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Den Super-Optimisten Löw kann nichts erschüttern

UEFA Euro 2016

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04/07/2016
 

Trotz der vielen Ausfälle ist Joachim Löw unerschütterlich in seinem Optimismus. Frankreich sei keineswegs Favorit für das EM-Halbfinale am Donnerstag in Marseille, sagte Löw. Für ihn habe das Turnier mit dem 7:6 im Viertelfinale gegen Italien nach Elfmeterschießen erst begonnen. „Ich liebe diese Spiele“, erklärte der Bundestrainer.


Mats Hummels ist gesperrt, Mario Gomez kann im ganzen Turnier nicht mehr spielen, Sami Khedira wird auf keinen Fall bis Donnerstag fit, der Einsatz von Bastian Schweinsteiger ist sehr fraglich: Die Ausfälle vor dem Halbfinale der Europameisterschaft gegen Gastgeber Frankreich sprengen die deutsche Erfolgself, aber Bundestrainer Joachim Löw ist wegen der Ausfälle nicht besorgt. Er strahlt nach dem Euphorie-Sieg gegen Italien noch weiter gewachsene, schier unerschütterliche Zuversicht aus. „Wir müssen uns was einfallen lassen. In der Mannschaft sind die Ausfälle kein Thema. Jeder Spieler weiß, dass nun andere ranmüssen. Niemand ist deswegen beunruhigt“, sagte Löw am Montag in Evian-les-Bain vor dem Training. „Alle Spieler sind auf sehr gutem Niveau und körperlich gut in Schuss. Dafür haben wir in den letzten Wochen Sorge getragen.“ 

Mats Hummels bekämpft im Viertelfinale den Italiener Stefano Sturaro (links). Im Halbfinale gegen Frankreich wird der Verteidiger wegen einer Gelbsperre fehlen. (Foto: Imago)

 

Die Spieler, die für die Ausfälle in die Startelf rücken könnten, sind der im ersten EM-Spiel gegen die Ukraine bereits eingesetzte Shkrodan Mustafi, der in einer Dreierkette Hummels ersetzen könnte, und Dortmunder Julian Weigl oder Emre Can vom FC Liverpool, die den Platz im defensiven Mittelfeld von Khedira übernehmen könnten. Als Gomez-Ersatz könnten Thomas Müller oder Mario Götze in die Spitze rücken. „Alle Spieler und auch ich haben Vertrauen zu denen, die neu in die Mannschaft kommen“, sagte Löw. 

Shkrodan Mustafi (links), Emre Can (Mitte) und Julian Weigl: Drei deutsche Spieler, die beim Halbfinale gegen Italien in die Startelf rücken könnten. (Foto: Imago)

 

Nichts scheint den 56-Jährigen schockieren zu können, auch nicht, dass die Franzosen am Sonntag beim 5:2 gegen Island mit ihrer besten Turnierleistung richtig in Fahrt gekommen sind. „Die Mannschaft dürfte nach dem hohen Sieg über Island vor Selbstvertrauen strotzen. Sie wird in Marseille von einem fanatischen Publikum unterstützt. Wir wissen aber, was wir tun müssen“, erklärte Löw. Er habe Frankreich ja schon vor dem Turnier zum Favoritenkreis gezählt, aber das bedeute nicht, dass der EM-Gastgeber nun für das Duell am Donnerstag favorisiert sei. „Es treffen zwei Mannschaften auf Augenhöhe aufeinander“, sagte Löw. Er freue sich auf den Kampf um den Einzug in das Finale am Sonntag, wo der Sieger der Partie zwischen Wales und Portugal der Gegner sein wird. „Es ist super, dass es solche Spiele gibt. Ich liebe es, dass es solche Spiele gibt“, sagte Löw und wirkte regelrecht euphorisch.

Schon sechsmal schlugen die Deutschen in einem Halbfinale den Gastgeber

Der Freiburger nutzt die Pressekonferenzen im deutschen EM-Basisquartier in Evian, um mit seinem Super-Optimismus die öffentliche Stimmung zu Hause positiv zu beeinflussen und auch der Mannschaft das Gefühl von Stärke zu vermitteln. Dass er sich auf die „Kracher“ zwischen den großen Fußball-Nationen freut, ist nicht verwunderlich, denn er blickt auf eine erfolgreiche Bilanz zurück. Fünfmal hintereinander, bei jeder Turnierteilnahme, führte er sein Team in die Halbfinalspiele, was noch kein anderer europäischer Nationaltrainer geschafft hat.

