Produkte für PKW / Van / 4x4

New content item

„Mittwochs habe ich keine Zeit“

UEFA Euro 2016

 Votes Print
 
31/05/2016
 

Vier neue für Frankreich: Trainer Joachim Löw gibt dem Nachwuchs auch bei der EM eine Chance, die Jung-Nationalspieler Joshua Kimmich, Julian Weigl, Leroy Sané und Bernd Leno sind dabei. Das hat System: Insgesamt bereits 82 Spieler feierten unter dem Bundestrainer ihr Debüt. In der gesamten DFB-Historie sind bisher 923 Spieler eingesetzt worden. ContiSoccerWorld blickt zurück: Zehn Geschichten vom DFB-Debütanten-Ball – fünf Tops, fünf Flops.


5 TOP-DEBÜTANTEN:


1.) Miroslav Klose – der Rekordspieler

Der deutsche Fußball ohne Miroslav Klose? Undenkbar. Mit 71 Treffern die meisten Länderspiel-Tore, mit 16 Treffern bei Weltmeisterschaften globaler Rekordtorschütze, drei gespielte Europameisterschaften und vier Weltmeisterschaften mit dem Titel 2014: Klose ist ein Mann der Rekorde. Schon in seinem ersten Spiel im DFB-Trikot konnte der damalige Stürmer des 1. FC Kaiserslautern auf sich aufmerksam machen. Am 24. März 2001 wurde Klose beim Stand von 1:1 im WM-Qualifikationsspiel gegen Albanien eingewechselt – zwei Jahre zuvor hatte er noch in der fünften deutschen Liga bei Homburg gespielt! Es war eine zähe Partie. Doch kurz vor Schluss (88.) köpfte Miroslav Klose im ersten Spiel sein erstes Tor – Deutschland siegte 2:1. Dann, bei der darauffolgenden Weltmeisterschaft 2002, köpfte er sich sogar direkt in die Geschichtsbücher. Fünf Tore, allesamt per Kopf, alle in der Vorrunde, allein drei davon in seinem ersten WM-Spiel gegen Saudi-Arabien – das hatte noch keiner geschafft.

Rekordnationalspieler Miroslav Klose 2012 – zwei Jahre später trat der Stürmer nach dem WM-Titel in Brasilien zurück. Foto: Michael Kranewitter, Wikimedia Commons, CC-by-sa 4.0

Fritz Walter, legendärer Spielführer der Nationalmannschaft. Foto: Bundesarchiv

 

2.) Fritz Walter – die Legende

Wenn der eigene Name als Synonym für eine ganze Mannschaft steht, titelgebend für Auszeichnungen ist oder ein Gebäude nach ihm benannt wird, dann ist das legendär. Fritz Walter hat dies geschafft. Jährlich bekommt der beste Jugendspieler die Fritz-Walter-Medaille überreicht und jedes Jahr strömen zigtausend Fans in das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern. Wenn vom „Wunder von Bern“ die Rede ist, dann auch oft von der „Walter-Elf“. Der Stürmer und Weltmeister-Kapitän von 1954, der in seiner aktiven Zeit beim 1. FC Kaiserslautern in 384 Spielen 327 Tore erzielte, bestritt am 14. Juli 1940 im Alter von 19 Jahren sein erstes Länderspiel gegen Rumänien. Mit drei Toren beim 9:3-Sieg wurde es ein Einstand nach Maß und der Startschuss für eine legendäre Karriere. In insgesamt 61 Spielen für die deutsche Nationalmannschaft erzielte der erste Ehrenspielführer der DFB-Geschichte 33 Tore.


3.) Andreas Thom – Der Blitzstarter

Er war der erste Spieler der DDR-Oberliga, der in die Bundesliga wechselte. Es war im Januar 1990, als der 24-jährige Andreas Thom den Schritt vom BFC Dynamo zum Bundesligisten Bayer Leverkusen wagte. Im Dezember folgte dann auch das Debüt in der deutschen Nationalmannschaft im ersten „gesamtdeutschen“ Länderspiel nach der Wiedervereinigung. In der 74. Minute wurde er für Matthias Sammer eingewechselt und wurde somit zum zweiten DDR-Spieler im DFB-Dress. Und dann geschah Historisches. Nur 25 Sekunden nach seiner Einwechslung erzielte Thom sein erstes Länderspiel-Tor für die Bundesrepublik – in 51 Spielen für die DDR-Auswahl hatte er 16 Tore geschossen. Bis heute ist es das schnellste Joker-Tor der DFB-Historie. Es folgten neun weitere Länderspiele, ein weiteres Tor und der Vize-Europameister-Titel 1992 in Schweden.

