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Jermaine Jones führt Colorado an die Spitze

MLS

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18/05/2016
 

Colorado Rapids und die Fans des Meisters von 2010 hoffen auf einen neuen Triumphzug in der Major League Soccer (MLS). Und diese Hoffnungen sind eng mit einem in Deutschland sehr bekannten Namen verbunden: Jermaine Jones, der Frankfurter, der in der Bundesliga seine beste Zeit beim FC Schalke 04 erlebte, hat das Team aus den Rocky Mountains an die Spitze der MLS geführt. Der 34-Jährige, der Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft und für die USA-Auswahl inklusive der WM 2014 bestritt, erlebt seinen x-ten Frühling. „Welcome to the Rockies“, so feierten die Rapids-Fans den Deutschamerikaner, nachdem er erst am 16. April ein phantastisches Debüt für das Team aus Denver geben konnte.  Ein Tor schoss er beim 2:1 gegen die New York Red Bulls selbst, dann gab Jones die Torvorlage zum Siegtreffer von Dominique Badji.


„Er ist sehr wichtig für uns geworden, er gibt unseren Spiel ausgezeichnete Impulse“, lobte Rapids-Trainer Pablo Mastroeni den Mittelfeldspieler. Der Coach hat Jones eine neue Rolle verpasst, aus dem defensiven Mittelfeldmann ist eine „Nummer 10“ geworden, der das Spiel als Ideengeber antreibt und selbst sehr torgefährlich agiert. Die Leistungen von Jones sprechen für sich. Vier Siege und zwei Unentschieden errang Colorado, seitdem er zur Stammelf von Rapids gehört. Drei wertvolle Tore erzielte der Hesse. Er traf jeweils bei den Siegen gegen die Red Bulls, beim 3:1 gegen die Seattle Sounder, als ihm das 1:0 gelang, und beim 1:0 gegen Salt Lake Earthquake erzielte Jones sogar den Goldenen Treffer erzielte, der den Rapids gegen den Lokalrivalen einen besonderen Erfolg einbrachte. Die Duelle zwischen Salt Lake und Colorado zählen zur Wertung um den Rocky-Mountains-Cup, einem in die MLS eingebetteten Spezialwettbewerb, an dem allerdings nur diese beiden Teams teilnehmen.

Jermaine Jones (Mitte) mit Colorado Rapids beim 3:1 gegen die Seattle Sounders mit dem Österreicher und Ex-Mainzer Andreas Ivanschitz (links) und  Cristian Roldan. (Foto: Imago)

Im Zweikampf robust, aber mit starker Technik ausgestattet: Jermaine Jones im Rapids-Trikot beim 1:1 gegen Columbus am 15. Mai 2016. (Foto: Imago) 

 

Stark trumpfte Jones auch auf, wenn er selbst torlos blieb, so beim 2:2 bei Montreal Impact mit Superstar Didier Drogba, als er eine Torvorlage gab. Dem 1:0 gegen Kansas City folgte das 1:1 bei Vizemeister Columbus Crew. Mit sieben Spielen ohne Niederlage (5 Siege, 2 Remis) rückte Colorado auf Platz eins in der spielstarken Western Conference.


Eigentlich schien die MLS-Karriere von Jones noch im März schon beendet, nachdem er bei den New England Revolution ein Jahr nach der Vizemeisterschaft keinen neuen Vertrag mehr erhalten hatte. Sehr spät unterschrieb Jones, der in Deutschland immer wieder mal als Enfant terrible aufgefallen war, noch einen Kontrakt bei den Rapids und wurde in der ersten März-Woche vom Club vorgestellt. In kurzer Zeit avancierte er zum Liebling der Fans in Commerce City, einem Vorort von Denver, wo das Stadion der Rapids steht. Erstmals seit 2008 steht der Club mit Jones Mitte Mai auf dem Spitzenplatz in der Western Conference und zugleich auf Rang eins der Gesamtwertung um den Supporter’s Shield. „Als Jermaine kam und mit uns vier bis fünf Wochen trainiert hatte, erkannte ich seine Fähigkeiten, auf Ballbesitz zu spielen und kreative Pässe schlagen zu können. Deswegen habe ich ihn auf dem Spielfeld weiter nach vorne geschoben“, erläuterte Trainer Mastroeni seine Entscheidung, aus Jones eine spielbestimmende Figur zu formen. Auf neuer Position, aber mit seiner gewohnten Einstellung zeigt der Ex-Schalker mit seinem großen Kämpferherzen volles Engagement. 

