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Aufstand der Kleinen – Vier Trainer gehen

UEFA Euro 2016

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19/11/2014
 

Joachim Löw war nicht allein mit seiner Verärgerung. Andere Trainer traf es nach dem vierten Spieltag der Qualifikation zur UEFA Europameisterschaft 2016 viel härter. Drei Kollegen kosteten die Niederlagen die Beschäftigung, sie mussten gehen. „Der Aufstand der Kleinen“, der eigentlich für eine EM-Teilnahme aussichtslosen Mannschaften, prägte das Geschehen.

Gibraltar, der Fußball-Zwerg aus Großbritanniens 29.000-Einwohner-Kronkolonie, hatte dem deutschen Weltmeister nach all den Ehrungen das programmierte Schützenfest durchkreuzt. Das nur unwesentlich größere San Marino kam nach 61 Niederlagen in Serie beim 0:0 gegen Estland zum ersten Punktgewinn. Liechtenstein, mit 37.000 Einwohnern das drittkleinste UEFA-Mitglied, gelang beim 1:0 in Moldawien der erste Auswärtssieg seit Oktober 2004 in einem Pflichtspiel.

Joan Edmundsson schießt das 1:0 für Faröer. Das Team von den Schafsinseln triumphiert beim Ex-Europameister Griechenland. (Foto: Firo/Augenklick)

 

Für den wohl größten Coup sorgten aber die Färöer. Das Team von den Schafsinseln siegte bei Ex-Europameister Griechenland 1:0 und bescherte daheim den 50.000 Inselbewohnern aus dem Nordatlantik den größten sportlichen Freudentag seit dem legendären 1:0 gegen Österreich vor 24 Jahren. Ein Erfolg, der beim gedemütigten Gegner nicht ohne Konsequenzen blieb. So war das Ende der nur wenige Monate dauernden Amtszeit von Trainer Claudio Ranieri besiegelt. Griechenland, das im Sommer bei der WM noch unglücklich im Achtelfinale an Costa Rica gescheitert war, liegt in Gruppe F mit nur einem Punkt aus vier Spielen abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Es sei eine sehr unglückliche Entscheidung gewesen, diesen Trainer zu verpflichten, räumte Verbandschef Giorgos Sarris ein. Als möglicher Nachfolger wird der 75-jährige Giovanni Trapattoni gehandelt, der aber schon Wunderdinge vollbringen muss, um die vierte EM-Teilnahme in Serie noch zu schaffen. Rumänien (10) und Nordirland (9), die nach dem 2:0 der Karpaten im direkten Duell die Plätze tauschten, sind bereits weit voraus.

Cristiano Ronaldo stellte einen Rekord auf

Ranieri war aber nicht der einzige Trainer, für den das Ende kam. Auch Ex-Gladbach-Coach Dick Advocaat zog nach dem 1:3 gegen Dänemark einen Schlussstrich als serbischer Nationaltrainer. Nach nur einem Punkt aus drei Spielen in Gruppe I und dem abgebrochenen Skandalspiel gegen Albanien sieht der Niederländer keine Chance mehr auf die EM-Teilnahme. Dagegen hat hinter Dänemark (7) nun Portugal (6) wieder beste Karten - natürlich dank Cristiano Ronaldo. Der Weltfußballer erzielte den Siegtreffer beim 1:0 gegen Armenien und stellte einen weiteren Rekord auf. Mit 23 Treffern hat er die meisten Tore im EM-Wettbewerb erzielt.

Polen ist weiter Spitzenreiter der Gruppe D vor Irland und Deutschland. Mit Robert Lewandowski, der den Ball artistisch stoppt, siegte Polen mit 4:0 in Georgien. (Foto: Firo/Augenklick)

 

Als dritter Trainer saß auch Georgiens Temur Ketsbaia beim 0:4 gegen Polen letztmals auf der Bank der Nationalelf. Sein Nachfolger bekommt es im nächsten Pflichtspiel am 29. März 2015 gleich mit Deutschland zu tun, wenn das spannende Rennen um die EM-Plätze in Gruppe D weitergeht. Denn durch das 1:0 der Schotten gegen Irland, dem ersten Heimsieg der Bravehearts gegen den Rivalen seit über 53 Jahren, sind die besten vier Teams noch enger zusammengerückt.

