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Die Überraschung: Löw sortiert verletzten Reus aus

UEFA Euro 2016

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31/05/2016
 

Marco Reus (Dortmund), Sebastian Rudy (Hoffenheim), Julian Brandt und Karim Bellarabi (beide Leverkusen) überstanden das Casting von Joachim Löw nicht. „Menschlich tun mir die Entscheidungen auch weh“, sagte Löw nach seiner Auslese. Bastian Schweinsteiger und Mats Hummels berief der Bundestrainer hingegen trotz Verletzungen in den 23-Spieler-Kader für die Europameisterschaft 2016.

Marco Reus steigt vor dem Hotel Giardino in Ascona aus dem Teambus aus. Der Dortmunder schaffte es wegen einer Verletzung nicht in den endgültigen DFB-Kader für die EM. (Foto: Imago)

 

Ascona. Als das tieftraurige Geburtstagskind Marco Reus und seine Leidensgenossen Sebastian Rudy, Karim Bellarabi und Julian Brandt das Mannschaftsquartier in Ascona verließen, goss es in Strömen. Das Wetter im Tessin mit tiefhängenden Wolken und Platzregen entsprach der Stimmungslage. „Arrivederci“, sagten die Angestellten des Hotels „Giardino“ zum Abschied. Erst in Einzelgesprächen und anschließend in Anwesenheit des gesamten Teams hatten die vier Spieler erfahren, dass sie bei der Europameisterschaft 2016 nicht dabei sein werden. „Menschlich tun mir die Entscheidungen auch weh“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. „Eine besonders bittere Entscheidung ist es für Marco Reus“, fügte der Bundestrainer hinzu. „Aber er hat massive gesundheitliche Probleme. Er kann nur geradeauslaufen. Er wäre eine enorme Bereicherung gewesen für unseren EM-Kader“, kommentierte der 56-Jährige die größte Überraschung, für die er mit beim Kader-Cut gesorgt hatte. Bei Bastian Schweinsteiger und Mats Hummels spielte die Gesundheit keine große Rolle. Die beiden angeschlagenen Spieler berief Löw in den nun 23 Spieler umfassenden EM-Kader.

Die Weltmeister Jerome Boateng, Toni Kroos, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, Mats Hummels (von links) stehen im Aufgebot von Bundestrainer Joachim Löw für die EM 2016. (Foto: Imago)

 

Schweinsteiger und Hummels waren wichtige Stützen beim WM-Titeltriumph in Brasilien. Reus verpasste auch schon die WM 2014 wegen einer am Tag vor der Abreise nach Rio de Janeiro im Test gegen Armenien (6:1) erlittenen Verletzung. Vor zwei Jahren war es eine gerissene Sehne im Sprunggelenk, die dem schnellen Mittelfeldspieler einen Strich durch die Rechnung machte. Schon vor der WM 2010 gehörte er zum erweiterten Kader, verpasste dann aber wegen einer Verletzung sein Länderspieldebüt gegen Malta (6:0) in Aachen. Diesmal machten ihm anhaltende Adduktorenprobleme mit Tendenz zur Schambeinentzündung arg zu schaffen. In der vorigen Woche hatte Löw-Assistent Andreas Köpke noch verkündet, Reus setze als „Vorsichtsmaßnahme“ wegen einer leichten Zerrung mit dem Training aus. 

 

In Dortmund war Reus behutsam aufgebaut worden, um zum Saisonende mit dem Pokalfinale wieder richtig fit zu sein. Aber die Mediziner des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) waren bei ihm skeptisch, ob er nicht ein Dauerpatient während der gesamten EM-Zeit (10. Juni bis 10. Juli) bleiben würde. Das ersehnte „Okay“ der Doktoren Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Josef Schmitt blieb aus. Bitterer konnte sein 27. Geburtstag kaum verlaufen. Es war vielleicht der härteste von vielen Tiefschlägen für Reus, dem zudem trotz seiner Extraklasse in seiner Laufbahn bisher in vier Endspielteilnahmen seit 2012 ein Titel verwehrt blieb.

Vor der WM 2014: Noch kann es Kader-Änderungen geben

„Es tut immer weh, wenn man vier Spielern sagen muss, ihr müsst jetzt gehen. Das ist auch für die Mitspieler keine leichte Situation“, sagte Vizekapitän Sami Khedira. Tatsächlich war die Stimmung im Teamkreis etwas bedrückt. Aber andere Kollegen, die man schon deutlich länger kennt, durften immerhin bleiben. „Die Mediziner haben bestätigt, dass Bastian Schweinsteiger und Mats Hummels beim Turnier einsatzfähig sind“, begründete Löw die Nominierung der angeschlagenen Routiniers. Kapitän Schweinsteiger kann angeblich wieder ins Teamtraining einsteigen. Bei Hummels soll es noch einige Tage, eventuell bis zum Einzug in das EM-Basisquartier in Evian am nächsten Dienstag, dauern. 



