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Löws Devise: Neue Männer braucht das Land

UEFA Euro 2016

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06/10/2014
 

Der vierte Weltmeister-Titel für den Deutschen Fußball-Bund (DFB), zu dem er die Nationalmannschaft in Brasilien führte, hat Joachim Löw mit Stolz erfüllt. Der Ehrgeiz für weitere Erfolge hat den 54-Jährigen, der nun schon acht Jahre Bundestrainer ist, aber nicht verlassen. Die FIFA WM 2014 ist Geschichte, das neue Ziel heißt UEFA Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Dort soll sich, adäquat zum WM-Turnier, ebenfalls der vierte EM-Triumph für den DFB einstellen. „Das nächste große Ziel nach dem großen Finale von Rio soll und muss heißen: EM-Finale in Paris“, sagte Löw Anfang September, als die neue Länderspiel-Saison begann.

Einige der potenziellen Stammkräfte schauten schon gebannt beim WM-Finale zu: Ginter, Durm, Kramer, Mustafi (v. links), umrahmt von Löw sowie Khedira und Weidenfeller. (Foto: GES/Augenklick)

 

Das Ziel einer Zwischenetappe setzte er ebenfalls bei der Nominierung für die nächsten Qualifikationsspiele nach dem 2:1 gegen Schottland gegen Polen (11. Oktober in Warschau) und Irland (14. Oktober in Gelsenkirchen) unmissverständlich: „In diesen Spielen haben wir die Möglichkeit, uns von der Konkurrenz abzusetzen. Sie sind somit enorm wichtig für unseren weiteren Weg.“ Alte Verdienste gelten nicht mehr, keiner der Weltmeister, die am 13. Juli in Rio de Janeiro mit 1:0 Argentinien besiegten und zuvor den Rekordweltmeister Brasilien in Belo Horizonte mit 7:1 vom Platz fegten, hat ein Abonnement auf einen Stammplatz. Auf dem Weg nach Paris wird Löw seine Weltmeister-Mannschaft umbauen.

Karim Bellarabi ist nach Topleistungen für Leverkusen erstmals von Bundestrainer Löw in die Nationalmannschaft für die Spiele in Polen und gegen Irland berufen worden. (Foto: Firo/Augenklick)

Bellarabi vor Debüt: Löw folgt Völlers Empfehlung

Das machte der Freiburger mit der Berufung des Neulings Karim Bellarabi für den Doppelpack gegen Polen und Irland deutlich. Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler hatte ihm diese Nominierung des Außenstürmers empfohlen, auch weil der 24-Jährige ansonsten sich vielleicht für Marokko, dem Herkunftsland seines Vaters, entschieden hätte. „Er hat sich durch hervorragende Leistungen in seinem Verein diese Chance verdient. Er ist unglaublich stark im Eins-gegen-Eins und eine hervorragende Alternative in unserer Offensive“, sagte Löw. Erstmals in diesem Jahr holte der Bundestrainer auch Max Kruse in den Kreis des DFB-Team zurück, in dem wegen Verletzungen Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira, Marco Reus und Mario Gomez fehlen.

 

Löw orientiert sich an einem 1982 veröffentlichten Songtitel der Liedermacherin Ina Deter: „Neue Männer braucht das Land.“ Nicht Alter, Schönheit oder Freundlichkeit berücksichtigt Löw für die kommenden Nominierungen seiner Länderspielkader: Nur die Leistung zählt - das hat der frühere Torjäger des SC Freiburgs immer wieder klar gestellt. Bekannte Stars sind deswegen gefährdet, nachdrängende Talente dürfen sich große Hoffnungen machen. Philipp Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker sind aus der Nationalelf zurückgetreten, andere Brasilien-Fahrer kommen auf dem Prüfstand. Lukas Podolski kommt beim FC Arsenal nicht über die Rolle eines Einwechselspielers hinaus, nachdem ihn Löw bei der WM nur für Kurzeinsätze brauchte. Podolski beteuert, dass er mit dem Status zufrieden ist. Im Verein stehen für den 117-maligen Nationalspieler die Zeichen auf einen Abschied, eventuell schon in der kommenden Winterpause, nachdem Arsenal Danny Welbeck von Manchester United holte und mit dem derzeit verletzten Olivier Giroud ein weiteren Klassestürmer unter Vertrag steht. Topklubs wie Juventus Turin sowie die Bundesligisten VfL Wolfsburg und Schalke 04 hatten schon im Sommer offenbar ein Auge auf den 29-Jährigen geworfen.

Löws Baustellen: Die Außenverteidiger und die Sturmspitze

Fest steht: Wer bei seinem Klub nicht oder sehr wenig spielt, hat auch bei Löw schlechte Karten. Zudem besitzt Löw gerade für die linke offensive Seite einige Alternativen. Reus, der bei der WM fehlte, war im Test gegen Argentinien (2:4) und gegen Schottland (2:1) zurückgekehrt und gehört zu Löws Idealelf. Aber gegen die Schotten verletzte sich der Dortmunder erneut mit der bitteren Folge einer langen Pause. Und er ist nicht der einzige Nationalspieler, der Löw mit Blick auf die EM 2016 eine relevante Größe ist, der zum Leidtragenden einer Verletzung wurde. Auch der als Klose-Ersatz vorgesehen Gomez verletzte sich beim AC Florenz nach seinem Comeback im DFB-Team erneut. Und Holger Badstuber erwischte es wieder bei Bayern München, nachdem ihm Löw die Perspektive auf die EM gegeben hatte. Fußball ist für die Profis ein zuweilen brutales Geschäft.