Zu dem Trio Ranieri, Advocaat, Ketsbaia gesellte sich dann auch noch Safet Susic, der bei Bosnien-Herzegowina nach dem 0:3 in Israel entlassen wurde. Dem Quartett hätte auch Guus Hiddink beitreten können, doch ein überzeugendes 6:0 der Niederländer gegen Lettland verschaffte dem Trainer-Oldie ein wenig Ruhe nach dem "totalen Chaos", wie die Zeitung De Volkskrant schrieb. In einer Abstimmung des Telegraaf wünschten sich nach vier Niederlagen aus fünf Spielen 80 Prozent der Leser einen neuen Bondscoach. Dass es wohl erstmal nicht so kommt, hat Hiddink unter anderem dem überragenden Bayern-Star Arjen Robben zu verdanken, der wie der Schalker Klaas-Jan Huntelaar doppelt traf. Trotzdem bleibt die Lage für Holland (6 Punkte) in Gruppe A knifflig. Tschechien (12) liegt nach dem 2:1 gegen Island (9) klar auf EM-Kurs.


Wayne Rooney feiert stolz in seinem 100. Länderspiel sein Tor beim 3:1 von England gegen Slowenien. (Foto: Firo/Augenklick)

Wayne Rooney führt England zum 4. Sieg im 4. Spiel

Das Krisengerede ist auch vorerst bei Europameister Spanien durch ein überzeugendes 3:0 gegen Weißrussland verstummt. Als Zweiter der Gruppe C geht die Mannschaft von Vicente del Bosque hinter der Slowakei, die beim 2:0 in Mazedonien zum vierten Sieg im vierten Spiel kam, in die Winterpause. Ebenfalls ohne Punktverlust bleibt das wiedererstarkte Fußball-Mutterland England, das in Gruppe E gegen Slowenien 3:1 gewann. Ein besonderer Abend war es dabei für Stürmer Wayne Rooney, der sein 100. Länderspiel bestritt und mit seinem verwandelten Elfmeter zum 1:1 die Wende einleitete. Sechs Punkte beträgt der Vorsprung der "Three Lions" auf eine Dreier-Fraktion, die von der Schweiz dank des 4:0 gegen Litauen angeführt wird.

England darf die Planungen für die EURO in Frankreich aufnehmen, das gilt zunehmend auch für Österreich. Mit dem 1:0 gegen Russland hat das Team von Marcel Koller den ersten Platz in Gruppe G gefestigt.

Ciro Immobile (vorne) im Zweikampf mit Vedran Corluka. Der Dortmunder Stürmer trennte sich mit Italien 1:1 von Kroatien. (Foto: Firo/Augenklick)

So winkt bei vier Punkten Vorsprung auf Schweden das zweite EM-Ticket nach 2008, als Gastgeber Österreich automatisch qualifiziert war. Beim nächsten WM-Gastgeber wackelt dagegen der Stuhl des hochbezahlten Trainers Fabio Capello.

Im Spitzenspiel des Wochenendes trennten sich Italien und Kroatien recht unspektakulär 1:1. Ein Nachspiel dürften aber die Vorkommnisse auf den Rängen haben, mehrmals musste das Spiel wegen Feuerwerkskörpern abgebrochen werden. In der Tabelle der Gruppe H liegen beide Teams gleichauf an der Spitze. Ein überraschendes Bild liefert dagegen die Gruppe B, in der Israel (9) nach dem 3:0 gegen WM-Teilnehmer Bosnien vorne liegt. Zweiter ist Außenseiter Wales (8), der beim 0:0 in Belgien erneut ungeschlagen blieb.