David Odonkor im Mai 2006 bei einem Testspiel der Nationalmannschaft gegen den Verbandsligisten FSV Luckenwalde. Kurz darauf wurde er bei der WM wegen einer Flanke berühmt. Foto: Florian K.

 

4.) David Odonkor – Der Last-Minute-Flitzer

Viele Fußball-Fans rieben sich die Augen, als sie erstmals den von Bundestrainer Jürgen Klinsmann ernannten Kader für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu lesen bekamen. Im Aufgebot stand ein gewisser David Odonkor von Borussia Dortmund. Der 22-jährige Flügelstürmer hatte bis dato lediglich mit seiner Schnelligkeit auf sich aufmerksam gemacht, gerade mal eine gute Saison gespielt. Sein Debüt bestritt er erst wenige Wochen vor der WM beim Test-Länderspiel gegen Japan am 30. Mai 2006. Aber bereits zwei Spiele später landete er den Schuss seines Lebens. Im zweiten Vorrunden-Spiel wurde er gegen Polen beim Stand von 0:0 eingewechselt. Das deutsche Team hatte schon etliche Chancen vergeben, es blieb nicht mehr viel Zeit. Doch dann hatte Odonkor Platz, zog in der Nachspielzeit einen Sprint an und schlug eine maßgeschneiderte Flanke auf Oliver Neuville, der nur noch einzuschieben brauchte (91.). Mit dieser Aktion flankte sich der Flügelflitzer in die Herzen der deutschen Fans.

Philipp Lahm 2011 im Trikot der Nationalmannschaft. Nach dem WM-Erfolg 2014 verkündete der Kapitän seinen Rücktritt. Foto: Steindy

 

5.) Philipp Lahm – Der Zuverlässige

Nach seinem vielleicht größten Triumph – dem Weltmeister-Titel 2014 – beendete Philipp Lahm nach 113 Länderspielen seine Nationalmannschaftskarriere. Knapp zehn Jahre waren seit seinem Debüt vergangen: am 18. Februar 2004, damals noch als linker Außenverteidiger, lief er im Länderspiel gegen Kroatien in Split auf. Sofort avancierte er zum Stammspieler. Nach seinem ersten Einsatz bestritt er im Jahr 2004 15 von 16 möglichen Länderspielen und war auch bei der EURO 2004 als linkes Glied in der Viererkette gesetzt. Was folgte, war eine großartige Nationalmannschaftskarriere, in der er seit der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika das Kapitänsamt innehatte. Für viele Tore war Lahm zwar nicht bekannt (insgesamt 5 im DFB-Trikot), wenn er traf, waren sie aber oft wichtig. So schoss er mit einem wunderschönen Schlenzer aus halblinker Position das erste Tor der WM 2006 gegen Costa Rica und das entscheidende Tor in der 90. Minute beim 3:2-Sieg gegen die Türkei im Halbfinale der EURO 2008.

 

5 FLOP-DEBÜTANTEN:

 

1.) Martin Max – Der Rekord-Torschützenkönig

In der Bundesligasaison 2001/2002 konnte Martin Max, Stürmer des TSV 1860 München, einen bis heute ungebrochenen Rekord für sich verbuchen. Mit 33 Jahren und 18 geschossenen Toren wurde er zum ältesten Torschützenkönig aller Zeiten. Fast also schon eine logische Konsequenz, dass die Sport-Medien von Bundestrainer Rudi Völler eine Nominierung für die anstehende Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea erwarteten. Am 17. April 2002 geschah es tatsächlich. Er wurde nominiert. Zwar nicht für die WM, aber immerhin für ein Länderspiel. Und so wurde er zum viertältesten Nationalmannschaftsdebütanten der DFB-Historie. Bei der 0:1-Niederlage gegen Argentinien wurde er acht Minuten vor Schluss eingewechselt. Da blieb ihm nicht viel Zeit um sein Können auch im DFB-Trikot unter Beweis zu stellen, doch weitere Chancen blieben ihm verwehrt. Der beste deutsche Angreifer bekam keinen Platz im WM-Kader. Acht Minuten Einsatzzeit, kein Treffer, keine Vorlage – das ist die bittere Nationalmannschaftskarriere. Zwar wurde Max auch 2003/04 wieder Torschützenkönig, und wieder wurde sein Einsatz gefordert, diesmal für die EM 2004 in Portugal. Doch der fast 36-Jährige kam Rudi Völler zuvor – und zog selbst beinen Schlussstrich.