Bundestrainer Joachim Löw (rechts) und Vizekapitän Sami Khedira kommen am Dienstag, 31. Mai, zur Pressekonferenz in Ascona, auf der der EM-Kader bekannt geben wurde. (Foto: Imago)

 

Wie Reus trug auch bei Bellarabi eine Verletzung zur Streichung bei. Im Trainingstest gegen die deutschen U20-Junioren am Donnerstag hatte er sich eine Zerrung zugezogen. Der Leverkusener und auch der Hoffenheimer Rudy bestritten seit der WM 2014 je zehn der insgesamt 18 Länderspiele. Rudy stand sogar in allen zehn EM-Qualifikationsspielen im Kader, strich 200.000 Euro Prämie dafür ein wie sonst nur Jerome Boateng, Lukas Podolski und Mario Götze. Aber es reichte nicht für den 26-Jährigen, bei der EM in Frankreich die Nachfolge von Philipp Lahm auf der rechten Abwehrseite anzutreten. Rudy bekleidete im Verein eine andere Position. Relativ leichte Opfer, die nicht die allergrößte Lobby im Teamkreis haben, wählte Löw letztlich bei der Streichung aus. Nun könnte Emre Can vom FC Liverpool erste Wahl für die rechte defensive Außenbahn werden – oder Löw greift auf Shkodran Mustafi oder Benedikt Höwedes zurück. 

Karim Bellarabi (links) und Sebastian Rudy beim Training in Ascona. Beide wurden trotz jeweils zehn Länderspieleinsätzen seit der WM 2014 nicht in den EM-Kader berufen. (Foto: Imago)

 

Bei Bellarabi war es neben der Muskelverletzung auch die verschärfte Konkurrenzsituation, die gegen ihn sprach. Leroy Sane, der Überflieger der Saison aus Schalke, kann die Rolle des rechten Flügelspielers deckungsgleich ausfüllen. Das ist auch der Bereich von Julian Brandt, dessen Ausbootung durch Löw sich in den vergangenen Tagen angedeutet hatte. Pech hatte der junge Leverkusener, dass er sich beim Wasserballspiel gegen die Slowakei wegen der schwierigen Umstände nicht empfehlen konnte. Julian Weigl (Dortmund) und Joshua Kimmich (FC Bayern) beließ Löw nach ihrem Debüt in seinem Aufgebot. Die Junioren sollen Unbekümmertheit und Tempo in die Trainingseinheiten bringen und so den erfahrenen Spielern Beine zu machen, falls die auf die Idee kämen, sich mal zurückzulehnen.


Noch ist der Kader der 23 Spieler, den der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bis Dienstag, 23.59 Uhr, bei der Europäischen Fußball-Union anmelden musste, nicht endgültig. Sollte sich ein oder mehrere Spieler beim Test am Samstag gegen Ungarn in Gelsenkirchen verletzen, wäre noch Wechsel im Aufgebot möglich. Die DFB-Ärzte mussten per Attest beglaubigen, dass die Spieler nicht einsatzfähig sind. Vor zwei Jahren kam Mustafi so zu seinem Glück. Löw strich ihn aus dem vorläufigen Kader, dann verletzte sich Reus und der Verteidiger rückte nach – und kam in Brasilien sogar zum Einsatz. 

 

Der Kader

(Quelle: www.dfb.de)

Torwart

Trikot       Name             Geburtstag        Verein       Spiele        Tore
12Bernd Leno04.03.1992Bayer 04 Leverkusen     10
1Manuel Neuer27.03.1986Bayern München640
22Marc-André ter Stegen     30.04.1992FC Barcelona60


Abwehr

Trikot       Name                                  Geburstag         Verein                               Spiele         Tore
17Jérôme Boateng03.09.1988Bayern München580
14Emre Can12.01.1994FC Liverpool50
3Jonas Hector27.05.19901. FC Köln131
4Benedikt Höwedes29.02.1988FC Schalke 04332
5Mats Hummels16.12.1988Borussia Dortmund464
2Shkodran Mustafi17.04.1992FC Valencia100
16Antonio Rüdiger03.03.1993AS Rom100


Mittelfeld

Trikot       Name                                  Geburstag         Verein                                Spiele         Tore
11Julian Draxler20.09.1993VfL Wolfsburg181
6Sami Khedira04.04.1987Juventus Turin595
21Joshua Kimmich08.02.1995Bayern München10
18Toni Kroos04.01.1990Real Madrid6411
13Thomas Müller13.09.1989Bayern München7031
8Mesut Özil15.10.1988FC Arsenal7219
10Lukas Podolski04.06.1985Galatasaray Istanbul12748
9André Schürrle06.11.1990VfL Wolfsburg5120
7Bastian Schweinsteiger01.08.1984Manchester United11423
15Julian Weigl08.09.1995Borussia Dortmund10


Sturm

Trikot       NameGeburstagVereinSpiele         Tore
23Mario Gómez                      10.07.1985          Besiktas Istanbul                6327
19Mario Götze03.06.1992Bayern München5117
20Leroy Sané11.01.1996FC Schalke 0420