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Löw beginnt Erneuerung des Weltmeister-Teams

UEFA Euro 2016

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10/09/2014
 

Was er an Thomas Müller hat, weiß Joachim Löw genau. Nichts mehr an dem 24-Jäjhrigen kann ihn überraschen. „Verblüffen kann er mich nicht mehr. Mit ihm habe ich schon sehr viel erlebt“, erklärte der Bundestrainer, als er auf „Matchwinner“ Müller zu sprechen kam. Der Münchner, der mit zwei Treffern das 2:1 (1:0) gegen Schottland beim Start in die EM-Qualifikation gerettet hatte, habe eben eine ausgeprägte „Hungrigkeit“ nach Toren. So kreativ, das Wort Hunger zu umschreiben, war Löw auch bei seiner neuesten Entdeckung gewesen. Damit war er es gewesen, der wieder für eine Überraschung der meisten der 60.200 Zuschauer in Dortmund sorgte.

Thomas Müller erzielt den 2:1-Siegtreffer der deutschen Nationalmannschaft gegen Schottland. Der Weltmeister startet mit drei Punkten in die Qualifikation zur EM 2016. (Foto: GES/Augenklick)

 

Auf der rechten Außenverteidiger-Position bot er am Sonntagabend einen Spieler auf, auf dessen Trikot die Nummer 7 und der Nachname „Rudy“ stand. Aber denHoffenheimer Rudy (24), der wie der linke Außenverteidiger Erik Durm (22 Jahre) erst zum dritten Länderspieleinsatz kam, in die Viererkette aufzustellen, war nur der Beginn einer neuen Experimentierzeit. Die Rücktritte und einige Ausfälle erzwang schon acht Wochen nach dem WM-Triumph von Rio gegen die kampfstarken Schotten eine Erneuerung der Elf ohne die bewährten Führungsspieler.

„Wir müssen die nächsten Monate ein bisschen improvisieren“

Sebastian Rudy ist eigentlich ein defensiver Mittelfeldspieler. Der gebürtige Schwarzwälder nahm diese Stelle bis zum vorigen Jahr in der U21-Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und spielt auf dieser Position in seinem Verein. „Ich habe einfach gedacht, es ist einmal eine gute Variante, ihn rechts hinten  zu bringen, und er hat es gut gemacht“, sagte Löw und machte klar, dass er bald weitere ungewöhnliche Personalentscheidungen treffen wird. „Wir müssen die nächsten Monate ein bisschen improvisieren“, erklärte der Bundestrainer und bereitete damit die Fans auf eine Phase vor, in der der Weltranglisten-Erste quasi logischerweise deutlich an Qualität im Vergleich zur WM verlieren wird.

Sebastian Rudy aus Hoffenheim spielte gegen Schottland erstmals rechter Außenverteidiger in der deutschen Nationalelf. Joachim Löw will weitere Kandidaten testen. (Foto: GES/Augenklick)

 

Die Neuausrichtung ist auch der Preis des vierten WM-Titels, es sind die Spätfolgen des kräftezehrenden WM-Turniers, bei der viele Spieler an ihre Grenzen gingen. Bastian Schweinsteiger überschritt sein Limit sogar, auch Sami Khediras Muskelbündelriss dürfte im Zusammenhang mit einer Überlastung im Juni und Juli stehen. Khedira werde wohl auch für die Oktober-Spiele ausfallen, meinte Löw. Gegen die Schotten traf es dann Marco Reus, der lange behandelt werden musste, ehe er kurz vor Schluss humpelnd vom Spielfeld geführt wurde. Am Montag kam die Diagnose: Der Mittelfeldspieler verletzte sich wie im letzten WM-Test gegen Armenien  am linken Sprunggelenk, weswegen er die Teilnahme an der WM verpasste hatte. Mit einem Außenbandteilriss sowie einer Dehnung der Fußwurzelbänder wird er vier Wochen pausieren müssen. Der zweite Ausfall des Leistungsträgers wird Borussia Dortmund noch weniger gefallen als Löw. Beim 2:4 gegen Argentinien hatte sich schon der Schalker Julian Draxler, der für Löw eine Alternative für Reus ist, verletzt.

 

Löw wird sein Außenverteidiger-Casting fortsetzen

Dass in der zweiten Halbzeit in Dortmund laut Löw „ein bisschen die Spielkontrolle verloren wurde“, begründete er auch damit, dass alle Spieler aus dem WM-Kader in der jetzigen Saisonphase nicht die beste Fitness besitzen. Deutlich wurde dies bei den Innenverteidigern Benedikt Höwedes und Jerome Boateng, weswegen die Abwehr in der zweiten Halbzeit auf wackligen Beinen stand. Auch Toni Kroos und Mario Götze sind, noch nicht voll erholt von der WM-Mühen, nicht in Topform. Aber wenigstens einer funktionierte vor dem gegnerischen Tor normal. „Wenn du einen Spieler hast wie Müller, der 2,50 Meter hoch springen kann, kannst du die Tore nicht vermeiden. Müller ist einfach eine einzigartige Maschine“, sagte Schottlands Trainer Gordon Strachan über den Stürmer des FC Bayern, der in den neun letzten Länderspielen acht Tore schoss.

Für die Offensive muss sich Löw kaum Sorgen machen, aber in der Abwehr ist noch viel zu klären. Der Bundestrainer will dort nicht mehr mit vier Innenverteidigern wie bei der WM spielen, was mit Höwedes, Boateng, Hummels und dem wohl bald zurückkehrenden Holger Badstuber möglich wäre. Und auch eine Dreierkette, obwohl er sich damit beschäftigt hat, gehört nicht zu Löws konkreten Planungen. Er will künftig Außenverteidiger bringen, die offensiv agieren. In diesem Jahr hat er die Außenpositionen schon mit neun verschiedenen Spielern besetzt.

Die deutsche Nationalelf vor dem 2:1 gegen Schottland: Boateng, Reus, Götze, Durm, Kroos, Schürrle, Höwedes, Rudy, Müller, Kramer, Neuer (von links). (Foto: Firo/Augenklick)

 

Schon bei den weiteren Spielen in diesem Jahr in Polen, gegen Irland und Gibraltar sowie in Spanien könnten nach Rudy neue Frischlinge eine Casting-Chance erhalten: Das Freiburg-Duo Oliver Sorg und Christian Günter sowie der Wolfsburger Sebastian Jung erfüllen in der Bundesliga auf den Außen die Defensivaufgaben, während der ebenfalls von Löw als Alternative genannte Stuttgarter Antonio Rüdiger als Innenverteidiger agiert. Kevin Großkreutz, das machte Löw klar, gehört nicht mehr zu den Kandidaten. Aber Löw hat oft gezeigt, dass er Rückkehrern eine neue Chance gibt, was für Marcel Schmelzer, Marcell Jansen, Dennis Aogo oder Andreas Beck gelten kann, wenn sie in Topform kämen.

Fest steht indes: Ein Philipp Lahm mit seiner Klasse wird auf lange Zeit nicht zu ersetzen sein. Und die ganze Mannschaft betreffend wird Löw weiter um Verständnis werben, dass wohl erst bei der EM 2016 wieder mit Leistungen wie bei der WM gerechnet werden darf.