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Durchwachsener Sommer für die DFB-Teams

UEFA Euro 2016

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06/07/2015
 

Eine Titelchance besitzt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) noch im Sommer 2015. Bei der am 6. Juli beginnenden Europameisterschaft in Griechenland sind die deutschen U19-Junioren sogar der Titelverteidiger, aber schon die Gruppengegner bilden mit Spanien, den Niederlanden und Russland hohe Hürden. Die U21-Auswahl war zuvor bei der Europameisterschaft in Tschechien im Halbfinale gegen Portugal mit einem 0:5 unter die Räder gekommen. Der Traum von dem Titel nach 2009 blieb ein Traum, aber das Team schaffte die angestrebte Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016. Für die U17-Auswahl des DFB war bei der Weltmeisterschaft in Neuseeland bereits das Viertelfinale der Endpunkt. Mali versetzte den B-Junioren den K.o.-Schlag (1:1 nach Verlängerung, 3:4 im Elfmeterschießen). Der Sommer ist bei den männlichen Nachwuchsklassen des DFB nicht wirklich gut gelaufen.

Das Tor zum 5:0 für Portugal durch Ricardo Horta (links im Sprung) gegen die deutsche U21. Champions-League-Sieger Marc-Andre ter Stegen ist erneut machtlos. (Foto: GES/Augenklick)

 

Das bewertet auch Bundestrainer Joachim Löw so, drückt dies jedoch ganz auf seine Art sehr diplomatisch aus. „Ich bin zufrieden. Aber nicht gänzlich“, sagte er in einem Interview mit der Zeitung „Die Welt“. „Es gibt schon einige Spieler, die ihren Weg gehen werden. Aber wir haben Positionen, auf denen ich, wenn ich mal auf die U-Teams schaue, noch nicht den Weltklasse-Spieler heranwachsen sehe.“ Die Baustellen, die er im seinem Weltmeisterteam bearbeiten musste, nannte er erneut deutlich. „Wir müssen ja keinen Hehl daraus machen, dass wir auf den Außenverteidigerpositionen noch Nachholbedarf haben. Ich sehe derzeit keinen Spieler, der so gut ist, dass ich ihn sofort zu uns holen müsste.“ Vor allem mit potentiellen Nachrückern für die Offensive hapert es. „Ich frage mich schon manchmal, wo denn der nächste Miro Klose ist? Wo ist ein Stürmer, der im Zentrum spielt, der schnell ist, kopfballstark und dazu noch torgefährlich? Wir haben in einzelnen Bereichen also durchaus noch Potenzial nach oben“, erklärte Löw.

Löw sucht händeringend einen Klose-Nachfolger

Dass Kevin Volland bei der U21-EM als einziger Deutscher von der Europäischen Fußball-Union (UEFA) für die „Elf des Turniers“ benannt wurde, ist ein Hinweis auf die Klasse des Hoffenheimers. Der 22-Jährige agierte in der DFB-Auswahl als Sturmspitze, aber in seinem Verein hat ihn Trainer Markus Gisdol in der vorigen Saison meist als Offensivkraft hinter einem Mittelstürmer aufgestellt. Volland wird sicherlich von Löw im A-Team weiter getestet, nachdem Löw ihm bereits dreimal vertraute. Auf den Außenverteidiger-Positionen muss der Bundestrainer schneller eine Lösung finden, um den „heißen Herbst“ in der EM-Qualifikation mit den Spielen gegen Polen, Schottland, Irland und Georgien erfolgreich zu gestalten. Löw und Teammanager Oliver Bierhoff sind felsenfest davon überzeugt, dass auf dem Weg zur EM-Endrunde (10. Juni bis 10. Juli 2016) nichts schief gehen kann. Ein Quartier in Evian am Genfer See wurde bereits gebucht. Die sportliche Leitung geht davon aus, mindestens Zweiter in der Gruppe D zu werden. Mit diesem Platz, der früher nur zur Relegation berechtigte, wäre die Teilnahme an der EM fixiert, da das Turnier um acht Teams auf 24 Mannschaften erweitert wurde.

Kevin Volland (Mitte) beim Training der deutschen U21-Nationalmannschaft in Tschechien mit Nico Schultz (links) und Leo Bittencourt. (Foto: GES/Augenklick)

 

Am 3. September können die Polen, die die Gruppe anführen, durch einem Sieg in Frankfurt von der Tabellenspitze verdrängt werden, die vier Tage später in Glasgow gegen die Schotten zu verteidigen wäre. Aber Bedenken sind durchaus angebracht, da die Saison nach dem WM-Triumph sehr holprig verlief. Der letzte Beleg dafür war das 1:2 gegen die USA im Testspiel am 10. Juni in Köln. Auch beim abschließenden EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar in Faro hatte die Mannschaft eine Halbzeit große Probleme, ehe sie sich noch souverän mit 7:0 durchsetzte.

