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Die Acht-Minuten-Karriere

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18/11/2014
 

Einmal ist immer das erste Mal? Das gilt nicht für Fußballspieler, zumindest nicht für den Einsatz in der Nationalmannschaft. Nur die besten Profifußballer dürfen für ihr Land auflaufen. Für manche ist das erste Mal der Beginn einer internationalen Star-Karriere. Für andere Nationalspieler gilt: Das erste ist auch das letzte Mal. ContiSoccerWorld stellt zehn sehr verschiedene deutsche Länderspiel-Debüts vor – fünf erfolgreiche, und fünf eher tragische.

Fritz Walter – die Fußballlegende

Als „Walter-Elf“ ist die Mannschaft des WM-Titels 1954 bekannt, das Fritz-Walter-Stadion ist die Heimat des 1. FC Kaiserslautern, der DFB verleiht an seine besten Jugendspieler jährlich die Fritz-Walter-Medaille. Kurzum: Friederich „Fritz“ Walter gilt als einer der besten deutschen Fußballer aller Zeiten, der Name des 2002 verstorbenen Spielmachers wird in Ehren gehalten. Seine Treffsicherheit (in 379 Spielen für Kaiserslautern erzielte er 306 Tore) stellte Walter auch bei seinem Nationalmannschafts-Debüt unter Beweis: 1941 erzielte der spätere Kapitän der Elf von 1954 gleich drei Tore beim 9:3 gegen Rumänien. Insgesamt lief der Mittelfeldspieler 61 Mal im Dress der Nationalelf auf und erzielte 33 Treffer.

Fritz Walter debütierte 1941 im Nationalteam und schoss gleich drei Tore. (Foto: Bundesarchiv)

 

Uli Borowka – der Trikotdieb

Keinen Geringeren als Diego Maradona musste der damals 25-jährige Uli Borowka in seinem ersten Länderspiel in Manndeckung nehmen. Im Vorfeld der EM 1988 spielte Deutschland beim Vier-Länder-Turnier in Berlin um Platz drei gegen den amtierenden Weltmeister Argentinien. Debütant Borowka machte seine Sache gut, ließ Maradona keinen Platz, die Nationalelf gewann mit 1:0. Der wahre Showdown aber ereignete sich nach dem Abpfiff. Die halbe deutsche Mannschaft mit Größen wie Lothar Matthäus und Rudi Völler wollte mit Maradona das Trikot tauschen und stürmte auf den Argentinier zu. Doch Neuling Borowka ließ keinem eine Chance. Er schnappte sich den Weltstar, schob ihn in die Katakomben des Olympiastadions und zog ihm eigenhändig das Leibchen über den Kopf. So wurde Borowka in seinem ersten Nationalspiel gleich zweimal zum Maradona-Bezwinger... Borowka kam aber insgesamt nur auf sechs Länderspiele, nach der EM 1988 erhielt er unter Teamchef Franz Beckenbauer keine Chance mehr

Miroslav Klose – der Rekordstürmer

Auch ein WM-Rekordtorschütze fängt einmal klein an. In der Bezirksliga Westpfalz  bei einem Klub mit dem klangvollen Vereinsnamen SG Blaubach-Diedelkopf stieg der Stern eines gewissen Miroslav Klose auf. Bis 1998 kickte der Stürmer in der rheinland-westfälischen Provinz – dann folgte in nur drei Jahren sein kometenhafter Aufstieg über die Amateure des 1. FC Kaiserslautern und die Bundesliga bis in die Nationalelf. Im März 2001 wurde der damalige Lauterer beim Stand von 1:1 gegen Albanien in der 73. Minute erstmals eingewechselt – und sicherte Deutschland prompt mit einem Kopfballtor in der 88. Minute drei Punkte in der WM-Qualifikation. 70 Tore später, davon 16 bei WM-Endrunden, war Klose am Ziel seiner fußballerischen Träume angelangt: Mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft in Brasilien beendete der Rekord-WM-Torschütze seine Länderspielkarriere.

