Produkte für PKW / Van / 4x4

New content item

Trotz Rückschlägen hält Löw an Titel-Ambitionen fest

UEFA Euro 2016

 Votes Print
 
08/06/2016
 

Der erste Tag der deutschen Nationalmannschaft im EM-Basiscamp Evian-les-Bains endete mit einem schweren Rückschlag. Kurz vor dem Ende des öffentlichen Trainings verletzte sich Antonio Rüdiger schwer. Joachim Löw berief vier Tage vor dem ersten EM-Spiel gegen die Ukraine Jonathan Tah in den Kader der deutschen Nationalmannschaft, einen Musterschüler aus Leverkusen.


Es hatte so schön begonnen. Evian, der Kurort am Genfer See, hatte sich herausgeputzt. In ein Blumenbeet an der Seepromenade war ein überdimensionaler Fußballschuh in schwarz-rot-goldenen Farben aufgestellt worden. Der Empfang für die deutschen Nationalspieler, die am Dienstag gegen 17.00 Uhr in ihrem Hotel Ermitage eintrafen, war sehr warmherzig. Bienvenue à Évian – Willkommen in Evian. Am Ortseingang hing ein rosa Schild mit einer deutschen Begrüßung: „Willkommen bei uns zu Hause Jungs. Evian“. Und die deutschen Nationalspieler schritten unmittelbar nach der Ankunft zu einem kleinen Schauspiel als Dankeschön.

Bastian Schweinsteiger (Mitte) ist fast wieder fit. Im Training kämpfte er mit Thomas Müller (links) um den Ball. Leroy Sane schaut zu. (Foto: Getty Images)

 

Für 18.30 Uhr hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) im Stade Camille Fournier das erste Training in Frankreich angesetzt. Das Projekt, den vierten EM-Titel nach Deutschland zu holen, hatte nun auch im Land des EM-Gastgebers begonnen. Gut 2.000 Fans kamen, darunter viele Kinder, die die auf den Plätzen ausgelegten Deutschland-Fähnchen jubelnd schwenkten. „Es ist wunderbar hier. Wir haben tolle Bedingungen angetroffen und die Leute sind sehr freundlich“, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel. 21 Nationalspieler machten bei Sonne ein kleines Trainingsprogramm. Mats Hummels drehte wie schon in Ascona nur Laufrunden, Lukas Podolski hatte noch einen Tag „babyfrei“ bekommen nach der Geburt von Maya, seinem zweiten Kind.

Kurz nach der Schrecksekunde: Antonio Rüdiger liegt verletzt am Boden. Später stellt sich heraus, dass er mit einem Kreuzbandriss für die EURO 2016 ausfällt. (Foto: Getty Images)

 

Im Trainingsspiel passierte es dann. Nach einem eigentlich harmlosen Zweikampf mit Thomas Müller blieb Antonio Rüdiger auf dem Rasen liegen, Bastian Schweinsteiger rief sofort die Physiotherapeuten zur Hilfe, Müller kümmerte sich um den Verletzten. Schließlich musste der Verteidiger vom AS Rom humpelnd von Feld geführt werden. Die schlimmsten Befürchtungen wurden kurz nach 22.00 Uhr bestätigt: Rüdiger hatte einen Kreuzbandriss erlitten, der ein halbes Jahr Pause bedeutet. „Äußerst unglücklich“ sei der Vorfall, Rüdiger tue ihm sehr leid, sagte Löw am nächsten Vormittag.

Thomas Schneider ist für die Trainingsorganisation zuständig. Der Assistent von Joachim Löw schleppte Tore beim öffentlichen Training in Evian. (Foto. Getty Images)

 

Löw versicherte am Mittwoch bei der ersten Pressekonferenz im DFB-Medienzentrum in Evian-les-Bains, dass die Ambition des Titelgewinns jedoch weiterbesteht. Der 56-Jährige lässt sich nicht von heftigen Rückschlägen irritieren. „Deswegen schrauben wir unsere Zielsetzung nicht nach unten“, sagte der Weltmeistercoach. Denn nach Marco Reus und zuvor Ilkay Gündogan brach ihm eine weitere fest eingeplante Kraft weg. Der Rüdiger war als Vertreter von Mats Hummels in der Innenverteidigung beim ersten EM-Spiel gegen die Ukraine gesetzt. „Wir haben uns entschieden, Jonathan Tah nachzunominieren. Ich wollte eine 1:1-Lösung.“ Das bedeutete, dass für einen Innenverteidiger ein anderer gelernter Innenverteidiger berufen wurde. 

Jonathan Tah, wie Rüdiger ein Innenverteidiger, wurde von Bundestrainer Joachim Löw kurzfristig für die Europameisterschaft nachnominiert. (Foto: Imago)

 

Musterschüler Tah rückte für Antonio Rüdiger nach

Der 20 Jahre alte Tah wurde noch am Mittwoch im Urlaub in Miami im US-Bundesstaat Florida aufgespürt. Der Leverkusener, der eigentlich für die Olympia-Auswahl vorgesehen war, hatte mit einem der besten Privattrainer der USA dort seit drei Wochen ein Fitnesstraining absolviert. Anfang Mai hatte er nach 45 Spielen in der Leverkusener Startelf seine letzte Saisonpartie bestritten. In den letzten drei Saisonspielen fehlte er nach einer Lebensmittelvergiftung, wegen der er auch einige Tage im Krankenhaus gelegen hatte. „Von Jonathan weiß man, dass er im Urlaub nicht auf der faulen Haut liegt“, sagte Löw. Obwohl „Jona“, wie er in Leverkusen genannt wird, nun recht lange keine Spielpraxis aufweist und bisher nur 45 Minuten in der Nationalelf spielte – in der zweiten Halbzeit beim 2:3 gegen England Ende März – berief Löw nicht einen Spieler wie den Hoffenheimer Sebastian Rudy, der vorige Woche aus dem vorläufigen, erweiterten Kader gestrichen wurde. Schon vor der WM 2014 hatte Löw Christoph Kramer aus dem Hut gezaubert und Spieler aus seinem vorläufigen Kader außen vorgelassen.


Dass Tah über die Rolle des Ersatzmanns hinaus kommt, ist ziemlich unwahrscheinlich. „Wir werden ihn schnell an die Mannschaft heranführen“, erklärte Löw. Das gilt auch für Hummels, der am Mittwoch erstmals wieder mit dem Ball trainierte, sodass die Perspektiven steigen, dass der Weltmeister bereits im zweiten EM-Spiel gegen Polen in die Startelf zurückkehren kann.


Löw nannte die Alternativen für den ausgefallenen Rüdiger, solange Hummels fehlt. „Zwei Möglichkeiten kommen in Frage: Entweder Mustafi spielt zentral oder Höwedes rutscht nach innen. Das werden wir in dieser Woche noch ausprobieren. Ich lasse mir noch etwas Zeit mit der Entscheidung.“ Doch dann ließ Löw erkennen, dass Benedikt Höwedes bei ihm gute Karten besitzt. Der Schalker und Boateng hätten schon beim Gewinn des U21-EM-Titels 2009 sehr gut zusammengespielt, sagte Löw.