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Der lange Weg bis zur ersten EM

UEFA Euro 2016

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08/03/2016
 

Bereits 1926 schlugen vier Länder die Austragung eines Europapokals für Nationen vor – es sollte aber bis 1960 dauern, bis der erste Sieger des UEFA-Wettbewerbs für Nationen gekürt wurde, die Sowjetunion bezwang Jugoslawien 2:1. Die EM entfachte nun europaweit Begeisterung: Vier Jahre später siegte Spanien im Bernabeu – vor 105.000 Fans. Die Erfolgsgeschichte der Europameisterschaften hatte begonnen. 


Der Fußballsport hat nicht nur auf dem Feld enorm an Tempo zugelegt. Auch in Sachen Organisation und Bürokratie ging es vor mehr als hundert Jahren noch etwas gemächlicher zu: So dauerte es zu Beginn des 20. Jahrhunderts ganze 25 Jahre, bis die Planungen für eine Weltmeisterschaft vom Internationalen Fußball-Verband (FIFA) umgesetzt wurden. Schon 1905 wurde erstmals diskutiert, ein Weltturnier für Nationalmannschaften einzuführen. Aber erst 1930 war es soweit: In Uruguay fand die erste WM unter Regie der FIFA statt. Vier Jahre zuvor hatten die europäischen Länder Tschechoslowakei, Ungarn, Italien und Österreich bereits den Vorstoß für einen Europapokal gemacht. Die FIFA bremste den Vorschlag, indem sie die WM-Initiative ergriff und endlich die Weltmeisterschaft einführte, was aber auch an der gewachsenen Bedeutung der Fußball-Turniere bei den Olympischen Spielen lag. Die FIFA wollte es nicht dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) überlassen, für das erfolgreichste internationale Fußball-Turnier verantwortlich zu sein. Bis heute hat der Fußball bei Olympia aber eine sehr hohe Bedeutung, denn diese Sportart sorgt bei den Sommerspielen mit Abstand für die höchsten Zuschauerzahlen.

 

Europa hatte also einen gewissen Anteil an der Entstehung der Weltmeisterschaften. Die Einführung einer Europameisterschaft folgte aber erst 30 Jahre später: 1960 fand ein Turnier statt, das als Vorläufer der EM gilt. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) wurde erst 1954 gegründet, 1955 fand in Wien der erste Kongress des neuen Verbandes statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die „Idee Europa“ verstärkt Anhänger gefunden, angetrieben von den politischen Entwicklungen. Bis in die zweite Hälfte der 50er Jahre wuchs der Wille zur europäischen Einigung, die am 25. März 1957 in der Ratifizierung der Römischen Verträge gipfelte. Dieses Vertragswerk bildet die Grundlage der Europäischen Union.


Franzosen trieben die EM-Planungen voran

Auf der Ebene des Fußballs war bereits im Mai 1955 die Einführung des Europapokals der Landesmeister auf Initiative der Pariser Sportzeitung „L`Equipe“ beschlossen worden. Am 4. September 1955 wurde das erste Spiel ausgetragen. Das Projekt einer Europameisterschaft für Nationalmannschaften wurde allerdings zurückgestellt. Die Rücksicht auf die FIFA und deren Weltmeisterschaften spielte dabei eine große Rolle. Und eine Diskussion, die bis heute aktuell geblieben ist: Das Argument lautete, dass die Spitzenspieler durch zu viele Begegnungen überbelastet werden könnten.

1955 führen Vertreter des Europa-Fußballs mit UEFA-Präsident Ebbe Schwartz (links außen) und Henri Delaunay (rechts außen) eine Meisterschaft für Nationen ein. (Foto: Getty Images)

 

Die Idee einer EM wurde aber nur kurz auf Eis gelegt. Die FIFA benötigte 25 Jahre zur Einführung der FIFA WM, bei der UEFA waren es letztlich nur fünf Jahre bis zum ersten Endspiel des Länder-Turniers. Während der Weltmeisterschaft 1958 in Schweden wurde die erste Auslosung durchgeführt. 17 Länder hatten ihre Teilnahme zugesagt. Wie anfangs bei der FIFA-WM hielten sich einige große Fußball-Länder zurück. Italien, die Bundesrepublik Deutschland, England und die anderen britischen Verbände nahmen nicht teil. Am 28. September 1958 fand in Moskau zwischen der UdSSR und Ungarn die erste Partie statt. Es war ein Achtelfinal-Hinspiel. Die Sowjets siegten 3:1 und gewannen auch das Rückspiel mit 1:0. Der Wettbewerb trug noch die Bezeichnung „Europapokal der Länder“ oder auch „UEFA-Wettbewerb für Nationen“. Die ersten beiden Austragungen, die in den Endspielen 1960 und 1964 mündeten, hatten fast noch einen inoffiziellen Charakter, werden aber – auch von UEFA – als Europameisterschaften betrachtet. 

Am 10. Juli 1960, um 21.30 Uhr, fand das erste EM-Finale in Paris statt: Das Team der UdSSR besiegte Jugoslawien nach Verlängerung mit 2:1. (Foto: Getty Images) 

Der Franzose Henri Delaunay (1883-1955) war Generalsekretär der UEFA. Nach ihm wurde der Pokal für den Sieger der Fußball-Europameisterschaft benannt. (Foto: Getty Images)

 

Der EM-Vorläufer erhielt den Beinamen „Henri-Delaunay-Pokal“, womit die Verdienste des Mitbegründers gewürdigt wurden. Der 1919 geborene und 1955 verstorbene Delaunay war der erste Generalsekretär der UEFA. Als er starb, trat sein Sohn Pierre die Nachfolge an. Die Franzosen waren damals schon eine treibende Kraft im Spitzensport: Aus ihren Initiativen erwuchsen die Europapokal-Wettbewerbe im Fußball, die Tour de France der Radrennfahrer und auch die Fußball-Europameisterschaften wären ohne die starken Impulse der Franzosen wohl wesentlich später entstanden. Der erste Präsident der UEFA war aber der Däne Ebbe Schwartz (1954 bis 1962).

 

Teilnehmer- und Zuschauerboom

 

Die Endrunde der ersten Europameisterschaft fand vom 6. bis 10. Juli 1960 in Frankreich statt. Marseille und Paris waren die Schauplätze für die beiden Halbfinals, die Partie um Platz drei und das Endspiel, das die Sowjetunion mit 2:1 nach Verlängerung am 10. Juli gegen Jugoslawien vor 18.000 Zuschauern im Prinzenparkstadion gewann. 

Gastgeber Spanien gewann am 21. Juni 1964 in Bernabeu-Stadion in Madrid das Finale der zweiten Europameisterschaft gegen die UdSSR, dem Sieger von 1960. (Foto: Imago)

 

Für die nächste EM-Auflage meldeten sich schon 29 Länder an. Italien, England und die anderen britischen Verbände nahmen teil. Die Bundesrepublik Deutschland hielt sich weiterhin, anders als die Deutsche Demokratische Republik, zurück. Die Endrunde fand vom 17. bis 21. Juni 1964 in Spanien statt, Madrid und Barcelona waren die Spielorte. Im Finale entthronte Spanien vor 105.000 Zuschauern im Bernabeu-Stadion mit einem 2:1 die Sowjetunion als Europameister. 

Danach kam die Europameisterschaft richtig in Fahrt. (Siehe zweiter und dritter Teil der EM-Historie)