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Teil 3: Europa verändert sich – und die EM

UEFA Euro 2016

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08/03/2016
 

Durch die politischen Umwälzungen und dem Zusammenbruch alter Ostblockländer waren nach 1990 viele neue Fußball-Verbände entstanden. Zudem hatten sich seit dem Beginn der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts die finanziellen Rahmenbedingungen für die großen Fußballturniere extrem verbessert. Dies veranlasste die Europäische Fußball-Union (UEFA) zur Entscheidung, 1996 in England die EM-Endrunde auf 16 Teilnehmer auszuweiten. Was einst mit vier Teams in einer Endrunde begonnen hatte, weitete sich nun zu einem großen Turnier aus. Das Teilnehmerfeld mit 16 Teams und K.o.-Spielen für die besten acht Mannschaften ist ein ideales Format, nach dem die Weltmeisterschaften bis 1970 ausgetragen wurden. 


Ab 1996 Endrunde mit 16 Teams und vier Gruppen

Jürgen Klinsmann reckt nach dem 2:1 gegen Tschechien im EM-Finale 1996 im Wembleystadion in London den EM-Pokal in die Höhe, beobachtet von der englischen Königin Elisabeth II. (Foto: Imago)

 

Die Mannschaften wurden in vier Gruppen aufgeteilt, die beiden jeweils Erstplatzierten rückten ins Viertelfinale auf. Deutschland holte 1996 in England zum dritten Mal nach 1972 und 1980 den Titel. Die Entscheidung fiel durch ein „Golden Goal“ zum 2:1 im Finale gegen Tschechien. Dies war eine neue Regelung, bei der die Verlängerung des Endspiels mit dem ersten Tor beendet wurde. Die Erweiterung der EM wurde zu einem großen Erfolg: Das Turnier bewegte sich auf hohem Niveau, fast alle Spiele waren ausverkauft, das EURO-Motto „football ’s coming home“ als Hommage an England, dem Mutterland des Fußballs, wurde mit prächtiger Stimmung von Millionen Fans in die Realität umgesetzt.

Im Jahr 2000 wurde die EM-Endrunde erstmals in zwei Ländern ausgetragen: Die Niederlande und Belgien waren gemeinsam EM-Gastgeber. Damit betrat die UEFA noch vor dem Internationalen Fußball-Verband (FIFA) Neuland, die erst 2002 die WM gemeinsam von Südkorea und Japan durchführen ließ. Frankreich holte zum zweiten Mal nach 1984 den Henri-Delaunay-Pokal, wieder durch ein „Golden Goal“ zum 2:1 in der Endspiel-Verlängerung gegen Italien in Rotterdam.

Frankreich gewann als Weltmeister das EM-Finale 2000 gegen Italien. UEFA-Präsident Johansson reicht den Pokal an Didier Deschampes (links), heute Nationalcoach der Franzosen. (Foto: Imago)

 

Die EM war unter der geschickten Regie der UEFA zu einem immer größeren Erfolg geworden. Vor allem die Gruppenspiele bewegten sich auf einem deutlich höheren Niveau als manche Partien bei den Weltmeisterschaften. Sich für eine EM zu qualifizieren, war für die Mannschaften teilweise schwieriger, als sich die Teilnahme für eine WM-Endrunde zu sichern.

 

„Silver Goal“ und ein historischer Erfolg

Die EM 2004 in Portugal war wieder ein wahres, weltweit beachtetes Fußball-Fest, das mit Griechenland erneut einen Überraschungssieger hervorbrachte. Die „Golden Goal“-Regel war durch eine „Silver Goal“-Regelung ersetzt worden. Spiele, die sich in der Verlängerung befanden, wurden nicht mehr nach einem Tor direkt beendet. Die zurückliegende Mannschaft bekam bis zur Halbzeit der Verlängerung oder bis zum Ende der gesamten 120-Minuten-Spanne die Gelegenheit, noch den Ausgleichstreffer zu erzielen und eine Fortsetzung der Partie zu erzwingen. Griechenland bezwang Tschechien im Halbfinale durch ein „Silver Goal“. 

Angelos Charisteas (links) köpft das Tor zum 1:0-Erfolg von Überraschungssieger Griechenland im EM-Finale 2004 in Lissabon gegen Portugal. (Foto: Imago) 

 

2008 wurde die Europameisterschaft zum zweiten Mal von zwei Ländern gemeinsam ausgetragen: Schweiz und Österreich waren die Gastgeber. 51 Mannschaften nahmen an der Qualifikation zur UEFA EURO 2008 teil – und am Ende setzte sich Spanien zum zweiten Mal die europäische Krone auf. Im Finale gelang in Wien ein 1:0 gegen Deutschland.

Vier Jahre später wurde das Turnier wieder in zwei Ländern ausgetragen – und wieder triumphierte Spanien. Durch den furiosen 4:0-Finalsieg in Kiew gegen Italien bei der Endrunde 2012 in Polen und der Ukraine schaffte die „Furia Roja“ einen historischen Erfolg: Als erste Nation verteidigte Spanien den EM-Titel. Zudem war Spanien der letzte Titelträger im 16-Team-Format, da längst beschlossen war, dass 2016 in Frankreich erstmals 24 Mannschaften an der Endrunde teilnehmen werden.

Die spanische Nationalmannschaft vor dem EM-Finale 2012 in Kiew, in dem sie als Weltmeister mit einem 4:0 gegen Italien den 2008 in Wien gewonnenen Titel verteidigte. (Foto: Imago)

 

Die erste vierwöchige EM-Endrunde

Die Aufstockung löste einige Änderungen in der Qualifikation aus: Gespielt wurde in neun Gruppen, von denen sich die beiden Erstplatzierten jeweils direkt für die Endrunde qualifizierten. Zusätzlich lösten der beste Gruppendritte (Türkei) und natürlich Gastgeber Frankreich das Ticket. Die verbleibenden vier Plätze wurden in vier Playoff-Paarungen zwischen den verbleibenden acht Gruppendritten ausgespielt. Auch in Frankreich wird sich einiges ändern. Das Turnier wird erstmals über einen Zeitraum von vier Wochen (10. Juni bis 10. Juli) ausgetragen – und erstmals auch mit sechs Vorrundengruppen. Für das neu eingeführte Achtelfinale qualifizieren sich jeweils die beiden Erstplatzierten der sechs Gruppen sowie die vier besten Dritten.

Neben der Freude über mehr Spiele und eine größere Vielfalt bei der Endrunde existiert auch Kritik am neuen Modus: Vor allem wird ein Verlust der früher durchgehend hohen sportlichen Qualität und Attraktivität des Turniers befürchtet. Nur die vier besten Gruppendritten kommen in das Achtelfinale, zwei Gruppendritte scheiden aus. Die Weltmeisterschaften, die mit 24 Mannschaften durchgeführt wurden, zeigten, dass der Vergleich der Gruppendritten, der nicht sportlich sondern nur statistisch geschieht, größere Nachteile besitzen kann. Es musste sogar schon das Los entscheiden, welcher Gruppendritter in die Runde der besten 16 Team einziehen durfte.