beim Stand von 2:1 einen Elfmeter zugesprochen. Doch statt den Ausgleichstreffer zu kassieren, den Verlust zweier wichtiger Punkte zu beklagen und den nächsten Rückschlag für den Aufstiegsplan verkraften zu müssen, hielt das Schicksal zwei Momente für 96 bereit, die das Stadion in ein Tollhaus verwandelten: Erst parierte Sahin-Radlinger den Strafstoß, dann traf Harnik zum 3:1. „Ende gut, alles gut“ – so empfanden es fast alle Zeitzeugen diesen furiosen Schlussakt.


Doch einer wollte sich dem Fazit nicht so recht anschließen, eine Woche vor dem Derby beim Spitzenreiter Eintracht Braunschweig mochte Daniel Stendel nicht in den allgemeinen Zufriedenheits-Modus wechseln. Zu schwach hatte sich seine Mannschaft in den ersten 45 Minuten präsentiert: „Für das, was wir in der ersten Halbzeit auf den Platz gebracht haben, fehlen mir die Worte. In der Halbzeitpause habe ich eine Menge Worte gefunden.“ Für die Leistung habe er keine Erklärung. „Und ich hatte nicht den Eindruck, dass meine Spieler eine haben“, sagte der Trainer. Immerhin konnte Stendel selbst dem einzig Negativem an diesem Tag etwas abgewinnen: „Jetzt hat auch der Letzte verstanden, was notwendig ist, um Spiele in der 2. Liga zu gewinnen.“

Stendels Appell wird erhört

Die Kritik war deutlich und es war trotz der Erleichterung über den Sieg spürbar, dass die erste Halbzeit an Stendel genagt hatte, nachdem die beiden Niederlagen in den vorangegangenen Liga-Spielen in Berlin (1:2) und in Nürnberg (0:2) den Ambitionen des Klubs einen ordentlichen Dämpfer verpasst und zu einem Sturz auf Rang fünf geführt hatten. Angesichts des Negativtrends hatte er unter der Woche eindringlich an die Spieler appelliert: „Ich kann der Mannschaft nicht vorwerfen, in den zwei Spielen nicht alles gegeben zu haben. Unsere hohe Qualität, die wir im Kader haben, muss sich aber auch auf dem Platz widerspiegeln. Die Mannschaft muss dafür alles tun.“

Großer Kampf, keine Punkte: Patrick Weihrauch (r.) und die Würzburger Kickers .(Foto: Imago)

 

Gegen Würzburg wurden die Worte des Trainers zwar erst spät, immerhin aber rechtzeitig erhört. Die mit einem Durchschnittsalter von nur 24,74 Jahren angetretene Mannschaft verdiente sich die drei Punkte durch starken Einsatzwillen und individuelle Klasse. Mit 115,65 Kilometern liefen die Hannoveraner 1,5 Kilometer mehr als die Würzburger Kickers, sprinteten mehr (232:207), hatten Vorteile im Ballbesitz (51,7:48,3%) und gewannen mehr Zweikämpfe (53,9:46,1%). Entsprechend versöhnlich zeigte sich Stendel, der sich sogar einen positiven Effekt erhofft: „In der zweiten Hälfte haben wir deutlich mehr Moral gezeigt und haben verdient den Ausgleich geschossen, haben den Schwung mitgenommen, dann relativ schnell das 2:1 gemacht. Die Dramatik am Ende, das sind Spiele die man manchmal braucht, um einen Schub mitzunehmen.“

Felix Klaus sticht heraus

Neben Doppeltorschütze Harnik und Elfmeter-Held Sahin-Radlinger stach gegen Würzburg besonders Felix Klaus heraus. Der Stürmer erzielte die Führung zum 2:1 (67.) und ließ zudem mit besonderen Werten aufhorchen. Er lief von allen 96ern am meisten (11,52 km) und verbuchte die beste Zweikampfquote (73,68%) – eine enorme Leistung für einen Angreifer. Und ein weiteres Indiz für seine enorme Formstärke: In den vergangenen sechs Ligaspielen erzielt der 24-Jährige vier Tore.

Dank an der Torschützen: 96-Trainer Daniel Stendel (l.) beglückwünscht Felix Klaus zu einer starken Leistung. (Foto: Imago)

 

Harnik und Klaus haben nun bereits acht Treffer zusammen erzielt, trafen zudem beim 6:1 im Pokal jeweils doppelt und kommen immer besser in Fahrt. Das Duo macht vor dem mit Spannung erwarteten Derby in Braunschweig am Sonntag (6. November) Hoffnung auf mehr. Mit einem Sieg könnte Hannover die Stimmung noch einmal deutlich verbessern – und den Abstand auf den Tabellenführer auf zwei Punkte verkürzen. Das würde auch Salif Sané erfreuen, denn worum es in dieser Saison einzig und allein geht, verdeutlichte er nach seiner Vertragsverlängerung noch einmal: „Mein Ziel ist die Rückkehr in die 1. Liga.“  Doch für den Wiederaufstieg braucht es nach gut einem Drittel der Saison, in der die „Roten“ in elf Spielen sechs Siege und zwei Unentschieden bei drei Niederlagen erreichten, eine nachhaltig gute Form. Und das Idealziel lautet, auf Platz eins oder zwei vorzurücken, denn der dritte Rang wäre mit der Relegation gegen den 16. der ersten Bundesliga verbunden.