Rekordtorschütze Miroslav Klose startete seine unglaubliche Nationalteam-Karriere 2001. (Foto: Kranewitter)

 

Gerald Asamoah – der Kabinen-DJ

Ohne Gerald Asamoah wäre die WM 2006 in Deutschland eine andere gewesen. Dass Xavier Naidoos „Dieser Weg“ zum WM-Lied der Heimmannschaft und zum insgeheimen „Sommermärchen“-Soundtrack wurde, ist seiner Funktion als „Kabinen-DJ“ zu verdanken. Doch ist Asamoah natürlich nicht auf sein Talent als DJ zu reduzieren. Nach seinem Wechsel von Hannover 96 zum FC Schalke machte der Stürmer in der Bundesliga auf sich aufmerksam und debütierte im Mai 2001 in der Nationalmannschaft beim Freundschaftsspiel gegen die Slowakei. Dabei gelang dem bulligen Angreifer auch gleich sein erstes Länderspieltor. Es folgten 42 weitere Nationalspiele und fünf Treffer, unter anderem wurde er im WM-Finale 2002 gegen Brasilien eingewechselt. Nach elf Jahren auf Schalke spielte Asamoah noch für den FC St. Pauli und Greuther Fürth, heute schnürt der Angreifer aus alter Verbundenheit für die zweite Mannschaft der Gelsenkirchener die Stiefel.

Gerald Asamoah war der Kabinen-DJ beim "Sommermärchen" 2006. Später spielte er noch für Greuther Fürth)

 

Karim Bellarabi – der Erfrischende

Von einer „funktionierenden Mannschaft“ wird gerne gesprochen, wenn es für den einzelnen Spieler leicht ist, sich einzufügen. Andersherum ist es schwer, gute Leistungen in einer kriselnden Elf zu zeigen. Und die Liste der vergessenen DFB-Debütanten in Krisenzeiten ist lang. Karim Bellarabi hingegen zeigte 2014, wie es anders geht. Der 24-Jährige debütierte bei der 0:2-Niederlage des Weltmeisters in der aktuellen EM-Qualifikation gegen Polen – und „hat einen starken und erfrischenden Eindruck hinterlassen“, wie Mittelfeldregisseur Toni Kross sagte. Anders als seine müden Mitspieler beackerte der Außenstürmer temporeich die rechte Seite, nur ein Tor wollte ihm trotz hochkarätiger Chancen nicht gelingen. Im folgenden Quali-Spiel gegen Irland stand Bellarabi das zweite Mal in Folge in der Startelf. Auch so kann eine Nationalmannschafts-Karriere beginnen...

Karim Bellarabi von Bayer 04 Leverkusen kam in der aktuellen EM-Qualifikation zu seinen ersten Einsätzen. (Foto: Bayer 04 Leverkusen)

 

Oliver Reck – der Stürmer-Torwart

DFB-Pokal-Sieger, Deutscher Meister, Europapokalsieger und Europameister – die Titelsammlung von Oliver Reck können nicht viele deutsche Torhüter vorweisen. Und trotzdem blieb dem langjährigen Bremer und Schalker Stammtorwart eine nennenswerte Karriere in der Nationalmannschaft versagt. Lediglich ein internationales Spiel absolvierte Reck in der Vorbereitung auf die EM 1996 beim 9:1-Sieg gegen Liechtenstein. Trotz dieser wenig zufriedenstellenden Länderspielausbeute kann „Pannen-Oli“, wie Reck aufgrund seiner manchmal kuriosen Aussetzer genannt wurde, eine wohl einmalige Anekdote im Kreise der Nationalmannschaft erzählen: Vor dem Finale der Europameisterschaft in England gegen Tschechien wurde Reck von Bundestrainer Berti Vogts als Feldspieler mit der Nummer 22 gelistet. Der Kader war aufgrund zahlreicher Verletzungen stark ausgedünnt.

Oliver Reck kam nur auf ein Länderspiel – heute ist er Trainer von Fortuna Düsseldorf. (Foto: Fortuna Düsseldorf)

 

„Vogts hatte mit mir gesprochen und gesagt, dass es sein könnte, dass ich eingewechselt werde“, sagte Reck später dem Magazin „11 Freunde“. Ob Reck anstelle von Oliver Bierhoff das Golden Goal zum deutschen EM-Sieg erzielt hätte, ist fraglich...

