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Löw findet die Weltmeister besser als gedacht

UEFA Euro 2016

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11/09/2015
 

3:1 gegen Polen, 3:2 gegen Schottland. Mit sechs gewonnenen Punkten an den beiden September-Spieltagen hat die deutsche Nationalmannschaft die Tabellenführung in der Qualifikationsgruppe D zur EM 2016 übernommen. Bundestrainer Joachim Löw hatte dies nicht nur erwartet, er dieses Ziel von seinen Nationalspieler als Selbstverständlichkeit verlangt. Bei den Vorstellungen in Frankfurt gegen die Polen und gegen die Schotten, im Hampden Park von Glasgow, dem ältesten Stadion der Welt, wurde die außergewöhnliche Klasse des Teams erkennbar. „Jetzt müssen wir so weiter machen. Wir haben zweimal gut gespielt“, sagte Manuel Neuer. „Die Gegentore ärgern uns natürlich“, erklärte der Münchner, der selbst beim ersten Gegentreffer in Glasgow nicht gut aussah und den Ball auf den Oberschenkel von Mats Hummels beförderte, sodass der Dortmunder ein Eigentor erzielte.

In der deutschen Abwehr klappt noch nicht alles: Das 1:1 in Schottland fiel durch ein Eigentor von Mats Hummels - nach einem Fehler von Manuel Neuer. (Foto: Imago)

 

Ein Punkt fehlt noch, um vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 in Frankreich dabei zu sein. „Uns reicht im Oktober in Irland ein Unentschieden, aber unser Ziel ist es natürlich, in Dublin mit einem Sieg als Gruppenerster alles klar zu machen“, erklärte Löw. Drei Tage später (10. Oktober) in Leipzig wird gegen Georgien die EM-Qualifikation abgeschlossen. Löw spricht aber schon davon, im nächsten Sommer in Paris den vierten EM-Titel für den DFB gewinnen zu wollen. „Wir wollen eine neue Ära prägen“, sagte Jerome Boateng. Der Innenverteidiger, der sich nun seit über einem Jahr in Topform befindet, nahm damit eine Aussage von Löw auf. Spanien, der Europameister 2008 und 2012 und Weltmeister 2010, ist mit diesen drei Turniersiegen in Serie für den Bundestrainer das Vorbild, nur mit dem Unterschied, dass der deutsche Titel-Dreiklang WM-EM-WM heißen soll. Denn Löw blickt sogar schon drei Jahre weiter. Die EURO 2016 sei nur eine „Zwischenetappe“ für die angestrebte Titelverteidigung bei der WM 2018 in Russland.

Thomas Müller erzielte gegen Polen und Schottland vier Tore und erhöhte sein Trefferkonto in der EM-Qualifikation auf acht. (Foto: Imago)

 

Glasgow und der Hampden Park war für Löw speziell

Glasgow aber war für den 55-Jährigen nicht nur eine einfache Länderspielreise, an dessen Ende das Fazit stand: Abgehakt, Pflicht erfüllt. Den Hampden Park hatte er weder als Spieler noch als Trainer vorher kennengelernt. Deswegen war er von der Atmosphäre, die 52.000 Zuschauer entfachten, sehr beeindruckt. Umgekehrt war Schottlands Trainer von der deutschen Mannschaft sehr angetan. „Die Deutschen sind zurecht Weltmeister, denn sie haben, selbst wenn sie unter Druck gesetzt werden, ein phantastisches Passspiel.“ Das Lob seines Trainerkollegen Gordon Strachan löste bei Löw Befriedigung aus, weil es den speziellen Markenkern seines Teams so gut kennzeichnet und zudem aus dem Mund eines ehemaligen Weltklassespielers kam.