Die drei Schwachstellen des Weltmeisters

Die Punkte, die es zu verbessern gilt, sind schon lange analysiert. „Es gibt drei Themen, die durch die Erkenntnisse bei der WM auf unserer Agenda stehen“, sagte Löw im Interview mit der „Welt“. Schwachpunkt 1: „Wir müssen viel besser von hinten herausspielen. Wenn es mal nicht gut gelaufen ist und uns der Gegner tief in unserer Hälfte attackiert hat, haben wir die Bälle oft planlos nach vorn geschlagen. Das ist aber nicht unser Spiel.“ Schwachpunkt 2: „Oft waren wir nach einem Ballgewinn nicht schnell genug. Wir müssen den Ball dann auch mal wieder in die Tiefe spielen und nicht nur auf den Fuß des anderen.“ Schwachpunkt 3: „Das dritte Thema ist das Spiel im letzten Drittel, da geht es nicht nur um die Chancenverwertung, die natürlich auch dazugehört. Aber der letzte Pass ist oftmals nicht gut. Entweder kommt er zwei Meter zu kurz oder zwei Meter zu lang. Oder aber der Laufweg desjenigen, den der Ball erreichen sollte, war nicht optimal. Da müssen wir noch mehr Qualität erreichen.“

Dennoch ist Löw von seinen Spielern überzeugt. Um das große Ziel, den vierten EM-Titel nach Deutschland zu holen, will er die Mannschaft gezielt weiter entwickeln. „Sie ist noch jung. Ich sehe noch großes Potenzial. Das gilt auch für jeden einzelnen Spieler. Ich habe immer betont, dass ich unabhängig von großen Titeln eine große Befriedigung auch darin sehe, die Mannschaft und die einzelnen Spieler besser zu machen.“ In der kommenden Saison sieht er eine große Aufgabe darin, die Spieler einzustimmen auf das große Turnier im Nachbarland, für das innerhalb von drei Wochen fünf Millionen Karten-Vorbestellungen eingingen. „Wir wollen eine Aufbruchsstimmung Richtung Frankreich erzeugen, wollen neue Reize setzen. Zunächst aber müssen wir uns für die EM qualifizieren, alles andere ist zweitrangig.“

Emre Can (links), Mittelfeldspieler des FC Liverpool, beim 1:1 der deutschen U21 im Gruppenspiel gegen Gastgeber Tschechien mit Ondrej Petrak. (Foto: GES/Augenklick)

 

Auch Frauen-Mannschaften unter den Erwartungen

Der Optimismus ist also ungebrochen, obwohl nach dem WM-Titelgewinn die für Topleistungen erforderlich Anspannung verloren ging, was Löw ganz offen zugab. Das gleiche Thema kam nach dem Ausscheiden der U21 in Tschechien auf. Die Vorbereitung wäre nicht optimal gewesen, hieß es. Spieler wie Emre Can (FC Liverpool) sagten, dass sie gegen Portugal ihre Leistungspotenzial voll abgerufen hätten. Aus irgendeinem Grund waren auch die Frauen- und Juniorinnenteams vom Problem betroffen, unterhalb ihres bestmöglichen Niveaus zu bleiben. Vielleicht war es die vermeintlichen Gewissheit, absolute Spitzenklasse darzustellen, selbst mit weniger Aufwand.

Auch die Frauen und Juniorinnen blieben unter den - allerdings hohen - Erwartungen. Bei der Weltmeisterschaft in Kanada standen die Frauen des DFB, zweimaliger Weltmeister und in Europa mit acht Titel dekoriert, beim 0:2 im Halbfinale gegen die USA  auf verlorenem Posten. Und auch das Spiel um Platz drei gegen England ging nach Verlängerung noch mit 0:1 verloren. Auch die U17-Juniorinnen wurden bei der EM vor dem Endspiel gestoppt durch ein 0:1 gegen die Schweiz, nachdem sie zum Auftakt in der Gruppe gegen Spanien mit 0:4 verloren hatten. Aber wie im männlichen Bereich des DFB gibt es auch bei den Frauen noch eine Titelchance. Das U19-Team will bei der EM-Endrunde (11. bis 28. Juli in Israel) den siebten Titel gewinnen.

Nadine Angerer wehrt im Halbfinale gegen die USA einen Schuss von Tobin Heath (Nr. 17) auf das Tor der deutschen Frauen-Nationalmannschaft ab. Die DFB-Frauen verloren 0:2. (Foto: Imago)