 

Der Ex-Schalker ist Held und Bösewicht 

„Pablo und ich über meine neue Rolle gesprochen, in der ich mehr Einfluss auf das Spiel habe. Ich fühle mich auf der Position sehr wohl. Es entspricht meiner Persönlichkeit“, sagte Jones und lobte den 39 Jahre alten Coach, der für ihn der „Hauptschlüssel“ gewesen sei, nach Colorado zu kommen. Er könne nicht nur das Spiel des Gegners zerstören, betonte Jones. Zu Beginn seiner Karriere habe er bei Eintracht Frankfurt auch viel offensiver gespielt, als es danach in den Clubteams und auch in den Nationalmannschaften von Deutschland und der USA der Fall war. „Die meisten Trainer haben danach allerdings immer gesagt, ich solle hinten bleiben mit meiner physisch starken Spielweise. Jetzt genieße ich es, endlich wieder weiter vorne spielen zu können.“ Seine robuste Art hat Jones auch vorne behalten. Und nach Popularität heischt er weiterhin nicht. „Wenn man weiß, dass die gegnerischen Fans einen hassen, wenn man ins Stadion kommt, dann steckt auch Respekt darin“, erklärte Jones gegenüber amerikanischen Sportreportern. Einer von ihnen schrieb danach: „Man sagt, entweder man stirbt als Held oder lebt lange genug, um ein Bösewicht zu werden. In Jermaine Jones haben die Colorado Rapids beide gefunden.“ 


Rapids-Trainer Mastroeni räumte sogar ein, dass ihn das schroffe, schlecht gelaunte Auftreten seines neuen Spielmachers und Teamleaders beeindruckt hat. „Wer gegen ihn spielt, weiß vorher genau, dass Jermaine jeden Zweikampf bestreiten und keinen hartem Duell aus dem Weg gehen wird. Früher habe dem Rapids-Team ein Spieler aus dem Holz von Jones gefehlt. „Wir haben Jermaine als den Spieler identifiziert, den wir im Team für unsere jungen Spieler am besten gebrauchen könnten. Er geht mit gutem Beispiel voran, er ist hochmotiviert, jedes Match gewinnen zu wollen“, sagte Rapids Vizepräsident Paul Bravo. 

Jermaine Jones im Trikot der US-Nationalmannschaft im Januar 2016 beim 3:2 gegen Island. (Foto: Getty Images)

 

Jones war mit einem schweren Rucksack aus der vergangenen Saison gekommen. Der Kapitän der New England Revolution hatte am 28. Oktober nach einer vermeintlichen Fehlentscheidung den Schiedsrichter Mark Geiger beschimpft und ihn anschließend gestoßen. Jones sah die Rote Karte. Der Vorfall ereignete sich in der Nachspielzeit des K.o.-Duells bei D.C. United um den Einzug ins Play-off-Viertelfinale. New England unterlag 1:2 und schied aus. Die Sechs-Spiele-Sperre wurde auf die neue Saison übertragen, zudem musste Jones eine Geldstrafe in nicht bekannter Höhe zahlen. Die Sperre wurde zum Hindernis einen neuen Club zu finden – bis sich die Rapids entschlossen, Jones zu holen. Nun profitieren beide Seiten von der neuen Partnerschaft. 

Drei Länderspiele für Deutschland im Jahr 2008, danach fast 60 Länderspiele für die USA hat Jermaine Jones bestritten, wie gegen Panama im Jahr 2015 (1:1). (Foto: Getty Images)