Jubel beim 5:2-Sieg gegen Island im Viertelfinale bei den Franzosen Olivier Giroud (rechts), Patrice Evra (Mitte) und Dimitri Payet. (Foto: Imago)

 

Die vor zwei Jahren gemachte Erfahrung ist es auch, die keine Furcht vor einer Übermacht des Gastgebers entstehen lässt. „Wir haben in Brasilien im Halbfinale ein ganzes Land mit 200 Millionen Einwohnern gegen uns gehabt. Auch da haben wir gut geschlafen. Wir werden auch vor dem Frankreich-Spiel ruhig schlafen“, sagte Löw. Bei den Franzosen ist zudem der Respekt vor den Deutschen sehr groß. Genauso, wie vor dem Viertelfinale die schwache DFB-Bilanz gegen Italien immer wieder angeführt wurde, bearbeitet die französischen Medien das Angstgegner-Thema. Denn Frankreich hat noch kein wichtiges Turnierspiel gegen Deutschland gewonnen, es gab das legendäre 3:3 im WM-Halbfinale 1982 in Sevilla, das 0:2 als hoher Favorit im WM-Halbfinale 1986 in Guadalajara und das 0:1 vor zwei Jahren im WM-Viertelfinale in Rio. Aber auch das ist für Löw eher kalter Kaffee. „Daraus kann man keine Kraft zehren“, erklärte er. Immerhin haben deutschen Nationalmannschaften satte sechs Mal bewiesen, dass sie - wenn sie in ein Endspiel kommen möchten –auch die Turniergastgeber vor eigenem Publikum ausschalten können. Bei Weltmeisterschaften war das zuletzt in Brasilien der Fall, davor in Südkorea 2002 und EM-Turnieren in England 1996, in Schweden 1992, in Jugoslawien 1976 und in Belgien 1972.


Für Löw hätte die EM eigentlich erst am Samstag anfangen können. „Ich habe das Gefühl, das Turnier hat gerade erst begonnen. Wir haben alle noch viel Freude und Euphorie“, sagte er aufgekratzt. Doch gleich der Start ging gleich brutal an die Substanz. „Die Freude war nach dem Spiel groß, das war ja auch Dramatik pur. Nach dem Spiel ist es eher ruhig geworden, weil 120 Minuten auch psychisch Spuren hinterlassen. Die Spieler haben auch eine unglaubliche Laufleistung hinterlassen, da kam dann die Müdigkeit durch.“ Um 5.30 Uhr am Sonntag kam man im Quartier an, bis um 7.00 dauerte es, bis alle im Bett waren. Nach dem Wachwerden trudelte dann die Hiobsbotschaft über den Verletztenstand ein.

Bundestrainer Joachim Löw (rechts) mit Bastian Schweinsteiger. Ob der Kapitän im Halbfinale gegen Frankreich spielen kann, war drei Tage vor der Partie in Marseille ungewiss. (Foto: Imago)

 

Khedira, der im Viertelfinale gegen Italien schon nach 15 Minuten vom Platz musste, klagte über Adduktorenprobleme, die Meldung einer Fachzeitung, er falle komplett für die EM aus, war allerdings falsch. „Wir werden alles dafür tun, dass er in einem möglichen Finale zur Verfügung steht“, sagte Löw. Bei Schweinsteiger müsse man die nächsten Tage abwarten. Der 31-Jährige laboriert an einer Außenband-Zerrung im Knie. „Basti hat sich glänzend reingebissen und auch die Kraft bis zum Ende gehabt. Das hat mich beeindruckt. Eines ist aber klar. Spieler die angeschlagen sind, lasse ich definitiv nicht spielen. Bei mir werden nur fitte Spieler aufgestellt. Den Fehler haben wir einmal gemacht und den werde ich ganz sicher nicht wiederholen.“ Er würde sich freuen, wenn sein Kapitän dabei sein könnte, doch die Wahrscheinlichkeit, dass der 31-Jährige aufläuft, ist eher gering. Neue Kräfte braucht das Land.