 

2.) Bernd Martin – Der Drei-Minuten-Nationalspieler

Rekordhalter sein, das muss nicht immer etwas Gutes heißen. Der ehemalige Stuttgarter und Bayern-Profi Bernd Martin hat es am eigenen Leibe erlebt. Beim EM-Qualifikationsspiel der DFB-Auswahl am 2. Mai 1979 in Wrexham gegen Wales wurde der Stürmer in der 88. Minute für Ulli Stielike eingewechselt und kam so zu seinem Nationalmannschaftsdebüt. Drei Minuten durfte er also ran, ein Treffer gelang ihm dabei nicht. Und dabei sollte es auch bleiben. Bis heute ist er der Spieler mit der kürzesten Nationalmannschaftskarriere aller Zeiten. Er selbst nimmt es mit Humor. Darauf angesprochen sagte er mal: „Ich erzähle den Leuten immer, dass ich Rekord-Nationalspieler bin.“

Benjamin Lauth 2011 im Dress des damaligen Zweitligisten 1860 München – in der Nationalmannschaft konnte der talentierte Stürmer nie richtig durchstarten. Foto: Ampfinger

 

3.) Benjamin Lauth – Das ewige Talent

Eine der größten deutschen Sturmhoffnungen seiner Zeit war Benjamin Lauth. Hatte er zunächst noch im Trikot des TSV 1860 München für Aufsehen gesorgt, wurde er im Jahr 2002 in die Nationalmannschaft berufen. Zwar war sein erster Einsatz ein Benefizspiel der Nationalmannschaft gegen in der Bundesliga spielende Ausländer, doch gelang ihm direkt ein fantastisches Fallrückzieher-Tor aus spitzem Winkel, das sogar zum Tor des Jahres 2002 gekürt wurde. Es schien, als stünde ihm eine große Laufbahn bevor. Doch es kam anders. Die Karriere des jungen Sturm-Talents stagnierte. Bis 2004 bestritt Lauth lediglich vier weitere Spiele für den DFB, in denen ihm nicht ein einziges Pflichtspieltor gelang.


4.) Zoltan Sebescen – Der Dreiviertelstunden-Mann

Ein für viele Fans dunkles Kapitel in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft ist die Ära Erich Ribbeck. Für die Fans, die bei der EURO 2000 maßlos enttäuscht wurden – aber auch für so manchen Spieler, der sich viel erhofft, aber wenig erreicht hat. Einer von ihnen ist Zoltan Sebescen. Der damalige Wolfsburger hatte mit guten Leistungen beeindruckt und wurde von Ribbeck zum Test-Länderspiel gegen die Niederlande nominiert – und kurzfristig sogar in die Startelf berufen. „Ist doch klar, dass ich mich dagegen nicht gewehrt habe“, sagte Sebescen später. Doch dem Offensivspieler wurde eine unliebe Rolle zuteil, er sollte in der Defensive aushelfen. Dort wurde er vom Niederländer Boudewijn Zenden derart schwindelig gespielt, Sebescen mitverschuldete beide Gegentreffer bei der 1:2-Niederlage, der Teamchef nahm ihn nach 45 Minuten vom Platz. Die Nationalmannschaftskarriere von Zoltan Sebescen war nach einer Dreiviertelstunde beendet. Erich Ribbeck und Sebescen haben danach nie wieder miteinander gesprochen.

 

5.) Paul Steiner – Der Bank-Weltmeister

Eigentlich sei die Nationalmannschaft für ihn kein Thema gewesen. „Nein, die spielen immer Mittwochs, da habe ich keine Zeit“, sagte Paul Steiner, Erfolgsverteidiger  beim 1. FC Köln, auf die Frage, warum er denn nicht mal den Bundesadler auf der Brust trage. Doch dann kam sie doch noch, die Nominierung. Und auch noch für die Weltmeisterschaft 1990. Im Alter von 33 Jahren. Teamchef Franz Beckenbauer wollte jede Position doppelt besetzen. Für den Fall, dass Stammspieler Klaus Augenthaler verletzungsbedingt ausfallen sollte, war Steiner vorgesehen. Kurz vor dem Turnier kam er dann auch zu seinem Debüt. Am 30. Mai 1990 wurde der Verteidiger im Test-Länderspiel gegen Dänemark zu Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselt. Beim WM-Turnier in Italien musste er sich dann aber mit der Bank begnügen. Keine Minute Einsatzzeit, das hätte sich Steiner sicherlich anders vorgestellt. Immerhin: Weltmeister darf er sich bis heute nennen.