Es gibt zwei, bzw. sogar drei Baustellen in der deutschen Elf. Es sind die Außenverteidiger-Positionen, links wie rechts, vor allem nach dem Lahm-Rückzug, der auf beiden Seiten einen guten Job machen konnte. Dort sollen künftig anders bei der WM, wo speziell links der umfunktionierte Innenverteidiger Benedikt Höwedes die Aufgabe defensiv interpretierte und damit zu überzeugen wusste, wieder offensiv agierende Spieler aufgestellt werden. Doch in der Bundesliga bieten sich nicht viele Alternativen an. Höwedes oder auch Jerome Boateng könnten rechts spielen, aber Löw nannte sie nun wieder als Innenverteidiger, wo Mats Hummels ein Stammplatz gehört.

Zuletzt überraschte Löw auf der rechten Abwehrseite mit der Aufstellung von Sebastian Rudy. Und er nannte auch Antonio Rüdiger als Kandidaten für die Position, obwohl beim VfB Stuttgart auch meist zentral in der Viererkette spielt. „Vielleicht kann er in diese Rolle etwas hineinwachsen. Er ist schnell und robust“, sagte Löw über Rüdiger als möglichen Lahm-Nachfolger.  Links schien sich Löw auf Erik Durm festgelegt zu haben. Aber der WM-Teilnehmer hat sich zuletzt in Dortmund die Position mit Marcel Schmelzer teilen müssen. Für die Oktober-Länderspiele aber berief Löw wieder Durm.

Die dritte Baustelle ist die Position der echten Sturmspitze. Kevin Volland wurde vor der WM aus dem vorläufigen Kader aussortiert, Kevin Kuranyi meldete sich zu Wort, er würde alles dafür geben, wieder in der Nationalelf spielen zu dürfen. Wenn sich Löw irgendwann für ein Comeback des Deutsch-Brasilianers entscheiden würde, wäre dies eine Überraschung. Der seit vier Jahren bei Dynamo Moskau beschäftigte Ex-Schalker hatte im Oktober 2008, als er in der WM-Qualifikation gegen Russland in Dortmund nur auf der Tribüne saß, ohne jede Rücksprache mit Löw zur Halbzeit das Stadion einfach verlassen. Löw erklärte damals umgehend, er werde Kuranyi nie mehr berücksichtigen. Mit Kruses Rückkehr sind die Chancen für den Ex-Schalker auf eine Begnadigung nicht besser geworden.

Der Gladbacher Max Kruse, der sein letztes von sechs Länderspielen in England (1:0) im November 2013 bestritt, kehrt in das DFB-Team zurück. (Foto: Firo/Augenklick)


Der Bremer Davie Selke hat bei den U19-Europameistern des DFB gezeigt, dass er ein robuster Mittelstürmer ist, der sich vor allem im Strafraum aufhält. (Foto: Firo/Augenklick)

Viele Talente stehen im Fokus des Bundestrainers

Mehr Chancen auf Dauer dürfte ein junger Mann besitzen: Davie Selke, der 19-jährige Strafraumstürmer von Werder Bremen, der mit sechs Toren am EM-Titelgewinn der U19-Auswahl des DFB im Juli 2014 beteiligt war. Andererseits hat Löw oft deutlich gemacht, dass er auch mit einer „falschen Neun“ gut leben kann. Mario Götze oder Thomas Müller, die eigentlich offensive Mittelfeldspieler sind, eventuell auch Mesut Özil sind geeignet, auch in vorderster Front zu agieren.

Einige der fünf Weltmeister, die in Brasilien keine einzige Minute spielten, besitzen eine recht gute Perspektive: Matthias Ginter als Innenverteidiger und Durm, Torwart Ron-Robert Zieler, der an Routinier Roman Weidenfeller aus Altersgründen vorbei ziehen kann.

 

Und auch Kevin Großkreutz wird Löw nicht völlig aus den Augen lassen, obwohl er ihn nicht mehr für die Partien in Warschau und Gelsenkirchen einlud. Das Gleiche gilt für den in den WM-Gruppenspielen gegen Portugal und Ghana sowie im Achtelfinale gegen Algerien als Rechtsverteidiger eingesetzten Shkodran Mustafi.

Beim Umbruch zwischen WM und EM kann auch Ilkay Gündogan, falls er nach mehr als einem Jahr Verletzungspause wieder die alte Form zurückfindet, eine Rolle übernehmen, zumal die erfahrenen „Sechser“ wie Khedira und Schweinsteiger wegen Gebrechen häufig pausieren mussten. Andere Spieler beim Bau eines neuen Erfolgsteams wären „Frischlinge“: Christian Günther, Max Meyer, Oliver Sorg, Sebastian Jung (sie kamen im Mai 2014 im Test gegen Polen schon zum Einsatz), Robin Knoche, Stefan Bell, Emre Can, Johannes Geis, Moritz Leitner, Jonas Hofmann, Leonardo Bittencourt, Sebastian Rode - sie gelten alle als sehr talentiert und haben in der Bundesliga bereits eine gewisse Klasse nachgewiesen. Wie schnell es gehen kann, zeigt das Beispiel von Christoph Kramer. Er sprang als Letzter nach dem Polen-Test im Mai in den WM-Kader, kam dann zu Kurzeinsätzen und stand im WM-Endspiel sogar in der Startelf. Für das nächste EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar (14. November in Nürnberg) und für dem Test gegen Spanien (18. November in Vigo) hat Löw bereits angekündigt auf mehrere, stark belastete Stars zu verzichten. Dann kann die Stunde der Talente schlagen. Denn bei Löw haben die Weltmeister keinen Bonus.