Marco Reich – das Sechs-Millionen-Talent

Die Karriere von Marco Reich begann im Eiltempo. Mit 19 Jahren etablierte sich der Mittelfeldmann als Stammspieler beim 1. FC Kaiserslautern und wurde mit dem damaligen Aufsteiger 1998 Deutscher Meister. National-Teamchef Berti Vogts hat Reich in dieser Zeit als „das größte Talent des deutschen Fußballs“ bezeichnet haben. 1999 folgte dann die Einladung zur Nationalelf, beim 3:3 gegen Kolumbien debütierte der Stürmer in Miami unter Erich Ribbeck. 2001 zahlte der 1. FC Köln dann den stolzen Preis von sechs Millionen Mark für Reich an Kaiserslautern – doch die Erwartungen der Kölner schienen ihn zu lähmen. Im Verein konnte er sein Potenzial nicht mehr abrufen und beim DFB bestritt Reich kein einziges Länderspiel mehr. 2004 floh Reich zunächst von Köln zu Bremen, wechselte bald weiter zu Derby County und von dort aus jährlich zu einem anderen Verein. Auch wenn Reich die Erwartungen als Heilsbringer des deutschen Fußballs also nie erfüllen konnte, nahm er es mit Humor. Nach seinem Wechsel zu Köln und der zeitgleichen Einführung des Euros sagte er: „Ich bin wohl der einzige, der sich über den Euro freut: Jetzt bin ich nur noch der Drei-Millionen-Fehleinkauf.“

Mustafa Dogan – der Kurzarbeiter

Die Ära Ribbeck gilt unter den Fans der Nationalmannschaft als ein dunkles Kapitel des deutschen Fußballs – und für manch einen Debütanten wurde die Berufung in die Nationalelf gewissermaßen zur internationalen Karriere-Sackgasse. Mustafa Dogan etwa wurde 1999 beim Confed Cup in Mexiko gegen die USA für Jörg Heinrich eingewechselt und damit zum ersten türkischstämmigen deutschen Nationalspieler. Danach verzeichnete Dogan nur einen weiteren Kurzeinsatz für Deutschland, für die Türkei konnte der rechte Verteidiger nun jedoch nicht mehr spielen. „Für die Türkei hätte ich mehr Länderspiele gemacht“, sagte Dogan später, der bis 1996 für Bayer Uerdingen gespielt hatte und danach zu Fenerbahce Istanbul gewechselt war. Dass er vor allem in der Jugend für Deutschland spielen und auf sich aufmerksam machen konnte, bereue er jedoch nicht, so Dogan.

Zoltan Sebescen – der Halbzeitmann

In der Startelf im prestigeträchtigen Duell gegen die Niederlande, als direkter Gegenspieler des dribbelstarken Boudewijn Zenden – Zoltan Sebescens Nationalteam-Karriere begann abrupt. Genauso schnell sollte sie zu seinem Leidwesen auch beendet sein. Nachdem Sebescen im Freundschaftsspiel im Februar 2000 gegen die Niederlande in der ersten Hälfte zwei Gegentore mitverschuldet hatte, wechselte ihn Bundestrainer Erich Ribbeck zu Halbzeit für Sebastian Deisler aus. Sebescen, der damals erste Wolfsburger Nationalspieler überhaupt, wurde nach der 1:2 Niederlage nie wieder ins Nationalteam berufen – trotz guter Leistungen in Liga und Champions League, wo er es zwei Jahre später mit Leverkusen bis ins Finale gegen Real Madrid (1:2) schaffte.

Bundestrainer Ribbeck jedenfalls scheint nicht ganz unschuldig am misslungenen Auftritt Sebescens bei seinem Nationalelf-Debüt gewesen zu sein: „Der Zenden von Real Madrid geht immer außen vorbei“, soll Ribbeck zu Sebescen vor dem Spiel gesagt haben. Der Niederländer Zenden aber zog häufig nach innen. Und: Es gab keinen Zenden bei Real Madrid.

Martin Max – der Acht-Minuten-Nationalspieler

Um die Jahrtausendwende gab es neben Oliver Bierhoff und ihm keinen besseren deutschen Torjäger. Mit 19 bzw. 18 Toren wurde Martin Max 2000 und 2002 zwei Mal Torschützenkönig der Bundesliga. Nachdem Erich Ribbeck ihn für die EM 2000 nicht berücksichtigt hatte (Deutschland schied in der Vorrunde aus), wurde in den Medien vor der WM 2002 vehement die Berufung von Max in den Nationalmannschaftskader gefordert. Schließlich gab der Stürmer kurz vor dem Turnier im April 2002 beim Vorbereitungsspiel gegen Argentinien (0:1) sein Debüt, acht Minuten vor Schluss wurde er für Thorsten Frings eingewechselt. Doch bei diesem Einsatz sollte es bleiben. Bundestrainer Rudi Völler entschied sich bei der Kaderauswahl für die WM gegen den damals 33-jährigen Stürmer des TSV 1860 München. Als Völlers Co-Trainer Michael Skibbe 2004 verlauten ließ, Max nochmals beobachten zu wollen, wurde dieser im Berliner „Tagesspiegel“ deutlich: „Man fragt sich doch, ob Skibbe noch alle Tassen im Schrank hat". Zu einem "Comeback" also kam es nicht.