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Neuer: „Unser Ziel ist es natürlich, den Titel zu holen“

UEFA Euro 2016

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10/06/2016
 

Nationaltorwart Manuel Neuer spricht über die anstehende Europameisterschaft und nennt den Titelgewinn als selbstverständliches Ziel. Die „üblichen Verdächtigen“, also die Mitfavoriten, würden aber besonders gern den Weltmeister schlagen wollen. Der 30-Jährige beschreibt auch seine eigene Rolle im Team, in dem er seit der WM 2010 zum Führungsspieler geworden ist.


Herr Neuer, schon über 14 Tage läuft das Training für die Europameisterschaft. Wie ist es für Sie, meist zweimal am Tag zu trainieren ohne große Abwechslung, abgesehen vom Test gegen Ungarn?

„Das macht mir nichts aus. Ich stehe gerne auf dem Platz zu stehen. Ich liebe den Fußball. Ich mache meinen Job gerne.“

Manuel Neuer beim Training in Evian-les-Bains. Er fühle sich in bester Verfassung, sagt der Nationaltorhüter. (Foto: Getty Images)

 

Wie sehen Sie Ihre eigene Form?

„Ich bin sehr positiv gestimmt. Vor der WM 2014 hatte ich diese Schulterproblematik, ich war verletzt und konnte lange nicht richtig trainieren. Diesmal war ich dabei, als in Ascona und nun in Evian sehr konzentriert gearbeitet wurde. Ich bin voll im Saft.“


Wie bewerten Sie den aktuellen Zustand der Mannschaft, vor allem, wenn Sie ihn mit der Situation vor der WM 2014 vergleichen sollen?

„Ich finde, wir haben Philipp Lahm, Miro Klose und Per Mertesacker, die aufgehört haben, gut ersetzt. Es sind noch immer sehr viele erfahrene Spieler im Team, die Weltmeister wurden und auf dem Platz die Entscheidungen treffen, wenn es wichtig ist. Dazu sind junge Spieler gekommen, die richtig was können.“ 

Für Manuel Neuer ist die EURO 2016 das vierte Turnier, das er mit der deutschen Nationalmannschaft bestreitet. Die Mannschaft habe das Ziel, den Titel zu holen, sagt er. (Foto: Getty Images) 

 

Die Stimmung zwei Tage vor dem ersten EM-Gruppenspiel gegen die Ukraine ist gut, sagen Joachim Löw und Oliver Bierhoff. Können Sie das aus Spielersicht bestätigen?

„Ich erlebe die Stimmung sehr positiv. Wir verstehen uns, die jüngeren Spieler haben sich gut eingefügt. Trotz allem wird auch sehr aggressiv und konzentriert trainiert. Ich habe ein sehr gutes Gefühl.“


Wie gelingt es Ihnen und Ihren Kollegen, sich nach dem Gewinn der WM neu zu motivieren? Welche Ziele haben Sie bei der EM?

„Unser Ziel? Wir sollten uns höchstmögliche Ziele setzen. Natürlich kann man sich die Frage stellen, wann es eine erfolgreiche EM war. Das ist richtig, trotz des Ergebnisfußballs, den wir spielen. Wie treten wir auf? Wie wollen wir den deutschen Fußball vertreten? Wenn das stimmig ist, kann man eventuell zufrieden sein, wenn man gegen starke Gegner ausscheidet. So habe ich es akzeptiert, als wir mit den Bayern gegen Atletico Madrid im Halbfinale der Champions League raus sind. Es war ein gutes Spiel und die Niederlage keine Schande für uns.“


Ab wann würden Sie sagen, war die EM sportlich für Sie ein Erfolg?

„Unser Ziel ist es natürlich, den Titel zu holen. Wir haben schließlich eine erfrischende, spielstarke Mannschaft.“


Aber in der Abwehr gab es in der EM-Qualifikation und in den Tests einige Probleme.

„Wir müssen nicht ausschließlich an unserer Defensive arbeiten, auch am Anlaufverhalten, wie man den Gegner unter Druck setzt. Es geht darum, den Gegner intelligent anzulaufen und Wege zu machen, die Sinn haben. Wir müssen in allen Belangen an uns arbeiten.“


Wen schätzen Sie als die schärfsten Konkurrenten im Titelkampf ein?

„Wie immer die üblichen Verdächtigen: Spanien, Italien, der Gastgeber Frankreich, dazu die starken Belgier, England diesmal nicht zu vergessen. Ich finde, eine EM ist nicht einfacher als eine WM. Da hast du lauter Mannschaften, schon in den Gruppenspielen, die gut ausgebildet sind und sich auf uns einstellen können. Sie alle kennen den deutschen Fußball. Dazu kommt, dass jeder unbedingt den Weltmeister schlagen will.“

Manuel Neuer bei seinem ersten Turnier mit dem A-Team des DFB: Für den Junioren-Europameister von 2009 war es die WM 2010 in Südafrika. (Foto: Getty Images)

 

Mit 30 Jahren gehören Sie zu den erfahrensten Spielern. Zum vierten Mal sind Sie bei einem Turnier dabei. Wie hat sich Ihre Rolle zwischen der WM 2010 und der EM 2016 verändert?

„Als Torwart habe ich automatisch eine gewisse Verantwortung zu tragen. Ich muss den einen oder anderen, der vor mir spielt, führen. Weil ich inzwischen einige Turniererfahrung habe, gehört es zu meinen Aufgaben, mich auch abseits des Platzes einzubringen. Da fährt man die Antennen aus und geht auch mal auf einen jungen Spieler zu, wenn man das Gefühl hat, dass er ein bisschen Unterstützung braucht.“

Drei aus der Abwehr, die auch gegen die Ukraine spielt? Jonas Hector, Benedikt Höwedes und Joshua Kimmich beraten sich beim 1:3 gegen die Slowakei. (Foto: Getty Images)

 

Vielleicht bekommen Sie gegen die Ukraine einen von den jungen Kerlen als rechten Verteidiger vor sich gestellt. Trauen Sie Joshua Kimmich das zu?

„Ich finde es beeindruckend, wie Joshua die Rollen einnimmt, die ihm übertragen werden. Er ist selbstbewusst, mutig, hat keine Angst und ist gleichzeitig trotz des ganzen Trubels um seine Person sehr bodenständig. Er hat sich bei den Bayern mit Bravour eingefunden und auch in großen internationalen Spielen sehr gute Leistungen gezeigt. Ich vertraue ihm zu hundert Prozent und habe ein gutes Gefühl, wenn ich mit ihm zusammenspiele.“


Am Sonntag geht's los, sind Sie froh darüber, dass die langen, sich hinziehenden Tage dann vorbei sind?

„Es kann vorkommen, dass die Zeit manchmal schleicht und die Tage einfach nicht vorübergehen wollen. Wir können ja nicht den ganzen Tag trainieren. Nach dem ersten Turnierspiel kommt dann viel Tempo rein. Wir möchten, dass es jetzt losgeht und dann für uns möglichst spät zu Ende geht.“