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Freude im DFB über das 1:0 in Spanien

UEFA Euro 2016

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20/11/2014
 

Toni Kroos hatte es eilig, um nach Hause zu kommen. „Der Vorteil ist, dass der Heimweg kurz ist“, sagte der Weltmeister. Zu Hause ist für den gebürtigen Mecklenburger inzwischen Madrid. Der 24-Jährige wollte schnell noch die Nachtmaschine vom Flughafen Vigo in die spanische Hauptstadt erwischen. Nach seinen herausragenden Auftritten in den vergangenen Monaten bei Real Madrid hatte der Mittelfeldspieler einen weiteren Akzent gesetzt. Mit seinem Schuss aus 25 Metern entschied Kroos in der 89. Minute das Prestigeduell gegen Spanien mit 1:0 (0:0) für die deutsche Nationalmannschaft.

Torschütze Toni Kroos im Kreis der Kollegen: In der 89. Minute schoss der Real-Madrid-Profi den Siegtreffer gegen Spanien. (Foto: GES/Augenklick)

 

Weil auf einem klatschnassen Rasen ein Flachschuss eine extrem gefährliche Waffe ist, versuchte Kroos es mit Absicht nicht mit einem Heber in den Winkel. „Ich habe vorher bei einem Schuss von Kevin Volland gesehen, dass der Torwart die Bälle abklatschen lässt. Also habe ich es auch versucht. Es war ein Lucky Punch“, erklärte Kroos und sah sein Werk zum ersten Sieg gegen die Spanier seit 14 Jahren nicht als Heldentat. „Das ist kein Tor, für das ich mich drei Wochen feiern lasse werde“, sagte er.

Aber Anerkennung löste der Treffer dennoch auf beiden Seiten aus: Die Spanier, insbesondere seine Real-Kollegen wie Isco, mussten Kroos‘ Klasse neidlos anerkennen. Und das Tor löste im gesamten Deutschen Fußball-Bund (DFB) noch einmal Glücksgefühle aus. Der Abschluss des historischen Jahres mit dem vierten WM-Titelgewinn war gelungen, trotz der vorherigen Zweifel, ob diese deutsche Rumpfelf dem Europameister von 2008 und 2012 gewachsen sein könnte.

Die deutsche Startelf vor dem 1:0 gegen Spanien: Mustafi, Rüdiger, Höwedes, Kroos, Khedira, Müller (oben v. links), Volland, Zieler, Durm, Rudy, Götze (unten v. links). (Foto: GES/Augenklick)


 

Deutsche Bilanz 2014: 11 Siege, 4 Remis, 2 Niederlagen

„Es ist sehr schön, mit einem Erfolgserlebnis gegen eine Spitzenmannschaft dieses für uns sensationelle Jahr zu beenden“, freute sich Bundestrainer Joachim Löw. „Das war so nicht zu erwarten. Das ist ein perfekter Abschluss eines wunderbaren Jahres“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. 17 Spiele bestritt die Nationalelf im Jahr 2014, mit elf Siegen, vier Unentschieden und zwei Niederlagen bei 37:15 Toren ist die Bilanz glänzend. „Ich wäre auch mit einem 0:0 zufrieden gewesen, weil die Mannschaft Struktur und Disziplin gezeigt hat“, erklärte Löw. Dass Kroos bei seinem Treffer von einem Patzer des eingewechselten spanischen Schlussmanns Kiko Casilla profitierte, störte niemanden. Im Dauerregen in Vigo auf einem tiefen, schwer zu bespielenden Platz war für die beiden großen Fußball-Nationen keine große Show möglich gewesen.

In Vigo fand bei Dauerregen beim Test zwischen Spanien und Deutschland eine Wasserschlacht statt: Benedikt Höwedes (links) klärt vor Alvaro Murata (Foto: Getty Images)

 

Aber dass der Spieler mit den meisten Einsätzen - Kroos wirkte in 16 der 17 Begegnungen mit - das siegbringende, letzte Tor im WM-Jahr erzielte, passte ins Bild. Der Mann, den der FC Bayern halten wollte und der sich dennoch entschied, beim Madrider Starensemble sein Glück zu finden, sah sich sogar in der Position, die Arbeit des Vorgesetzten zu bewerten. „Ich muss den Bundestrainer loben. Wir sind mit einem guten Plan ins Spiel gegangen. Und die Mannschaft hat sich reingehauen und ihn umgesetzt“, sagte Kroos. Der Stellenwert von Kroos ist im WM-Jahr hoch geschossen. Als „herausragende Spielerpersönlichkeit“ bezeichnet Löw seinen Mittelfeld-Strategen, der noch bei der EM 2012 nur eine Nebenrolle einnahm.

Nach der zweiten Jahreshälfte mit dem schlechtesten Start in eine Turnier-Qualifikation nahm Löw erfreuliche Erkenntnisse mit. Dass er zum Jahresende eine Startelf mit Erik Durm, Shkrodan Mustafi, Sebastian Rudy, Toni Rüdiger, Ron-Robert Zieler und Kevin Volland aufbieten müsste, war am 13. Juli nach dem Finale nicht zu erwarten gewesen. Aber es handelte sich nicht um die Resterampe von Löw, einige der B-Kandidaten könnten sich langfristig im Kampf um die Stammplätze behaupten.

Vier Tage vor dem Sieg in Spanien erreichte das deutsche Team in der EM-Qualifikation ein 4:0 gegen Gibraltar. Auch Max Kruse biss sich die Zähne am Bollwerk des Gegners aus. (Foto: GES/Augenklick)

 

Nur vier WM-Stammspieler waren in Spanien dabei

Das Team mit nur noch den vier WM-Stammspielern Mario Götze, Thomas Müller, Benedikt Höwedes und Sami Khedira schlug sich tapfer und setzte die von Löw gestellten taktischen Vorgaben sehr gut um. Nach kurzer Eingewöhnungszeit stand das 3-4-3-System, das sich bei Ballbesitz des Gegners in ein 5-4-1 verwandelte. Khedira hatte in Abwesenheit von Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer das Kapitänsamt übernommen und sang auch, was er früher abgelehnt hatte, die Nationalhymne mit. Obwohl nicht richtig fit, ließ Löw ihn spielen, damit der Ex-Stuttgarter Spielpraxis für eine Rückkehr ins Team von Real Madrid erhielt. Khedira, schon lange ein Chef im Kreis der Weltmeister, lobte die jungen Mitspieler. „Die Mannschaft, die wir auf dem Platz hatten, hat es hervorragend gemacht.“

In Vigo machte Löw mit seiner flexiblen Taktik schon einmal einen Vorgriff auf das nächste Jahr, wo er „Änderungen und Anpassungen an der Spielweise“ vornehmen will. Wenn er wieder alle Leistungsträger wie Neuer, Jerome Boateng, Mats Hummels, Mesut Özil, Schweinsteiger, Marco Reus, Andre Schürrle und Julian Draxler, eventuell auch Ilkay Gündogan, zusammen hat, sehen die Perspektiven viel besser aus. Um das immer deutlicher formulierte Ziel, den EM-Titel 2016 zu holen, zu erfüllen, müssen die defensiven Außenpositionen besser besetzt werden. Aber mit einer Dreierkette hinten kann Löw die Vakanzen vertuschen, bzw. eine kreative Lösung finden. Da es auch an echten Stürmer mangelt, wird er auch Mario Gomez als Kandidaten im Auge behalten.