Joachim Löw im Hampden Park in Glasgow: Der Bundestrainer war von seiner Mannschaft überrascht, weil die Spieler so schnell gut harmonierten. (Foto: Imago)

 

Der Bundestrainer empfand auch noch einen speziellen Moment des Glücks. Der Freiburger war erstaunt von seiner Mannschaft, er war regelrecht verblüfft darüber, wie gut sie mittlerweile ist – auch ohne wochenlanges Training vor den großen Turnieren. „Ich bin wirklich überrascht, wie schnell die Mannschaft in zwei, drei Tagen die Dinge umsetzt“, sagte Löw. Damit hatte er nach der rumpligen Saison im Anschluss an den Titelgewinn von Rio nicht mehr gerechnet. „Aber wenn alle zusammen sind, dann klappt alles schneller, als ich dachte.“ Beim Zusammentreffen in Frankfurt hatte Löw in der Teamsitzung ein „zwei, drei Dinge, die wir dringend korrigieren mussten“, klargestellt. Aber auch die deutsche Nationalelf, ihres Zeichens Weltmeister, ist eben eine Auswahlmannschaft, mit – besonders in der vorigen Saison – ständigen Wechseln im Kader, aber ohne ständiges gemeinsames Training. Die Homogenität einer Top-Clubmannschaft zu erreichen, ist  auch für eine Nationalmannschaft viel komplizierter. In der Drucksituation, keine weiteren Punkte verlieren zu dürfen, reichten jedoch einige mahnende Worte von Löw, damit die Mannschaft ruckzuck das wieder ausgrub, was zwölf Monate verschüttet schien.

Der Bundestrainer sucht noch seine EM-Idealelf

Gegen Polen und Schottland präsentierte sie phasenweise ihre offensiven Stärken mit Kombinationen der Extraklasse, allerdings noch zu großer Inkonsequenz in den Abschlüssen. In der Abwehr passt aber noch längst nicht alles, vor allem bei Standardsituationen. Beide Tore der Schotten fielen so - das erste nach einem Freistoß, das zweite nach einer Ecke. Es wird vieles so hingestellt, als wäre es immer einfach für uns, zu gewinnen. „Ich finde die Erwartungshaltung an uns fast schon arrogant, weil den Gegnern abgesprochen wird, dass sie auch Fußball spielen können. Das war bei der WM genau das gleiche. Dort haben wir uns fünf von sieben Malen durchgebissen, und es wird im Nachhinein so getan, als sei es ganz locker von der Hand gegangen“, sagte Mats Hummels. Es war letztlich vor allem die Spielfreude, die die Nationalelf in Frankfurt und Glasgow an den Tag legte, zeigte: Das WM-Team gehört nicht zum alten Eisen.

Freude der Weltmeister: Jerome Boateng, Toni Kroos, Bastian Schweinsteiger, Torschütze Thomas Müller, Mats Hummels, Mesut Özil (von links) beim 3:2 in Schottland. (Foto: Imago)

 

Von einer Idealelf wäre die aktuelle Mannschaft aber noch deutlich entfernt, betonte Löw in Glasgow. „Zu so einem frühen Zeitpunkt plane ich nie damit“, sagte er. Noch hat er zehn Monate Zeit bis zum EM-Start. Sami Khedira und Marco Reus möchte er noch in seiner Stammelf sehen. Und er machte klar, dass Emre Can in den beiden Partien nur ein „Casting“ durchlief, also einem Eignungstest auf der für ihn ungewohnten Rechtsverteidigerposition unter Härtebedingungen. Gegen Polen bestand der Mittelfeldspieler des FC Liverpool, der sein Debüt gab, die Prüfung leidlich, gegen Schottland war er der schwächste Spieler. Beide Gegentore leitete er mit Fehlern ein, bereitete aber das 2:1 vor. „Natürlich gibt es einiges zu verbessern, natürlich müssen wir ihn begleiten“, sagte Löw. Dass demnächst wieder andere Kandidaten wie Matthias Ginter, Sebastian Rudy oder Tony Rüdiger getestet werden, steht wohl fest. Auf der linken Seite hingegen sammelte Jonas Hector mit seiner auf Sicherheit bedachten, seriösen Spielweise  Punkte für einen Stammplatz. Der Kampf um die Plätze von 1 bis 14 im Team hat begonnen. Das Beispiel des wiedererstarkten Ilkay Gündogan ist auch für die nicht mehr auf früherem Niveau agierenden Weltmeistern Mesut Özil und Bastian Schweinsteiger eine Warnung, dass Stammplätze ständig verteidigt werden müssen.