Produkte für PKW / Van / 4x4

New content item

Thomas Müller: „Die Defensive ist das A und O“

UEFA Euro 2016

 Votes Print
 
17/06/2016
 

Thomas Müller ist bei der Europameisterschaft 2016 noch ohne Tor. Nach dem 0:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen Polen stellte sich der Offensivspieler des FC Bayern München den Fragen der Medienvertreter. Die Mannschaft habe beim torlosen Remis den Schwerpunkt auf die Defensive gelegt, sagte Müller. Allerdings fehle dem Weltmeister-Team auch ein Stürmer, der sich in 1:1-Situationen durchsetzen könne.

Thomas Müller gestikulierend - Imago

Thomas Müller wählt klare Worte und ist um eindeutige Aussagen nicht verlegen: Auf dem Platz und im Interview. (Foto: Imago)

 

Herr Müller, Sie haben mit der deutschen Nationalmannschaft ein 0:0 gegen Polen erreicht. Wie fällt Analyse aus?

„Der Punkt ist in Ordnung. Aber es geht immer im Fußball darum, mit welchem Gefühl man aus dem Spiel rausgeht. Erwartungshaltung und Ergebnis. Wir hatten uns vorgenommen, zu gewinnen. Wir haben gezeigt, dass unsere Basis vorhanden ist, um erfolgreich zu sein. Wir arbeiten als Mannschaft gut zusammen, wir hauen uns rein. Der Einsatz und der Zusammenhalt sind bei jedem einzelnen zu sehen und zu spüren. Aber es hat heute einfach gegen gut verteidigende Polen der letzte Esprit gefehlt, der letzte zündende Gedanke.“


Das heißt, dass Sie nicht zufrieden sind mit dem Punkt?

„Dementsprechend sind wir nicht zu 100 Prozent zufrieden. Wir sind auf der Suche nach den Lösungen. Das knabbert, so direkt nach dem Spiel, an uns Offensivspielern schon. Ich persönlich bin natürlich auch nicht zufrieden. Mich persönlich stört noch nicht mal, dass ich bei der EURO noch kein Tor geschossen habe. Mich stört, dass ich die letzten zwei Spiele keine wirkliche Tormöglichkeit mir mit dem Team erarbeiten konnte. Darauf müssen wir hinarbeiten, dass unsere Laufwege, unsere Kombinationen wieder zu Torchancen führen.“


Sie hatten es allerdings auch schwer gegen sehr massiv verteidigende Polen. Müssen Sie sich auf ein ähnliches Spiel gegen Nordirland einstellen?

„Natürlich ist der Gegner auch nicht ganz unbeteiligt. Aber es werden auch wieder andere Gegner kommen, die nicht nur auf verteidigen und kontern spezialisiert sind. In den Spielen bekommt man vorne wieder etwas mehr Platz. Aber da müssen wir uns noch ein paar Spiele gedulden und uns erst für die nächsten Gegner Lösungen parat haben.“

Thomas Müller vs Pisczcek - Imago

Die Polen wie der Dortmunder Lukasz Piszczek verteidigten sehr gut und machten Thomas Müller und seinen offensiven Mitspielern im DFB-Team das Leben schwer. (Foto: Imago)

 

Denkt die Mannschaft im Moment sehr defensiv?

„Natürlich denken wir defensiv, das ist ja wichtig. Wir arbeiten auch viel, das ist auch gut so. Das ist wichtig, um Ergebnisse einzufahren. Wir haben zweimal zu Null gespielt. Wenn man Turniere gewinnen will, ist das mal das A und O. Und in der Offensive haben wir in Deutschland eben nicht den 1:1-Spieler, um Abwehrbollwerke zu knacken, so wie wir es vielleicht beim FC Bayern haben. So ein Spieler fehlt, den können wir uns nicht herzaubern, deswegen müssen wir es mit Kombinationsspiel versuchen. Da fehlt gegen Polen einfach der letzte Pass, der letzte Schritt, die letzte Abstimmung. Der andere Teil ist, dass Polen sehr gut verteidigt hat, auch wenn man sich die Standards anschaut.“


Wie kann man diese Lösungen finden?

„Wir müssen in die Analyse gehen. Wir müssen schauen, was uns gefehlt hat. Im nächsten Spiel müssen wir das dann besser machen. Das letzte Risiko sind wir gegen Polen nicht gegangen. Das letzte Schnelligkeitsmoment vorne fehlt einfach.“

Müller mit Kolleegen - Imago

Hoher Beratungsbedarf bestand bei den deutschen Führungsspielern Sami Khedira, Thomas Müller, Benedikt Höwedes und Mats Hummels (von links) beim 0:0 gegen Polen. (Foto: Imago)

Thomas Müller mit Ball - Imago

Thomas Müller, bei den WM-Turnieren 2010 und 2014 ein verlässlicher Torschütze, hat bei der EM 2016 noch keinen Treffer erzielt, ist aber zuversichtlich, dass dies ihm noch gelingt. (Foto: Imago)

 

Überrascht es Sie, dass bei der EM insgesamt so wenig Tore fallen?

„Man sieht ja, was bei einer Europameisterschaft los ist. Es haben alle Mannschaften körperliches und taktisches Verständnis. Es ist nicht mehr so wie vor 20 Jahren, dass kleinere Länder fußballmäßig weiter hinten sind, sondern die haben alle Trainer, die Fortbildungen machen und eine Ahnung davon haben, wie man Ergebnisse einfahren kann. Es ist für keinen ein Spaziergang hier. In Europa ist die defensive Disziplin höher als in Mannschaft aus Südamerika oder Afrika, auf die man bei einer WM trifft.“


Nervt es eigentlich, dass so viele Mannschaften gegen Sie, gegen die deutsche Nationalmannschaft so hinten drin stehen?

„Kann man so sagen. Aber es hilft uns nichts, uns darüber zu beklagen. Es ist legitim, dass Gegner versuchen, ein gutes Ergebnis einzufahren. Das sind eben ihre Mittel. Natürlich würde man lieber gegen Mannschaften spielen, die auch das Spiel mit dem Ball lieben.“


Fehlt Ihnen persönlich im Moment auch ein wenig das Glück?

„Ich weiß nicht, ob das Glück fehlt. Es ist grundsätzlich so, dass wir uns als Mannschaft zu wenig Torchancen herausarbeiten, und deshalb habe ich auch zu wenig Tormöglichkeiten. Wenn ich wieder mal eine Möglichkeit bekomme, dann muss ich halt da sein.“